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Band XIII (1998) Spalten 202-204 Autor: Max Georg Kellner

WALDO, Bischof von Freising, * ca. 852/3 im Bodenseeraum, + 18. Mai 906 in Tribur oder Holzkirchen bei Würzburg. - W. (in den Quellen auch: Uualdo, Vualdo, Vvaldo oder Walto.) wurde um 852/3 im nördlichen Bodenseeraum, wohl in der Gegend um Friedrichshafen, als Sohn einer alteingesessenen Adelsfamilie geboren. Zusammen mit seinem Bruder Salomo, dem späteren Bischof Salomo III. von Konstanz (890-919), wurde er zunächst der Domschule in Konstanz, dann dem Kloster St. Gallen zur Erziehung übergeben. Seine Ausbildung dauerte bis zum September 878, wobei, unter anderen, kein Geringerer als Lehrer der Brüder wirkte, als Notker der Stammler. Sein Hang, die geistliche Laufbahn einzuschlagen, scheint indessen, wie bei seinem Bruder, nicht allzu groß gewesen zu sein, wovon die, von Notker dem Stammler verfaßte (vgl.: Brunhölzl, wie unten, 45 ff.), »Collectio Sangallensis« beredt, wenn auch nicht immer ganz zuverlässig, Zeugnis gibt. Von September 878 bis August 879 weilte W. bei Erzbischof Liutbert von Mainz, der von 870 bis 876 als Erzkanzler Ludwig des Deutschen und von 876 bis 878 als Erzkanzler Karls III. nachweisbar ist, um dort, neben der Ausbildung zum Kanzleidienst, auch am Hofe eingeführt zu werden. Spätestens Ende 880 erfolgte der feste Eintritt W. bei Hofe, denn bereits in einer Urkunde vom 29. Dez. 880, ausgestellt in Piacenza, urkundet W. als »notarius« (MGH DD Reg. Germ. ex stirpe Karol.II, Nr. 28, 46 f.). Schon in einer Urkunde vom 12. Nov. 882 urkundete W. dann als »cancellarius« (MGH DD Reg. Germ. ex stirpe Karol.II., Nr. 62, 104 f.). W. weilte bis Mitte 884 ständig bei Hofe und begleitete Karl III. auch auf allen Italienzügen. Nach dem Tode des Bischof Arnold von Freising am 22. Sept. 883, erhielt W., der immer noch den geistlichen Rang eines Subdiakon innehatte, erstaunlich rasch alle Weihen bis hin zum Bischof. Bereits am 26. Juni 884 urkundete W. in Metz als »episcopus« (MGH DD Reg. Germ. ex stirpe Karol.II, Nr. 104, 168)! - W. wurde nicht durch kanonische Wahl zum Bischof von Freising, sondern auf eigenes oder Karls III. Betreiben hin, was zu erheblichen Verstimmungen des Freisinger Klerus mit dem ersten nichtbayerischen Bischof auf dem Freisinger Bischofssitz führte. W. traf wohl erst im Herbst 884 in Freising ein, nutzte aber auch weiterhin jegliche Möglichkeit, um am Hofe zu weilen. Beim Sturz des kranken Karls III. im November 887 verhielt sich W., wohl um die Regierungsunfähigkeit des Kaisers wissend, passiv und huldigte dann auch dessen Nachfolger Arnulf von Kärnten ohne Vorbehalte. W. nahm sowohl im Jahre 888 an der Synode von Mainz, wie auch im Mai 895 an der Synode von Tribur teil. Auch am Hofe Arnulfs weilte W. bei jeder sich bietenden Gelegenheit; auch begleitete er Arnulf bei seinen Feldzügen nach Mähren, wie auch nach Italien. Vermutlich nahm er auch an der Ungarnschlacht bei Linz im Jahre 900 teil. Auch gegenüber Arnulfs Nachfolger, König Ludwig dem Kind, verhielt sich W. loyal, wobei er sich jedoch vom Hofe mehr und mehr zurückzog, um sich den Belangen seines Bistums zuzuwenden, für die er, falls notwendig, immer noch vehement bei Hofe eintrat. Das Verhältnis zum Freisinger Klerus hatte sich zwischenzeitlich deutlich entspannt. Ende April / Anfang Mai 906 begab sich W. auf den Weg zu einem Reichstag in Tribur. Letzmals nachweisbar ist W. dann in Holzkirchen bei Würzburg, wo er für den Freisinger Klerus noch das Zugeständnis der freien kanonischen Wahl aller künftigen Bischöfe erwirkte! Entweder dort, oder in Tribur ist W. am 18. Mai 906 verstorben. Sein Leichnam wurde in den Freisinger Dom überführt. - Als Autor ist W. selbst nicht in Erscheinung getreten. Jedoch brachte er aus seiner schwäbischen Heimat die Endreimdichtung mit, die in Freising, in ihrer altbayerischen Form, zu einer ersten Blüte gelangte (vgl.: Maß, Das Bistum, wie unten.).

Quellen: »Collectio Sangallensis« (fälschlich unter dem Namen Salomos III.) ed. bei: E. Dümmler, Das Formelbuch des Bischof Salomo III. von Konstanz aus dem neunten Jahrhundert, Leipzig 1857; dto. siehe auch bei MGH, Formulae Merowingici et Karolini aevi (1886), 390-437; MGH DD Reg. Germ. ex stirpe Karol. II (1937).

Lit.: F. Brunhölzl, Die Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters, Bd. 2 (München 1992), 45 ff und 560; - J. Maß, Das Bistum Freising in der späten Karolingerzeit, = Studien zur altbayerischen Kirchengesch., Band 2 (München 1969); - Ders., Das Bistum Freising im Mittelalter (München 19882); - K. Reindel, Die bayerischen Liutpoldinger 893-989, = Quellen und Erörterungen zur bayerischen Geschichte, NF, Band 11 (München 1953).

Max Georg Kellner

Letzte Änderung: 15.06.1998