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Band XIII (1998) Spalten 193-195 Autor: Hans-Joachim Behr

WALDECK, Franz Graf von, Bischof von Osnabrück und Münster, Administrator von Minden, * wahrscheinlich 1491 als Sohn des Grafen Philipp II. von Waldeck, + 15.7. 1553 in Wolbeck, studierte in Erfurt und wurde Domherr in Köln, Trier, Mainz und Paderborn, 1523 Propst des St. Alexanderstifts in Einbeck. 1530 wurde er in Minden, 1532 als Kandidat Philipps von Hessen in Osnabrück und Münster zum Bischof gewählt. Seit 1523/24 lebte er in eheähnlicher Gemeinschaft mit Anna Poelmann, Tochter eines Leinewebers zu Einbeck, die ihm acht Kinder gebar. Sein Verhalten gegenüber der Reformation war zwiespältig. Der Stadt Münster räumte er durch Vertrag 1533 völlige Religionsfreiheit ein. Als die lutherische Bewegung jedoch ins Radikale umschlug, versuchte er sie einzudämmen. Nachdem die Stadt in die Hände der täuferischen Sekte gefallen war, mußte er zur Rückeroberung die Hilfe des Reiches anrufen. Bald nach der Unterwerfung der Stadt, die trotz aller Bemühungen des Landgrafen rekatholisiert wurde, wandte er sich unter dessen Einfluß der Lehre Luthers zu. Im Fürstbistum Münster stieß er mit seinen Reformationsbestrebungen auf dem Landtag 1541 auf geschlossene Ablehnung. In Osnabrück beriefen Bischof und Stadt 1543 gemeinsam den Lübecker Superintendenten Hermann Bonnus, um im ganzen Hochstift planmäßig die Reformation einzuführen. Dieser verfaßte lutherische Kirchenordnungen für die Stadt und das Stift. Im Fürstbistum Minden, wo sich die lutherische Lehre schon vor seinem Amtsantritt weitgehend durchgesetzt hatte, beschränkte sich der Bischof darauf, 1535 einen Ausgleich zwischen der Stadt und dem Domkapitel zu vermitteln. Seine Reformationsbestrebungen waren eng verbunden mit Plänen, seine Verbindung mit Anna Poelmann zu legalisieren und durch Säkularisation eines der drei Fürstbistümer für seine Erben ein weltliches Territorium zu schaffen. Für die Unterstützung dieses Vorhabens verlangte Landgraf Philipp als Gegenleistung die Einsetzung eines hessischen Koadjutors oder Konservators. Auf Grund eines 1532 abgeschlossenen Bündnisses mit dem Landgrafen beteiligte sich der Bischof 1542 an dem Zug der Schmalkaldischen Bundesverwandten gegen Herzog Heinrich d. J. von Braunschweig-Wolfenbüttel. Seine Bemühungen, angesichts der Bedrohungen durch den Kaiser als Mitglied in den Bund aufgenommen zu werden, scheiterten jedoch an den unklaren konfessionellen Verhältnissen in seinen Territorien. Während des Schmalkaldischen Krieges 1547 zwangen die Landstände ihn zur Neutralität zugunsten des Kaisers. Trotzdem verlor er die Herrschaft Delmenhorst an Oldenburg, weil er den Kaiserlichen bei der Belagerung Bremens nicht die gewünschte Unterstützung gewährte. Das Osnabrücker Domkapitel strengte gegen ihn bei der Kurie in Rom einen Prozeß wegen Häresie an, der hauptsächlich deswegen nicht zu einer Verurteilung führte, weil das münsterische Kapitel für ihn eintrat und seine Verdienste für die Kirche bei der Niederwerfung der Wiedertäufer herausstellte. Nach der Niederlage der Protestanten wurde der Bischof gezwungen, sich in der Landesregierung in Münster und Osnabrück weitgehend ständischem Einfluß zu beugen und im März 1548 auf dem Osnabrücker Landtag die von Bonnus eingeführte Reformation zu widerrufen. Als Rache für die Beteiligung des Bischofs am Zuge gegen Wolfenbüttel überfiel der älteste Sohn Herzog Heinrichs, Philipp Magnus, im Frühjahr 1553 die drei Fürstbistümer, erpreßte die Zahlung von Wiedergutmachungsgeldern und zwang den Administrator zum Verzicht auf Minden zugunsten des Herzogs Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel, eines anderen Sohnes Herzog Heinrichs. Die Osnabrücker Stände verwehrten dem Landesherrn die Rückkehr ins Land, ehe er ihnen nicht die Zahlung an den Braunschweiger erstattet habe. Bald darauf ist Bischof Franz an einem Schlaganfall auf seinem Schloß in Wolbeck verstorben. - Religiös weitgehend indifferent, verstand sich Franz von Waldeck in erster Linie als Landesherr. Der Wiedertäuferaufruhr war für ihn nicht so sehr ein Religionskonflikt als eine Bedrohung seiner Herrschaft. Mit den religiösen Inhalten der Sekte hat er sich anders als Philipp von Hessen niemals auseinandergesetzt. Zur Einführung der Reformation bewegten ihn nicht zuletzt auch persönliche Motive. Von Anfang seiner Regierung an stand der Bischof politisch wie konfessionell zwischen zwei Lagern. Eine selbständige Politik hat er deshalb auch kaum betreiben können.

Lit.: Hans-Joachim Behr, Franz von Waldeck. Fürstbischof von Münster und Osnabrück, Administrator zu Minden (1491-1553). Sein Leben in seiner Zeit. (Veröffentlichung der Historischen Kommission für Westfalen XVIII, 9). Teil 1 Darstellung. Teil 2 Urkunden und Akten. Münster 1996 und 1998.

Hans-Joachim Behr

Letzte Änderung: 15.06.1998