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Band XXII (2003) Spalten 1502-1504 Autor: Bernhard Hemmerle

WALTER, Karl, Organist, Pädagoge, Wissenschaftler, Orgel- und Glockensachverständiger, * 27. Okt. 1862 in Kransberg/Taunus, † 4. Dez. 1929 in Montabaur. - Eltern: Joseph Walter u. Maria Anna, geb. Reuss. Nach dem Besuch des Realgymnasiums in Montabaur folgt die Ausbildung am dortigen Lehrerseminar (Lehrer u.a.: Karl Severin Meister und Paul Smets). Von 1882 bis 1887 ist W. als Lehrer in Pfaffenwiesbach und Friedrichsthal tätig. 1888 schließt er seine kirchenmusikalischen Studien an der Kirchenmusikschule in Regensburg (Lehrer u.a. F. X. Haberl, Michael Haller und Joseph Renner senior) ab und wirkt dann bis 1893 als Lehrer, Organist und Chorleiter in (Wiesbaden-) Biebrich. - 1890 wird Walter Mitglied der "Gesellschaft für Musikforschung" in Berlin. Nachdem Hugo Riemann auf Walter aufmerksam geworden ist, liefert dieser in den folgenden Jahren verschiedene Beiträge für "Riemanns Musiklexikon". Am 1. Sept. 1893 erfolgt die Berufung als Seminarlehrer an das Königliche Lehrerseminar u. zugleich an den Lehrerinnenkursus und die Präparandenanstalt in Montabaur. Walter übernimmt daneben den Organistendienst am dortigen Mutterhaus der Barmherzigen Brüder. 1897 wird er in das Referentenkollegium für den Cäcilienvereinskatalog berufen; 1898 erfolgt Walters Wahl zum Bundesdirigenten des Lahnsängerbundes und 1899 die Ernennung zum Diözesan- Orgel- und Glockenbauinspektor im Bistum Limburg. Im gleichen Jahr wird K. Walter wirkendes Mitglied der <\>>Gesellschaft zur Herausgabe der Denkmäler der Tonkunst in Österreich<\<>; 1904 Wahl zum zweiten Präsidenten des am 18. Nov.1903 gegründeten Diözesan - Cäcilien -Verbandes Limburg; Walter führt zugleich den DCV-Bezirksverband im Westerwald bis 1920. Am 1. Apr. 1920 erfolgt die Versetzung an das Lehrerseminar in Prüm. K. Walter wird zudem im Jahre 1924 Seminaroberlehrer an der dortigen Aufbauschule. Am 1. Apr. 1927 tritt K. Walter in den Ruhestand, bleibt allerdings noch ca. 1 1/2 Jahre in Prüm, um weiterhin als Organist am Franziskanerinnenkloster zu wirken. Erst Ende 1928 zieht er zur Familie seiner Tochter Maria Mackeprang, geb. Walter, nach Nassau. Hier widmet er sich weitergehenden Studien. Im Okt. 1929 folgt ein erneuter Umzug nach Montabaur, um wiederum den Organistendienst am Mutterhaus der Barmherzigen Brüder zu übernehmen. Am 4. Dez. 1929 stirbt Karl Walter - Träger des Päpstlichen Ehrenkreuzes "Pro Ecclesia et Pontifice" - in Montabaur und findet seine letzte Ruhestätte auf dem Städtischen Friedhof. Die Stadt Montabaur hat eine Straße nach Karl Walter benannt. - Karl Walter zählt neben Peter Griesbacher zu den führenden deutschen Glockenexperten seiner Zeit und war als Gutachter im In- und Ausland gefragt. Als vielseitig gebildeter Wissenschaftler verfaßte Walter zahlreiche Beiträge zu den Bereichen Orgelbau, Orgelspiel, Glockenwesen, Kirchengesang, die in versch. Publikationen veröffentlicht wurden. - Als Hauptwerk ist seine "Glockenkunde" anzusehen, die noch heute als das glockenkundliche Nachschlagewerk in deutscher Sprache gilt, wenn auch 90 Jahre nach Erscheinen viele Einzeldaten der Revidierung bedürfen.

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Werke (Auswahl): Kleine Orgelbaulehre, Leobschütz 1906; Orgelbaulexikon (MS - verschollen); Glockenkunde, Rom - Regensburg 1913; Kleine Glockenkunde, in der Sammlung "Kirchenmusik" von Prof. Dr. Müller, Regensburg 1916.

Kompositionen, Bearbeitungen: Liedsätze für gem. Chor, Männerchor - ac. oder mit Instr.-Begleitung. Psalmen in Falsibordoni - Sätzen alter Meister (A T Bar B ) bearb. von Carolus Walter, Montabaur 1902; Orgelbegleitung zu den Melodien des neuen Limburger Gesangbuches, Limburg 1907; Laudate Dominum in Organo! Orgelalbum mit Vor- Zwischen- und Nachspiele zum Gebrauch beim Gottesdienste. Gesammelt und herausgegeben von einem Organisten der Diözese Limburg, Hefte 1- 3. Die Hefte erschienen 1907 als Sammelband.

Quellen: Diözesanarchiv Limburg: Akten Glocken- und Orgelinspektor; Amtsblatt des Bistums Limburg, 1894 ff.; Stadtarchiv Montabaur, Akten K. Walter senior; Bibliothek des Referates Kirchenmusik im Bistum Limburg, Unterlagen zu Karl Walter, (zusammengetragen von B. Hemmerle), - dort auch weitere Quellen- und Literaturangaben.

Lit.: Hohn, Wilhelm, Seminarlehrer Karl Walter †, ein Gedenkblatt, in: Musica Divina Nr. 5, Wien 1930; - Flindell, Fred, Karl Walter, in: Die Musik in Geschichte und Gegenwart (MGG), Bd. 14, Kassel 1968; - Hemmerle, Bernhard: Karl Walter (1862-1929) Erinnerung an den Pädagogen, Wissenschaftler, Orgel- und Glockensachverständigen, Sonderdruck 2001, ergänzte Neuauflage 2002; - derselbe: IN MEMORIAM Karl Walter ... in: Jahrbuch für Glockenkunde, 11.-12. Band, Burg Greifenstein1999/2000.

Bernhard Hemmerle

Letzte Änderung: 09.04.2011