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Band XIII (1998) Spalten 64-66 Autor: Heike Grieser

VOLUSIANUS, Bischof von Tours, Heiliger. - Volusianus stammte aus reichem, senatorischem Geschlecht, sein Geburtsjahr und der Geburtsort sind unbekannt. Sicher war er mit Eustochius und Perpetuus, seinen Vorgängerbischöfen in Tours, vermutlich mit Ruricius von Limoges verwandt. Nur weniges läßt sich über die Zeit vor seiner Wahl zum Bischof von Tours erheben. Apollinaris Sidonius bezeugt Besitztümer des Heiligen in Baiocassium. In seiner 477 zu datierenden Ep. 7, 17 bittet der Bischof der Stadt Clermont den V., die Reformierung eines dortigen Klosters, das im Besitz von Reliquien des hl. Cyricus ist, zu übernehmen. Dies soll »secundum statuta Lirinensium patrum« geschehen - V. scheint in Lérins erzogen worden zu sein. René Borius hält dagegen eine Ausbildung in Tours für denkbar. Umstritten ist die Deutung der Ep. 2, 65 des Ruricius von Limoges, die sich zwar an den episcopus V. richtet, vom Inhalt her aber auf einen Laien als Adressaten schließen läßt. Vielleicht ist der Brief vor dessen Amtsantritt verfaßt und die Titulatur nachträglich eingefügt worden. Dort findet sich ein Hinweis auf die Ehefrau des V., die im Umgang schwierig gewesen sein soll. Martin Heinzelmann vermutet, daß dieser Verbindung ein Sohn gleichen Namens entsprungen sein könnte. V. bekleidete den Bischofsstuhl von Tours nach den frühesten, variierenden Angaben der Forscher seit 488/9, andere datieren auf 491. Gregor von Tours überliefert, daß der episcopus von den Westgoten des Verrats an die Franken verdächtigt und nach sieben Jahren und zwei Monaten Amtszeit ins Exil nach Toulouse (eine andere Tradition nennt dagegen Spanien) gebracht worden sei. Stimmen diese Angaben, so erfolgte die Absetzung 495/6 bzw. 498/9. Nach dem Zeugnis Gregors hat V. während seiner Regierungszeit den Ort Manthelan sowie die Basilica sancti Iohannis ad Maiorem monasterium errichten lassen, die möglicherweise in der Nähe der Basilica sanctorum Apostolorum bei Tours lag. Die Geschichte der häufig umgebauten Kirche ist nur schlecht bezeugt. Im Exil soll V. bald verstorben sein, ein späterer Traditionsstrang berichtet von der Ermordung durch die Arianer, weswegen er als Märtyrer verehrt wird - allerdings nicht im Martyrologium Romanum. Man begrub ihn in Foix, wohl der Ort des Todes, in einer dem Martin geweihten Kirche. 1111 erfolgte die Übertragung der sterblichen Überreste in die Kirche St.-Nazarius, die später seinen Namen erhielt. Kirche und Reliquien wurden während des Religionskrieges durch die Calvinisten zerstört. Ein heute noch erhaltenes Kapitell aus dem 12. Jahrhundert zeigt sein Martyrium und die Eroberung der Stadt Toulouse durch Frankenkönig Chlodwig. Das Martyrologium Romanum bezeugt das Fest des Heiligen am 18. Januar.

Quellen und Lit.: Apollinaris Sidonius, Epistulae 4, 18, 2; 7, 17 (The Loeb Classical Library, Sidonius II, 130, 388/94 Anderson); - Ruricius von Limoges, Epistula 2, 65 (CCSL LXIV, 394 Demeulenaere); - Gregor von Tours, Historiarum Libri Decem 2, 26; 10, 31, 7 (Ausgewählte Quellen zur deutschen Geschichte des Mittelalters. Freiherr vom Stein-Gedächtnisausgabe III, 1, 110; III, 2, 406 Buchner); - MartRom 26; - BHL 8731, NSuppl 8731 b/f.; - AS Ianuarii II, 558 f.. Jean Maan, Sancta et metropolitana ecclesia turonensis sacrorum pontificum suorum ornata virtutibus, et sanctissimis conciliorum institutis decorata. 2 Bde, 1667; - Raymond de Lacoudre, La vie de saint Volusien, évêque de Tours et martyr, patron de la ville de Foix, 1722, ND 1893; - Jean-Louis Chalmel, Histoire de Touraine depuis la conquête des Gaules par les Romains jusqu'à l'année 1790, suivie du Dictionnaire biographique de tous les hommes célèbres nés dans cette province, 1828; - Adolphe Garrigou, Etudes historiques sur l'ancien pays de Foix et le Couseran. 3 Bde, 1843/63; - Ders., Etudes historiques sur l'ancien pays de Foix, 1845; - Louis Duchesne, Les anciens catalogues épiscopaux de la province de Tours, 1890; - Ders., Fastes épiscopaux de l'ancienne Gaule II: L'Aquitaine et les Lyonnaises, 19102; - Chevalier III, 19052; - Octave Marcault, Le diocèse de Tours, sa vie morale, intellectuelle et religieuse depuis saint Martin jusqu`à nos jours, 1910; - VSB I: Janvier, 1935, 368 f.; - Karl Friedrich Stroheker, Der senatorische Adel im spätantiken Gallien, 1948, ND 1970; - Réau III, 3, 1959, ND 1983, 1335 f.; - Elie Griffe, La Gaule chrétienne à l'époque romaine III: La cité chrétienne, 1965; - Histoire religieuse de la Touraine, hrsg. v. G.-M. Oury, 1975; - J. R. Martindale, The Prosopography of the Later Roman Empire II: A. D. 395-527, 1980, 1183; - Martin Heinzelmann, Gallische Prosopographie 260-527, in: Francia X, 1982, 717; - Luce Pietri, La succession des premiers évêques tourangeaux. Essai sur la chronologie de Grégoire de Tours, in: Mélanges de l'Ecole française de Rome. Moyen âge - Temps modernes XCIV, 1982, 551/619; - Ders., La ville de Tours du IVe au VIe siècle: naissance d'une cité chrétienne, 1983 = Collection de l'Ecole française de Rome LXIX; - Topographie chrétienne des cités de la Gaule des origines au milieu du VIIIe siècle V: Province ecclésiastique de Tours, hrsg. v. Luce Pietri und Jacques Biarne, 1987; - Friedrich Prinz, Frühes Mönchtum im Frankenreich. Kultur und Gesellschaft in Gallien, den Rheinlanden und Bayern am Beispiel der monastischen Entwicklung (4. bis 8. Jahrhundert), 19882; - LThK X, 1938, 691; - LThK X, 19652, 873; - BS XII, 1969, 1350/2; - Lexikon der christlichen Ikonographie VIII, 1976, ND 1994, 584.

Heike Grieser

Letzte Änderung: 12.06.1998