VALERIANUS (Publius Licinius Valerianus),* um 190; † nach 262(?); Röm. Kaiser (Juni/August 253 - Juni (?) 260); - Der von unbekannten Eltern senatorischer Herkunft abstammende V. wird 238 erstmals Konsul und übt unter Decius und Trebonius Gallus in der Zeit der Reichskrise Mitte des 3. Jh. wichtige militärische Funktionen aus. So nimmt er unter dem Gegenkaiser Hostilianus, dem zweiten Sohn des Decius, am Gotenkrieg teil. Vom Thronprätendenten Trebonius Gallus gegen den von seinen Truppen in Mösien zum Kaiser ausgerufenen Aemilius Aemilianus zu Hilfe gerufen, macht sich V. selbst als militärischer Kommandant im Frühsommer 253 in Rätien zum Kaiser. Nach seiner Ankunft in Rom wird der neue Herrscher im September desselben Jahres vom Senat anerkannt. Unmittelbar nach seiner Erhebung zum Kaiser nimmt V. seinen Sohn Gallienus als Augustus und Mitregent an. In der Folge sichert dieser den Westen des Reiches, während V. bereits 254 nach Osten aufbricht, um die dort eingefallenen Goten und Perser zu bekämpfen. Im Hinblick auf den Finanzbedarf dieses großen Vorhabens füllt V. mittels umfangreicher Konfiskationen die marode Staatskasse auf. Wiederholt stoßen in jenen Jahren die Goten bei ihren Einfällen bis an den Hellespont vor. Noch gravierendere Folgen haben die unter dem persischen Großkönig ŠØpùr vorgetragenen Feld- und Vernichtungszüge in die östlichen röm. Provinzen. So zerstört dieser bei seinem Zug 253 Dura-Europos am Euphrat, nimmt Antiochien ein und erobert Armenien. Kurze Zeit später gelingt es jedoch den Römern, Antiochien zurückzuerobern. In klarer Einschätzung seiner militärischen Möglichkeiten weicht V. einem erneuten persischen Vorstoß nach Kleinasien geschickt aus und geht schließlich selbst zur Offensive über. Nach anfänglichen militärischen Erfolgen bricht die Pest im Heer aus und V. wird in der 2. Hälfte des Juni 260 von ŠØpùr bei einem Angriff auf dessen Belagerungsheer bei Edessa gefangengenommen. Der röm. Kaiser stirbt nach 262 (?) in persischer Gefangenschaft. Besondere Bedeutung kommt V. in seiner Rolle als Christenverfolger zu. Dabei waren die Jahre 252-257 zunächst von einer milden, ja toleranten Haltung gegenüber den Christen gekennzeichnet. In Verbindung mit klugen militärischen und administrativen Maßnahmen sichert V. dem Reich damit eine Zeit relativen Friedens. In diesem Umfeld nimmt das Christentum beträchtlich an Zahl zu. Überraschend brechen im Sommer 257 Verfolgungen aus, die bei Eusebius (h.e. VII,10,2-6) dem Finanzmin. Macrianus zugeschrieben werden. Zunächst richtet sich die Verfolgung mit einem ersten Edikt gegen die Hierarchie der Kirche. So werden angesehene Mitglieder des höheren Klerus verbannt, darunter die Bisch. Cyprian von Karthago (nach dem Dorf Curubis, vgl. Cypr., ep. 76-79) und Dionysios von Alexandrien. Hinzu kommt ein Versammlungsverbot für die Christen, gültig auch für die Friedhöfe, verbunden mit der Drohung der Todesstrafe. Im Sommer 258 ergeht ein Reskript des Kaisers an den Senat - das sog. zweite Edikt - mit der Forderung nach schärferen Aktionen gegen die Christen. Nun wird die Todesstrafe für diejenigen vorgesehen, die im Glauben festbleiben. Dabei sind Bisch., Priester und Diakone bei ihrer Ergreifung sofort zu töten (Cypr., ep. 80,1: in continenti animadvertantur). Zahlreiche Martyrien sind aus dieser Verfolgung nachgewiesen, so Cyprian von Karthago und der röm. Bisch. Sixtus II. Für den Ausbruch der Verfolgungen werden verschiedene Gründe genannt. Sicherlich sind die Maßnahmen auf dem Hintergrund der allgemeinen Reichskrise und ihrer Folgen (Barbareneinfälle, Pestnöte sowie ökonomische Probleme) zu sehen. Die Angabe von Gründen für den Ausbruch der Verfolgungsmaßnahmen im Jahre 257 gestaltet sich jedoch äußerst schwierig. Verschiedene Deutungsmodelle werden angeboten. Einmal werden die Verfolgungsmaßnahmen als Ausdruck der allgemeinen Frustration bzw. der Verweigerung der Christen, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen, gesehen (Alföldi). Andere betonten den Finanzbedarf des röm. Staates und dessen Willen, sich der Finanzmittel der Kirche zu bedienen (Jones) sowie den Willen des Kaisers, die pax deorum im Sinne der altröm. Religion wiederherzustellen (Molthagen). Hier anschließend sehen weitergehende Überlegungen in der Forderung nach Opfern (supplicationes) im gesamten Reich, der sich die Christen verschließen, einen der entscheidenden Gründe für den Beginn der Maßnahmen durch den bereits unter Decius an Christenverfolgungen beteiligten V. Die Verfolgungen richten sich zudem bevorzugt gegen hochgestellte Personen, welche den Götterkult aufgegeben hatten (Haas). In apologetischer Tendenz sieht Laktanz (De mort. pers. 5) das schmachvolle Ende des glücklosen V. als göttliche Strafe für dessen Taten.
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Josef Rist
Literaturergänzung:
R. Selinger, The mid-third century persecutions of Decius and Valerian. Frankfurt a.M. 2002.