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Verlag Traugott Bautz
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VIGILANTIUS, Presbyter in Barcelona und Kirchenschriftsteller, * um 370 als Sohn eines Gastwirts zu Calagurris in der Provinz Aquitania secunda. Er wurde wohl durch Vermittlung des Sulpicius Severus mit Paulinus v. Nola (Ep. 5) bekannt, kam 395 auf Empfehlung des letzteren zu Hieronymus und wurde von ihm in Betlehem gut aufgenommen. In seine Heimat zurückgekehrt, verbreitete V. die Meinung, Hieronymus sei Anhänger des Origenes, was dieser noch 396 mit einem Brief an V. (Ep. 61) polemisch zurückwies. Nachdem Hieronymus 404 durch Riparius, den Presbyter einer Nachbargemeinde des V., erfahren hatte, daß V. in einer Schrift gegen Reliquienverehrung und einige ihm unangemessen erscheinende liturgische Bräuche aufgetreten sei, widerlegte er ihn in einem Schreiben an Riparius (Ep. 109). Zwei Jahre später (406) sandte ihm Riparius durch Diakon Sisinnius die besagte Schrift des V., aus der des weiteren hervorging, daß V. auch die Fürbitte der Heiligen, den Zölibat der Kleriker, die Vigilien und das Mönchtum verwerfe. Hieronymus diktierte daraufhin in einer Nacht die scharfe Entgegnung Contra Vigilantium, in der er letzteren als Häretiker brandmarkte. Gennadius, der V. auch eine Erklärung des 2. Buches Daniels zuschrieb, lobte allerdings seinen glänzenden Stil, wenn er auch seine Schrift im Sinne des Hieronymus verurteilte (vir. ill. 35). Wahrscheinlich hatte sich V. aber nur mit all zu großem Eifer gegen heidnisch empfundene Mißbräuche des Volkes beim Martyrer- und Reliquienkult, gegen das Alleluja bei den Vigilien, gegen übertriebene Askese und gegen Sammlungen für Palästina gewandt. Er kann daher schwerlich als Häretiker bezeichnet werden.
Quellen: Gennadius, vir. ill. 35; Hieronymus, Contra Vigilantium; derselbe, Ep. 58; 61; 109; Paulinus v. Nola, Ep. 5.
Lit.: Geert Nijhoff, Vigilantius, Groningen 1897; - Albert Réville, Vigilance de Calagurris, Paris 1902; - Georg Grützmacher, Hieronymus. Eine biographische Studie zur alten Kirchengeschichte 3, Leipzig Berlin 1908, 154-163; - Pauly-Wissowa [32,2] (1958), 2132; - RGG 6 (1962), 1395; - LThK 10 (1965), 787; - John N. Hritzu (Übers.), Saint Jerome. Dogmatic and Polemical Works (= Fathers of the Church 53), New York 1965, VII, XIVf., 186f.; - Henri Crouzel, S. Jérome et ses amis toulousains, in: BLE 73 (1972), 125-146; - Ilona Opelt, Hieronymus' Streitschriften, Heidelberg 1973, 112, 119-127, 158; - John N. D. Kelly, Jerome. His life, writings and controversies, London 1975, 138, 183, 193f., 202, 206, 209, 226f., 233, 237, 286-290; - Altaner (19788), 395, 401; - Angelo di Berardino (Hrsg.), Dizionario Patristico e di Antichità Cristiane 2, Casale Monferrato 1983, 3590f.; - TRE 15 (1986), 308; - Robert-Henri Bautier (Hrsg.), Lexikon des Mittelalters 5, München Zürich 1991, 3.
Johannes Hofmann
Literaturergänzung:
Jean-Louis Feiertag, Vigilance et Jérome sur la lecture d'Origène dans un florilège du XIe siècle, in: RevÉAug 51.2005, S. 279-296.
Letzte Änderung: 21.04.2006