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Band XIII (1998) Spalten 354-356 Autor: Gabriele Lautenschläger

WARD, Mary, Gründerin der Englischen Fräulein. * 23.1. 1585 in Mulwith b. York; † 30.1. 1645 in Hewarth. W. wächst in einer Zeit extremer Katholikenverfolgung in England auf. Um ihre Sehnsucht, sich ganz Gott zu weihen, verwirklichen zu können, drängt es sie danach, einem kontemplativen Orden beizutreten. Da in England alle Klöster aufgehoben wurden, flüchtet sie aufs Festland. 1606 schließt sie sich in St. Omer (Frankreich) den Klarissinnen an. Bald darauf gründet sie ein englisches Klarissinnenkloster, das sie jedoch wieder verläßt. Nach langem inneren Ringen wird ihr klar, daß ihre Berufung eine andere ist. Sie gründet 1606 in St. Omer ein Institut zur Mädchenerziehung, die »Englischen Fräulein«, für die sie 1611 die Jesuitenregel einführt. Ziel ist die aktive Teilhabe am Sendungsauftrag der Kirche. Dreimal reist W. über die Alpen nach Rom, um die kirchliche Anerkennung der ignatianischen Grundverfassung ihrer Gemeinschaft zu erreichen. Im Verlauf dieser Reisen errichtet sie Institute in ganz Europa, von Lüttich bis Neapel und Prag, von Köln bis München und Wien. 1616 erhält sie zwar eine Belobigung. Doch damit gibt sich W. nicht zufrieden. Sie bietet sich und ihre Gefährtinnen dem Papst an, damit er sie zu den »Türken und in die Gebiete, die man Indien nennt«, sendet. Das heißt, sie hält Frauen für fähig, am Apostolat und an der Verkündigung der Kirche teilzuhaben. Ihre Versuche, in Rom die Bestätigung ihres Institutes zu erlangen, scheitern. Die Übernahme der Jesuitenregel durch Frauen, vor allem die Freiheit von Klausur, rufen unüberwindliche Schwierigkeiten und Widerstände hervor. Die »vita activa« als Apostolat in der Welt war mit dem klausurierten Leben, wie es in den traditionellen Orden vorgeschrieben war, unvereinbar. Papst Urban VIII. verbietet das Institut durch eine Bulle vom 13.01.1631. Die Gründerin wird unter Häresieverdacht eingesperrt. Persönlich hat sie der Papst zwar wieder rehabilitiert. Aber eine Zurücknahme der Bulle, mit der das Institut als »Unkrautpflanze« ausgerottet werden sollte, erfolgt nicht. 1637 erhält W. aus gesundheitlichen Gründen die Erlaubnis, nach England zu reisen, wo sie stirbt. - Vielen Schulen der »Englischen Fräulein« erinnern bis heute an das segensreiche Wirken ihrer Stifterin. Die Jesuitenregel wurde beibehalten, allerdings unterscheiden sich die heutigen Institute von der Ursprungsgründung. Das Generalat befindet sich in Rom; darüber hinaus gibt es 14 Provinalate. Daß diese »apostolische« Frauenbewegung trotz kirchlicher Restriktionen so stark werden und sich ausbreiten konnte, liegt unter anderem darin begründet, daß die Frauen in der Folgezeit in erster Linie darauf bedacht waren, ihren praktischen Wirkungsbereich zu erweitern. Dort, wo sie sich durch ihre Aktivitäten für Kirche und Gesellschaft nützlich und unentbehrlich machten, wurden sie auch gefördert und unterstützt. Dort aber, wo diese Voraussetzungen von der Praxis her nicht gegeben waren, brach das theologische Unterdrückungspotential um so stärker durch. Unter diesem Druck wurden viele der ursprünglichen Ideale aufgegeben. Zu allen Zeiten bleibt es deshalb eine Herausforderung und eine selbstkritische Frage an jede Ordensgemeinschaft sowie an die Kirche insgesamt, inwieweit sie fähig und bereit ist, sich aus der Dynamik des Ursprungs heraus immer wieder zu erneuern.

Lit.: Judith Winkler, »Gefährlicher als sechs Jesuiten«: M.W. In: KatBl 110 (1985), 44-49; - Friedrich Wetter, M.W. - ein Vorbild des Glaubens. In: Klerusblatt 65 (1985), 93; - Immolata Wetter, M.W. In: StZ 203 (1985), 291-302; - Mathilde Köhler, Die Innenwelt der Außenwelt. Zur Spiritualität M.W.s (1585-1645). In: GuL 58 (1985), 204-210; - Anne Conrad, Ordensfrauen ohne Klausur? Die katholische Frauenbewegung an der Wende zum 17. Jahrhundert. In: Feministische Studien 1 (1986), 31-45; - Henriette Peters, M.W. Ihre Persönlichkeit und ihr Institut, Innsbruck 1991; - Ursula Dirmeier, M.W. - Eine Frau für die Kirche. In: KatBl 117 (1992), 492-500; - Immolata Wetter, M.W.: Mißverständnisse und Klärung (= Augsburger Universitätsreden; 22), Augsburg 1993; - Barbara Hallensleben, Theologie der Sendung. Die Ursprünge bei Ignatius von Loyola und M.W., Frankfurt 1994; - Henriette Peters, M.W.: a world in contemplation, leominster: Gracewing 1994 (Lit. 630-633); - DSp 16 (1994), Sp. 1317-1324 (Lit. Sp. 1323 f.); - Ursula Dirmeier, Die Geschichte der M.W. Erzählt für Jugendliche und junggebliebene Erwachsene, Bamberg 1995; - P. Ehlen, Ignatius von Loyola und M.W. In: StZ 213 (1995), 140 ff.; - Martha Zechmeister, Als Frau das ignatianische Charisma leben. In: GuL 68 (1995), 256-269; - Immolata Wetter, M.W. Gründerin des Instituts Beatae Mariae Virginis der Englischen Fräulein, 4. Aufl. Regensburg 1996.

Gabriele Lautenschläger

Werkeergänzung:

2008

M.W. (1585-1645). A briefe relation ... with autobiographical fragments and a selection of letters. Ed. by Christina Kenworthy-Browne. Woodbridge 2008.

Literaturergänzung:

1991

Rez. von Manfred Hermanns zu Henriette Peters; M. W. Ihre Persönlichkeit und ihr Institut. Innsbruck 1991. In: Jahrbuch für Jugendsozialarbeit. Bd. XII, hrsg. von Karl Hugo Breuer. Köln 1991. S. 363-369; -

2007

Cosima Kiesner, Gründergestalt u. Gefährtinnenschaft - Gottes Exerzitienwege mit M.W. u.e. Gefährtin heute, in: KorSpEx 56.2006, S. 69-76; - David Wallace, Periodizing women: M.W. (1585-1645) and the premodern canon, in: JMEMS 36.2006, S. 395-453; - M.W. u. ihre Gründung. Die Quellentexte bis 1645. Hrsg. von Ursula Dirmeier. 4 Bde. Münster 2007; - Mary Ward und ihre Gründung. Die Quellentexte bis 1645, hrsg.v.Sr. Ursula Dirmeier CJ, 4 Bde.(CC 45, 46 47, 48). Münster, 2007; -

2008

Gertrud Rieger, M.W. - Impulse f.e. zeitgemäße Erziehung u. Bildung, in: KathBil 110.2008, S. 241-253; - Laurence Lux-Sterritt, M.W. et sa Compagnie de Jésus au féminin dans l'Angleterre de la Contre-Réforme, in: RHR 225.2008, S. 393-4; - Rebecca Müller, Congregatio Jesu / Englische Fräulein / Institutum Beatae Mariae Virginis / Maria Ward-Schwestern, in: MKIB 59.2008, S. 129-131; -

2009

Judith Wilt, Three women writers and the "Jesuit sublime". Or: Jesuits in love, in: ReArts 13.2009, S. 1-13; - Themenheft von MThZ 60.2009, S. 101-205; - Walter Nigg, M.W. - eine Frau gibt nicht auf. 1., leicht überarb. Aufl. Zürich 2009; - Frauen u. kein Fräulein. M.W. u.d. Congregatio Jesu. Cosima Kiesner (Hg.). Kevelaer 2009; - Ursula Dirmeier, Nicht Furcht, sondern Liebe. Geistliche Lebenskunst mit M.W. Würzburg 2009; -

2010

Martha Zechmeister, Lasst euch treiben von der Sehnsucht nach Gott. Eine fiktive Ansprache M.W.s an ihre Gefährtinnen heute, in: Diakonia 41.2010, S. 39-43.

Letzte Änderung: 28.01.2010