WALDO, Bischof von Freising, * ca. 852/3 im Bodenseeraum, + 18.
Mai 906 in Tribur oder Holzkirchen bei Würzburg. - W. (in den
Quellen auch: Uualdo, Vualdo, Vvaldo oder Walto.) wurde um 852/3 im
nördlichen Bodenseeraum, wohl in der Gegend um Friedrichshafen, als
Sohn einer alteingesessenen Adelsfamilie geboren. Zusammen mit seinem
Bruder Salomo, dem späteren Bischof Salomo III. von Konstanz (890-919),
wurde er zunächst der Domschule in Konstanz, dann dem Kloster St.
Gallen zur Erziehung übergeben. Seine Ausbildung dauerte bis zum September
878, wobei, unter anderen, kein Geringerer als Lehrer der Brüder wirkte,
als Notker der Stammler. Sein Hang, die geistliche Laufbahn einzuschlagen,
scheint indessen, wie bei seinem Bruder, nicht allzu groß gewesen
zu sein, wovon die, von Notker dem Stammler verfaßte (vgl.: Brunhölzl,
wie unten, 45 ff.), »Collectio Sangallensis« beredt, wenn auch nicht
immer ganz zuverlässig, Zeugnis gibt. Von September 878 bis August
879 weilte W. bei Erzbischof Liutbert von Mainz, der von 870 bis 876
als Erzkanzler Ludwig des Deutschen und von 876 bis 878 als Erzkanzler
Karls III. nachweisbar ist, um dort, neben der Ausbildung zum Kanzleidienst,
auch am Hofe eingeführt zu werden. Spätestens Ende 880 erfolgte der
feste Eintritt W. bei Hofe, denn bereits in einer Urkunde vom 29.
Dez. 880, ausgestellt in Piacenza, urkundet W. als »notarius« (MGH
DD Reg. Germ. ex stirpe Karol.II, Nr. 28, 46 f.). Schon in einer
Urkunde vom 12. Nov. 882 urkundete W. dann als »cancellarius« (MGH
DD Reg. Germ. ex stirpe Karol.II., Nr. 62, 104 f.). W. weilte bis
Mitte 884 ständig bei Hofe und begleitete Karl III. auch auf allen
Italienzügen. Nach dem Tode des Bischof Arnold von Freising am 22.
Sept. 883, erhielt W., der immer noch den geistlichen Rang eines Subdiakon
innehatte, erstaunlich rasch alle Weihen bis hin zum Bischof. Bereits
am 26. Juni 884 urkundete W. in Metz als »episcopus« (MGH DD Reg.
Germ. ex stirpe Karol.II, Nr. 104, 168)! - W. wurde nicht durch
kanonische Wahl zum Bischof von Freising, sondern auf eigenes oder
Karls III. Betreiben hin, was zu erheblichen Verstimmungen des Freisinger
Klerus mit dem ersten nichtbayerischen Bischof auf dem Freisinger
Bischofssitz führte. W. traf wohl erst im Herbst 884 in Freising ein,
nutzte aber auch weiterhin jegliche Möglichkeit, um am Hofe zu weilen.
Beim Sturz des kranken Karls III. im November 887 verhielt sich W.,
wohl um die Regierungsunfähigkeit des Kaisers wissend, passiv und
huldigte dann auch dessen Nachfolger Arnulf von Kärnten ohne Vorbehalte.
W. nahm sowohl im Jahre 888 an der Synode von Mainz, wie auch im Mai
895 an der Synode von Tribur teil. Auch am Hofe Arnulfs weilte W.
bei jeder sich bietenden Gelegenheit; auch begleitete er Arnulf bei
seinen Feldzügen nach Mähren, wie auch nach Italien. Vermutlich nahm
er auch an der Ungarnschlacht bei Linz im Jahre 900 teil. Auch gegenüber
Arnulfs Nachfolger, König Ludwig dem Kind, verhielt sich W. loyal,
wobei er sich jedoch vom Hofe mehr und mehr zurückzog, um sich den
Belangen seines Bistums zuzuwenden, für die er, falls notwendig, immer
noch vehement bei Hofe eintrat. Das Verhältnis zum Freisinger Klerus
hatte sich zwischenzeitlich deutlich entspannt. Ende April / Anfang
Mai 906 begab sich W. auf den Weg zu einem Reichstag in Tribur. Letzmals
nachweisbar ist W. dann in Holzkirchen bei Würzburg, wo er für den
Freisinger Klerus noch das Zugeständnis der freien kanonischen Wahl
aller künftigen Bischöfe erwirkte! Entweder dort, oder in Tribur ist
W. am 18. Mai 906 verstorben. Sein Leichnam wurde in den Freisinger
Dom überführt. - Als Autor ist W. selbst nicht in Erscheinung
getreten. Jedoch brachte er aus seiner schwäbischen Heimat die Endreimdichtung
mit, die in Freising, in ihrer altbayerischen Form, zu einer ersten
Blüte gelangte (vgl.: Maß, Das Bistum, wie unten.).
Quellen: »Collectio Sangallensis« (fälschlich unter dem
Namen Salomos III.) ed. bei: E. Dümmler, Das Formelbuch des Bischof
Salomo III. von Konstanz aus dem neunten Jahrhundert, Leipzig 1857;
dto. siehe auch bei MGH, Formulae Merowingici et Karolini aevi (1886),
390-437; MGH DD Reg. Germ. ex stirpe Karol. II (1937).
Lit.: F. Brunhölzl, Die Geschichte der lateinischen Literatur
des Mittelalters, Bd. 2 (München 1992), 45 ff und 560; - J.
Maß, Das Bistum Freising in der späten Karolingerzeit, = Studien zur
altbayerischen Kirchengesch., Band 2 (München 1969); - Ders.,
Das Bistum Freising im Mittelalter (München 19882); - K.
Reindel, Die bayerischen Liutpoldinger 893-989, = Quellen und Erörterungen
zur bayerischen Geschichte, NF, Band 11 (München 1953).