VOLUSIANUS, Bischof von Tours, Heiliger. - Volusianus stammte
aus reichem, senatorischem Geschlecht, sein Geburtsjahr und der Geburtsort
sind unbekannt. Sicher war er mit Eustochius und Perpetuus, seinen
Vorgängerbischöfen in Tours, vermutlich mit Ruricius von Limoges verwandt.
Nur weniges läßt sich über die Zeit vor seiner Wahl zum Bischof von
Tours erheben. Apollinaris Sidonius bezeugt Besitztümer des Heiligen
in Baiocassium. In seiner 477 zu datierenden Ep. 7, 17 bittet der
Bischof der Stadt Clermont den V., die Reformierung eines dortigen
Klosters, das im Besitz von Reliquien des hl. Cyricus ist, zu übernehmen.
Dies soll »secundum statuta Lirinensium patrum« geschehen - V. scheint
in Lérins erzogen worden zu sein. René Borius hält dagegen eine Ausbildung
in Tours für denkbar. Umstritten ist die Deutung der Ep. 2, 65 des
Ruricius von Limoges, die sich zwar an den episcopus V. richtet,
vom Inhalt her aber auf einen Laien als Adressaten schließen läßt.
Vielleicht ist der Brief vor dessen Amtsantritt verfaßt und die Titulatur
nachträglich eingefügt worden. Dort findet sich ein Hinweis auf die
Ehefrau des V., die im Umgang schwierig gewesen sein soll. Martin
Heinzelmann vermutet, daß dieser Verbindung ein Sohn gleichen Namens
entsprungen sein könnte. V. bekleidete den Bischofsstuhl von Tours
nach den frühesten, variierenden Angaben der Forscher seit 488/9,
andere datieren auf 491. Gregor von Tours überliefert, daß der episcopus
von den Westgoten des Verrats an die Franken verdächtigt und nach
sieben Jahren und zwei Monaten Amtszeit ins Exil nach Toulouse (eine
andere Tradition nennt dagegen Spanien) gebracht worden sei. Stimmen
diese Angaben, so erfolgte die Absetzung 495/6 bzw. 498/9. Nach dem
Zeugnis Gregors hat V. während seiner Regierungszeit den Ort Manthelan
sowie die Basilica sancti Iohannis ad Maiorem monasterium errichten
lassen, die möglicherweise in der Nähe der Basilica sanctorum Apostolorum
bei Tours lag. Die Geschichte der häufig umgebauten Kirche ist nur
schlecht bezeugt. Im Exil soll V. bald verstorben sein, ein späterer
Traditionsstrang berichtet von der Ermordung durch die Arianer, weswegen
er als Märtyrer verehrt wird - allerdings nicht im Martyrologium Romanum.
Man begrub ihn in Foix, wohl der Ort des Todes, in einer dem Martin
geweihten Kirche. 1111 erfolgte die Übertragung der sterblichen Überreste
in die Kirche St.-Nazarius, die später seinen Namen erhielt. Kirche
und Reliquien wurden während des Religionskrieges durch die Calvinisten
zerstört. Ein heute noch erhaltenes Kapitell aus dem 12. Jahrhundert
zeigt sein Martyrium und die Eroberung der Stadt Toulouse durch Frankenkönig
Chlodwig. Das Martyrologium Romanum bezeugt das Fest des Heiligen
am 18. Januar.
Quellen und Lit.: Apollinaris Sidonius, Epistulae 4, 18,
2; 7, 17 (The Loeb Classical Library, Sidonius II, 130, 388/94 Anderson);
- Ruricius von Limoges, Epistula 2, 65 (CCSL LXIV, 394 Demeulenaere);
- Gregor von Tours, Historiarum Libri Decem 2, 26; 10, 31, 7 (Ausgewählte
Quellen zur deutschen Geschichte des Mittelalters. Freiherr vom Stein-Gedächtnisausgabe
III, 1, 110; III, 2, 406 Buchner); - MartRom 26; - BHL 8731,
NSuppl 8731 b/f.; - AS Ianuarii II, 558 f.. Jean Maan, Sancta
et metropolitana ecclesia turonensis sacrorum pontificum suorum ornata
virtutibus, et sanctissimis conciliorum institutis decorata. 2 Bde,
1667; - Raymond de Lacoudre, La vie de saint Volusien, évêque
de Tours et martyr, patron de la ville de Foix, 1722, ND 1893; -
Jean-Louis Chalmel, Histoire de Touraine depuis la conquête des Gaules
par les Romains jusqu'à l'année 1790, suivie du Dictionnaire biographique
de tous les hommes célèbres nés dans cette province, 1828; - Adolphe
Garrigou, Etudes historiques sur l'ancien pays de Foix et le Couseran.
3 Bde, 1843/63; - Ders., Etudes historiques sur l'ancien pays
de Foix, 1845; - Louis Duchesne, Les anciens catalogues épiscopaux
de la province de Tours, 1890; - Ders., Fastes épiscopaux de l'ancienne
Gaule II: L'Aquitaine et les Lyonnaises, 19102; - Chevalier
III, 19052; - Octave Marcault, Le diocèse de Tours, sa
vie morale, intellectuelle et religieuse depuis saint Martin jusqu`à
nos jours, 1910; - VSB I: Janvier, 1935, 368 f.; - Karl
Friedrich Stroheker, Der senatorische Adel im spätantiken Gallien,
1948, ND 1970; - Réau III, 3, 1959, ND 1983, 1335 f.; -
Elie Griffe, La Gaule chrétienne à l'époque romaine III: La cité chrétienne,
1965; - Histoire religieuse de la Touraine, hrsg. v. G.-M. Oury,
1975; - J. R. Martindale, The Prosopography of the Later Roman
Empire II: A. D. 395-527, 1980, 1183; - Martin Heinzelmann, Gallische
Prosopographie 260-527, in: Francia X, 1982, 717; - Luce Pietri,
La succession des premiers évêques tourangeaux. Essai sur la chronologie
de Grégoire de Tours, in: Mélanges de l'Ecole française de Rome. Moyen
âge - Temps modernes XCIV, 1982, 551/619; - Ders., La ville de
Tours du IVe au VIe siècle: naissance d'une cité chrétienne,
1983 = Collection de l'Ecole française de Rome LXIX; - Topographie
chrétienne des cités de la Gaule des origines au milieu du VIIIe
siècle V: Province ecclésiastique de Tours, hrsg. v. Luce Pietri und
Jacques Biarne, 1987; - Friedrich Prinz, Frühes Mönchtum im Frankenreich.
Kultur und Gesellschaft in Gallien, den Rheinlanden und Bayern am
Beispiel der monastischen Entwicklung (4. bis 8. Jahrhundert), 19882;
- LThK X, 1938, 691; - LThK X, 19652, 873; - BS
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1976, ND 1994, 584.