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Band XV (1999)Spalten 1394-1395 Autor: Georg Kreuzer

URBAN III. (Hu[m]bert Crivelli), Papst v. 25. November 1185 - 20. Oktober 1187, + 20. Oktober 1187 Ferrara. - Er entstammte einer vornehmen Mailänder Familie, die in Opposition zu Kaiser Friedrich I. Barbarossa stand. Wohl während seiner Zeit als Kanoniker und Archidiakon v. Bourges erhielt er eine Ausbildung im kanonischen und zivilen Recht. Nach seiner Rückkehr in seine Heimat wurde er 1168 Archidiakon v. Mailand. Möglicherweise wirkte er auch einige Zeit als Bisch. v. Vercelli. Im September 1182 erhob ihn Lucius III. zum Kardinalpriester v. San Lorenzo in Damaso. 1183/84 war er als päpstlicher Legat in der Lombardei tätig. Nach seiner Wahl zum EB v. Mailand (9. Januar 1185) behielt er sein Kardinalat bei und wirkte kaum in seiner Diöz. Am Todestag seines Vorgängers in Verona zum Papst gewählt, bemühte er sich zunächst um Verständigung mit Friedrich I. Bei der Hochzeit Konstanzes mit Heinrich VI. in Mailand ließ er sich durch zwei Kard. vertreten. Als er entgegen seinem ursprünglichen Versprechen im Trierer Bistumsstreit den v. Kaiser belohnten Kandidaten ablehnte und dessen Kontrahenten bestätigte und weihte (1. Juni 1186), gab es erste Unstimmigkeiten. Als sich Cremona mit Wissen und Billigung des Papstes erhob, handelte der Kaiser rasch. Von ihren Verbündeten im Stich gelassen, mußte sich die lombardische Stadt Friedrich Barbarossas ergeben. Auf dem Hoftag in Gelnhausen (28. November 1186) beklagte sich der Kaiser über den Papst, dem er Ermutigung der Cremoneser sowie Wortbruch im Trierer Bistumsstreit vorwarf. Die dt. Bisch. stellten sich in diesen Streitpunkten fast geschlossen hinter ihren König und unterstützten auch nicht die Kritik des Papstes am königlichen Regalien- und Spolienrecht nach Erledigung v. Bistümern und Klöstern. U. lenkte schließlich, fast ausschließlich auf Verona beschränkt, auf Vermittlung der dt. Bisch. ein, da der Thronfolger Heinrich VI. fast den gesamten Kirchenstaat im Norden und Süden von Rom unterworfen hatte. Er verließ Verona, angeblich um die in Venedig versammelten Kreuzfahrer zu segnen. Der Förderer der Kanonikerstifte der Provinz Mailand starb jedoch in Ferrara, wo er auch begraben wurde.

Quellen: Jaffe II2, Nr. 15475-16012 (492-528); LibPont II, 451; Watterich II, 663-683.

Lit.: Wilhelm Meyer, Zum Streite Kaiser Friedrichs des I. mit Papst U. dem III., in: Forsch. z. Dt. Gesch. 19, Göttingen 1879, 61-75; - Heinz Kauffmann, Die it. Politik Kaiser Friedrichs I. nach dem Frieden von Constanz (1183-1189), (Diss.) Greifswald 1933; - Marie-Caroline de Fischer-Reichenbach, Urbain III et Barberousse et les trois cardinaux Crivelli, Bern 1940; - Klaus Ganzer, Die Entwicklung des auswärtigen Kardinalats im hohen MA, Tübingen 1963, 134-136; - Annamaria Ambrosioni, Monasteri e canoniche nella politica di Urbano III, in: Istituzioni monastiche e istituzioni canonicali in Occidente, 1123-1215. Atti della settima Settimana internazionale di studi medioevali (Mendola 28 agosto - 3 settembre 1977), Mailand 1980, 601-631; - dies., Milano e suoi vescovi, in: Milano e il suo territorio in età communale. Atti dell' XI congresso di studi sull'Alto medioevo I, Spoleto 1989, 291-326; - Erich Saurwein, Der Ursprung des Rechtsinstituts der päpstlichen Dispens von der nicht vollzogenen Ehe. Eine Interpretation der Dekretalen Alexanders III. und U. III. (Analecta Gregoriana 215) Rom 1980; - Volkert Pfaff, Sieben J. päpstlicher Politik. Die Wirksamkeit der Päpste Lucius III., U. III., Gregor VIII., in: ZSavRGkan 67, 1981, 175-177; - Anna Caso, I Crivelli. Una famiglia milanese fra politica, società cd economia nei secoli XIIe XIII, Rom 1994 (passim); - DThC XV, 2, 2285-2288; - EC XII, 907 f; - Haller III, 259-262; - Fliche Martin IX, 2, 196-206; - LThK X, 544; - LexMA VIII, 1284; - NewCathEnc XIV. 478; - RGG3 VI, 1186; - Dictionnaire Historique de la Papauté, Paris 1994, 1677 f.

Georg Kreuzer

Letzte Änderung: 07.03.1999