VOTA, Karl Moritz, * 8. bzw. 16. Februar 1629 Turin, † 9. Dezember 1715 in Rom. Seit dem Jahre 1645 Mitglied des Jesuitenordens, machte V. die im Orden üblichen Studien sowie ein Zusatzstudium. Er lehrte dann in Venedig und Turin. Hier schrieb er gegen die einen gewissen Einfluß ausübenden Waldenser. Papst Innozenz XI. entsandte ihn zu Kaiser Leopold I. und König Jan [Johann] Sobieski von Polen; mit diesen Herrschern sollte er Verhandlungen über die Türkenliga führen. Von Polen aus ging V. nach Moskau, um dort eine Niederlassung der Jesuiten zu gründen. Nach Polen zurückgekehrt, wurde er der Beichtvater Sobieskis. Er war auch beteiligt an der Konversion - in Baden bei Wien - des sächsischen Kurfürsten August I. des Starken, der 1697 zum polnischen König (in Polen: August II.) gewählt wurde. August der Starke behielt V. als Beichtvater. Im Jahre 1708 wurden V. für fünf Jahre Titel und Vollmachten eines Apostolischen Präfekten für Sachsen, des ersten nach der Reformation, verliehen. Die kath. Seelsorge in Dresden, Leipzig sowie auf Schloß Hubertusburg oblag Jesuitenpatres, die als königliche Kapläne angestellt waren. V. hatte einen großen Einfluß auf die beiden genannten polnischen Könige, die er häufig begleitete. So lernte er auch das kurfürstliche Haus Brandenburg kennen. Er befürwortete die Krönung Friedrichs I. zum König und versuchte, dafür die Zustimmung des Papstes zu erlangen. Seine Schreiben verraten einen Verfasser, dem Selbstüberheblichkeit und Rechthaberei nicht fremd waren.
Lit.: C. Sommervogel, Bibliothèque de la Compagnie de Jésus, VIII, Paris-Brüssel
21890-1900, 918-922; P. Hiltebrand, Die polnische Königswahl von 1697 und die Konversion Augusts I. des Starken, Rom 1907; - B. Duhr, Geschichte der Jesuiten in den Ländern deutscher Zunge, III, Regensburg 1921, 813-825; - L. Koch, Jesuitenlexikon, Paderborn 1934, 1828ff.; - P. F. Saft, Der Neuaufbau der kath. Kirche in Sachsen im 18. Jahrh., Leipzig 1961, 19ff. 91-95 und passim; - H. Tüchle (Hrsg.), Acta S. Congregationis de Propaganda Fide Germaniam spectantia, Paderborn 1962, 726 (Register); - LThK
2 X, 895f.
Johannes Madey
Letzte Änderung: 09.04.2011