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Verlag Traugott Bautz
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VICTORIUS von Aquitanien, Kleriker und Kirchenschriftsteller, Mitte des 5. Jh.s. Nachdem ihn der römische Archidiakon und spätere Papst Hilarus im Jahre 457 aufgefordert hatte, ihm die Ursachen der Differenzen zwischen der römischen und der alexandrinischen Osterberechnung darzulegen, übersandte ihm V. - so das Zeugnis des diesbezüglichen Briefwechsels und des Gennadius (vir. ill. 88) - einen 532jährigen und für beide Kirchen gleichermaßen annehmbaren Osterzyklus (Cursus Paschalis Annorum DXXXII). Chronologisch gestützt auf die Weltchronik seines Landsmanns Prosper Tiro v. Aquitanien, kombinierte er dabei näherhin den 19jährigen Mond- und den 28jährigen Sonnenzyklus. Die römische Kirche band sich allerdings nicht strikt an V., so daß es hier bereits in den Jahren 501 und 520 zu anderen Lösungen kam. In Italien muß sich der Osterzyklus des V. schon bald verbreitet und bis ins 6. Jh. gehalten haben. Ja, in Gallien blieb er - 541 von der Synode von Orléans gebilligt - bis ins 7./8. Jh. im Gebrauch. Daneben betätigte sich V. als Autor eines elementaren Rechenbuches (Liber calculi).
Werke: Cursus Paschalis Annorum DXXXII (mit zugehörigem Briefwechsel zwischen dem römischen Archidiakon Hilarus und V.), ed. Theodor Mommsen (= MG AA 9), Berlin 1892, 666-735; Liber calculi, ed. Gottfried Friedlein, Rom 1872.
Quellen: Gennadius, vir. ill. 88; Werke des V.
Lit.: F[riedrich] K[arl] Ginzel, Handbuch der mathematischen und technischen Chronologie 3, Leipzig 1914, 245-247; - DThC 16 (1951), 4371 (Reg.); - Pauly-Wissowa [32,2] (1958), 2086f.; - LThK 10 (1965), 776f.; - August Strobel, Texte zur Geschichte des frühchristlichen Osterkalenders (= LQF 64), Münster 1984, 19, 74, 76, 91, 118f., 152; - Norbert Angermann (Hrsg.), Lexikon des Mittelalters 6, München Zürich 1993, 1515f.
Johannes Hofmann
Werkeergänzung:
2003
Abbo of Fleury and Ramsey. Commentary on the Calculus of Victorius of Aquitane. Ed. by A.M. Peden. Oxford 2003.
Letzte Änderung: 06.10.2008