WALDECK, Franz Graf von, Bischof von Osnabrück und Münster, Administrator
von Minden, * wahrscheinlich 1491 als Sohn des Grafen Philipp II.
von Waldeck, + 15.7. 1553 in Wolbeck, studierte in Erfurt und
wurde Domherr in Köln, Trier, Mainz und Paderborn, 1523 Propst des
St. Alexanderstifts in Einbeck. 1530 wurde er in Minden, 1532 als
Kandidat Philipps von Hessen in Osnabrück und Münster zum Bischof
gewählt. Seit 1523/24 lebte er in eheähnlicher Gemeinschaft mit Anna
Poelmann, Tochter eines Leinewebers zu Einbeck, die ihm acht Kinder
gebar. Sein Verhalten gegenüber der Reformation war zwiespältig. Der
Stadt Münster räumte er durch Vertrag 1533 völlige Religionsfreiheit
ein. Als die lutherische Bewegung jedoch ins Radikale umschlug, versuchte
er sie einzudämmen. Nachdem die Stadt in die Hände der täuferischen
Sekte gefallen war, mußte er zur Rückeroberung die Hilfe des Reiches
anrufen. Bald nach der Unterwerfung der Stadt, die trotz aller Bemühungen
des Landgrafen rekatholisiert wurde, wandte er sich unter dessen Einfluß
der Lehre Luthers zu. Im Fürstbistum Münster stieß er mit seinen Reformationsbestrebungen
auf dem Landtag 1541 auf geschlossene Ablehnung. In Osnabrück beriefen
Bischof und Stadt 1543 gemeinsam den Lübecker Superintendenten Hermann
Bonnus, um im ganzen Hochstift planmäßig die Reformation einzuführen.
Dieser verfaßte lutherische Kirchenordnungen für die Stadt und das
Stift. Im Fürstbistum Minden, wo sich die lutherische Lehre schon
vor seinem Amtsantritt weitgehend durchgesetzt hatte, beschränkte
sich der Bischof darauf, 1535 einen Ausgleich zwischen der Stadt und
dem Domkapitel zu vermitteln. Seine Reformationsbestrebungen waren
eng verbunden mit Plänen, seine Verbindung mit Anna Poelmann zu legalisieren
und durch Säkularisation eines der drei Fürstbistümer für seine Erben
ein weltliches Territorium zu schaffen. Für die Unterstützung dieses
Vorhabens verlangte Landgraf Philipp als Gegenleistung die Einsetzung
eines hessischen Koadjutors oder Konservators. Auf Grund eines 1532
abgeschlossenen Bündnisses mit dem Landgrafen beteiligte sich der
Bischof 1542 an dem Zug der Schmalkaldischen Bundesverwandten gegen
Herzog Heinrich d. J. von Braunschweig-Wolfenbüttel. Seine Bemühungen,
angesichts der Bedrohungen durch den Kaiser als Mitglied in den Bund
aufgenommen zu werden, scheiterten jedoch an den unklaren konfessionellen
Verhältnissen in seinen Territorien. Während des Schmalkaldischen
Krieges 1547 zwangen die Landstände ihn zur Neutralität zugunsten
des Kaisers. Trotzdem verlor er die Herrschaft Delmenhorst an Oldenburg,
weil er den Kaiserlichen bei der Belagerung Bremens nicht die gewünschte
Unterstützung gewährte. Das Osnabrücker Domkapitel strengte gegen
ihn bei der Kurie in Rom einen Prozeß wegen Häresie an, der hauptsächlich
deswegen nicht zu einer Verurteilung führte, weil das münsterische
Kapitel für ihn eintrat und seine Verdienste für die Kirche bei der
Niederwerfung der Wiedertäufer herausstellte. Nach der Niederlage
der Protestanten wurde der Bischof gezwungen, sich in der Landesregierung
in Münster und Osnabrück weitgehend ständischem Einfluß zu beugen
und im März 1548 auf dem Osnabrücker Landtag die von Bonnus eingeführte
Reformation zu widerrufen. Als Rache für die Beteiligung des Bischofs
am Zuge gegen Wolfenbüttel überfiel der älteste Sohn Herzog Heinrichs,
Philipp Magnus, im Frühjahr 1553 die drei Fürstbistümer, erpreßte
die Zahlung von Wiedergutmachungsgeldern und zwang den Administrator
zum Verzicht auf Minden zugunsten des Herzogs Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel,
eines anderen Sohnes Herzog Heinrichs. Die Osnabrücker Stände verwehrten
dem Landesherrn die Rückkehr ins Land, ehe er ihnen nicht die Zahlung
an den Braunschweiger erstattet habe. Bald darauf ist Bischof Franz
an einem Schlaganfall auf seinem Schloß in Wolbeck verstorben. -
Religiös weitgehend indifferent, verstand sich Franz von Waldeck in
erster Linie als Landesherr. Der Wiedertäuferaufruhr war für ihn nicht
so sehr ein Religionskonflikt als eine Bedrohung seiner Herrschaft.
Mit den religiösen Inhalten der Sekte hat er sich anders als Philipp
von Hessen niemals auseinandergesetzt. Zur Einführung der Reformation
bewegten ihn nicht zuletzt auch persönliche Motive. Von Anfang seiner
Regierung an stand der Bischof politisch wie konfessionell zwischen
zwei Lagern. Eine selbständige Politik hat er deshalb auch kaum betreiben
können.
Lit.: Hans-Joachim Behr, Franz von Waldeck. Fürstbischof
von Münster und Osnabrück, Administrator zu Minden (1491-1553). Sein
Leben in seiner Zeit. (Veröffentlichung der Historischen Kommission
für Westfalen XVIII, 9). Teil 1 Darstellung. Teil 2 Urkunden und Akten.
Münster 1996 und 1998.