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Band XXIII (2004) Spalten 1533-1536 Autor: Bruno W. Häuptli

VICTOR IV. (Victor V., Ottaviano de' Monticelli), Gegenpapst 1159-1164, * 1095, Montecelio bei Tivoli, † 20.4. 1164, Lucca. - V., Sohn des Grafen Giovanni de Oddone Monticelli (der angebliche Beiname Malededetto beruht auf einem Mißverständnis, vgl. Kehr), stammte aus einer Nebenlinie des Grafengeschlechts von Tusculum, das mit dem europäischen Hochadel versippt war. 1138 wurde er von Papst Innozenz II. zum Kardinaldiakon von S. Nicola in Carcere bestellt, 1143-1145 führte er im Auftrag Coelestins II. (1143-1144) und Lucius' II. (1144-1145) die Verhandlungen mit Roger II. von Sizilien. 1151 ernannte ihn Eugen III. zum Kardinalpresbyter von S. Cecilia. Nach dem Tod Hadrians IV. ergriff Friedrich Barbarossa die Gelegenheit, V., der mit ihm freundschaftlich verbunden war und der bei ihm mehrfach als Legat gewirkt hatte, als Kandidaten für den Papstthron zu portieren (1.9. 1159), da dieser die "Zusammenarbeit zwischen Imperium und Sacerdotium" befürwortete, was die Herrschaft des Kaisers über Rom bedeutet hätte. Gegenkandidat der kaiserkritischen, dem sizilischen König freundlich gesinnten Partei war der bedeutende Kirchenrechtler und Theologe Rolando Bandinelli, Kanzler und Kardinal von San Marco. Der tumultuarischen Wahl am 7.9. 1159 im Petersdom war die Belehnung V.s und seiner drei Brüder Otto, Gottfried und Soliman mit der Stadt und Grafschaft Terni durch Friedrich Barbarossa vorausgegangen, die den bisherigen Landjunkern zu fürstlicher Macht verhalf, aber einen groben, wenn auch gezielten Übergriff des Kaisers in Gebiete des Kirchenstaats darstellte. Nachdem Bandinelli als Alexander III. von der Mehrheit gewählt worden war, drangen bewaffnete Anhänger der Monticelli ein, rissen dem gewählten Papst den Purpurornat ab und inthronisierten Monticello als V.; einige Wochen später wurde er im kaiserlichen Kloster Farfa geweiht (4.10. 1159). Zur Bekräftigung der Illegimität seines Vorgängers Victor IV. (Gregorio Conti, 1138, s. dort), der von März bis Mai 1138 gegen Innozenz II. zu amtieren versucht hatte, nahm er dessen Namen und Zählung an, obwohl er eigentlich der fünfte seines Namens war. Die Doppelwahl, mit der ein zwei Jahrzehnte dauerndes Schisma einsetzen sollte, führte in der Folge zu einer Reihe kontroverser Synoden. Nachdem am 11.2. 1160 auf dem vom Kaiser einberufenen und darum von Alexander III. und dem französischen und englischen Klerus abgelehnten Konzil von Pavia die Wahl Oktavians bestätigt worden war, wurde auf Druck des Kaisers am 13.2. über Alexander als Reichsfeind und Schismatiker der Bann ausgesprochen, während dieser den Kaiser wenig später (24.3.) exkommunizierte, wobei er die Könige von England und Frankreich, Heinrich II. und Ludwig VII., auf seiner Seite hatte (Oktober 1160 Synode in Toulouse) und bald darauf auch in Spanien, Irland und Norwegen als rechtmäßiger Papst Anerkennung fand. Währenddessen profilierte sich V. durch die Ausrufung einer Kirchenreform (Ende 1160), mit der der Ämterhandel unterbunden werden sollte. Im folgenden Jahr sprach sich die Synode von Lodi für ihn aus, worauf Alexander III. zunächst in Rom, dann in Palestrina Zuflucht suchte und von dort über Genua nach Frankreich ins Exil ging. Trotz kaiserlicher Unterstützung fand V. jedoch lediglich im staufischen Teil der deutschen Kirche und in der von Barbarossa eroberten Lombardei (März 1162 Zerstörung Mailands) und in der Toscana Anerkennung. Die Treffen mit Ludwig VII. an der Grenze des Imperiums in St-Jean de Losne (29.8. und 19.9. 1162) verliefen trotz formeller Anerkennung V.s faktisch ergebnislos. Schließlich starb er im Frühjahr 1164 auf einer Reise mit dem kaiserlichen Kanzler Rainald von Dassel in Lucca, ohne sich mit dem legitimen Papst versöhnt zu haben, und wurde außerhalb der Stadtmauern in einem Kloster bestattet, weil sich der Klerus der Kathedrale und von S. Frediano weigerte, die Leiche eines exkommunizierten Kardinals bei sich aufzunehmen. Dem äußerst kurz amtierenden Papst Gregor VIII. (Oktober-Dezember 1187) blieb es vorbehalten, gegen Ende seiner Amtszeit bei einem Besuch in Lucca die Gebeine V.s ausgraben und außerhalb der Kirche beisetzen zu lassen. Das Schisma war mit V.s Tod nicht beendet. Von kaiserlicher Seite wurden mit schwindendem Erfolg die Gegenpäpste Paschalis III (1164-1168), Calixtus III. (1168-1178) und Innozenz III. (1179-1180) propagiert.

Quellen: Jaffé 2, 418-426; Watterich II, 377-537.

Lit.: Seppelt III, 232-248; - Haller III, 145-179 (übersichtliche Darstellung); - P. Kehr, Zur Geschichte Victors IV. (Octavian von Monticelli), in: Neues Archiv 46, 1926, 53-85; - P. Brezzi, Lo "schisma inter regnum et sacerdotium", in: Archivio della Deputazione Romana di Storia Patria 63, 1940, 1-98; - B. Schuster, Das Treffen von St. Jean de Losne im Widerstreit der Meinungen: zur Freiheit der Geschichtschreibung im 12. Jh., in: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft 43, 1955, 211-245; - B. Zenker, Die Mitglieder des Kardinalkollegiums von 1130 bis 1159, Würzburg 1965, 66-70; - H. Schwarzmaier, Zur Familie Viktors IV. in der Sabina, in: QFIAB 48, 1968, 64-79; - W. Madertoner, Die zwiespältige Papstwahl des Jahres 1159, Diss. Wien 1978, 90-108; - P. F. Palumbo, Le doppie elezioni del 1130 e del 1159 e il giudizio di Alessandro III e della sua età sullo scisma precedente, in: Storia e Civiltà 1, 1985, 408-429; - O. Engels, Die Staufer, Stuttgart 19887, 74-86; - W. Georgi, Friedrich Barbarossa und die auswärtigen Mächte: Studien zur Aussenpolitik 1159-1180, Frankfurt 1990, 42-90; - J. Laudage, Alexander III. und Friedrich Barbarossa, Köln 1997, 103-152 (kirchenrechtliche Analyse). 268-302 (Bibl.); - J. Strothmann, Kaiser und Senat: der Herrschaftsanspruch der Stadt Rom zur Zeit der Staufer (Beihefte zum Archiv für Kulturgeschichte, 47), Köln 1998, 218-227; - ECatt IX, 453f (A. Ghinato); - LThK3 X, 769f (O. Engels); VII, 1168f (J. Richard: Saint-Jean de Losne); - J. N. D. Kelly, The Oxford Dictionary of Popes, Oxford 1986, 177f; - M. Pacaut, in: Dictionnaire historique de la papauté, éd. Ph. Levillain, Paris 1994, 1722f. - LMA 8, 1666f (W. Malecek); - NewCathEnc 14 (2002) 480f (P. M. Savage); - Enciclopedia dei papi, 2, Roma 2000, 299-302 (A. Piazza; Bibl.).

Bruno W. Häuptli

Letzte Änderung: 13.05.2004