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Band XVI (1999) Spalten 1522-1525 Autor: Christoph Schmitt

WATTERICH, Johann Matthias. - Historiker, Theologe. * 21. Dezember 1826 in Trier als Sohn des Lederwarenhändlers Johann W. (Mutter: Christina geb. Schneider); + 10. Januar 1904 im Kloster Beuron. - Nach der Reifeprüfung am Friedrich-Wilhelms-Gymnasium in Trier im Jahre 1844 trat W. in das heimische Priesterseminar ein. Da W. nach Abschluß seiner philosophischen und theologischen Studien noch nicht das Weihealter erreicht hatte, ließ ihn sein Bischof 1848 in Bonn weiterführende Studien zur Literatur und Geschichte aufnehmen. Schon als Diakon nahm er Anteil an der Belebung katholischer Publizistik. Am 13. Oktober 1849 weihte ihn Bischof Matthias Arnoldi in Trier zum Priester. Während seines Studienaufenthaltes in Bonn freundete sich W. mit Joseph H. Reinkens, dem späteren ersten altkatholischen Bischof an. Die Bonner Studien brachten den jungen Mann auch in Kontakt mit dem dort einflußreichen Güntherianismus. Promoviert wurde er in Münster mit seiner Dissertation über den Adel der Germanen (1853: Dr. phil.). Mit seiner Habilitation über die Gründung des Ordensstaates in Preußen wurde ihm der Weg zur Professur für Weltgeschichte und für deutsche Literatur am Lyceum Hosianum in Braunsberg eröffnet (1855). Seine Lehrtätigkeit nahm er zu Ostern 1856 auf, doch erhielt er schon nach kurzer Zeit die königliche Erlaubnis, ab Ende 1857 für ein Studienjahr nach Rom gehen zu können. Dort sollte er dank guter Beziehungen zu diplomatischen und kirchlichen Kreisen die archivalischen Recherchen durchführen können, an deren Ende die Ausarbeitung der Vitae Pontificum standen. Für diese Leistung verlieh die Breslauer theologische Fakultät W. einen Doktortitel ehrenhalber, der jedoch kirchlich nicht anerkannt wurde. Die Sorge um seine Eltern führte ihn in das Heimatbistum zurück, wo er zwischen 1862 und 1870 in der Pfarrei Maria Himmelfahrt in Andernach a. Rhein als Pfarrer wirkte und sich dabei auch sozial engagierte. Seine Professur hatte er zwar abgelegt, nicht jedoch sein wissenschaftliches Interesse. Mißverständnisse ließen ihn 1870 auf die Pfarrei resignieren und nach einem Interimsaufenthalt als Pfarrer in Klotten/Mosel kehrte er wieder zurück nach Münster an die dortige Bibliothek. Während des Krieges mit Frankreich übte er bis 1871 in Diedenhofen das Amt eines Feldgeistlichen aus. Daran an schloß sich sein Dienst als Divisionspfarrer in Straßburg. Während jener Zeit erwuchs in ihm aus dem Kontakt mit seinem Freund, dem sich zum Altkatholizismus bekennenden Reinkens, der Entschluß zum Übertritt in die altkatholische Kirche (1874). W. wirkte als Wanderprediger, dozierte für kurze Zeit an der altkatholischen Fakultät in Bern. 1875 erhielt er eine feste Anstellung in Basel als altkatholischer Pfarrer. Bis zur Übernahme der altkatholischen Pfarrstelle Baden-Badens im Jahre 1879 wirkte er dort; zwei Jahre zuvor war W. eine Ehe eingegangen. Persönliche Unstimmigkeiten veranlaßten ihn 1887, sein geistliches Amt in Baden-Baden niederzulegen und sich zu privaten Forschungen zurückzuziehen. Für einen kurzen Zeitraum suchte er im belgischen Benediktinerkloster Maredsous eine geistliche Neuorientierung, kehrte jedoch dann wieder nach Baden-Baden zurück. Ein Schlaganfall im Jahre 1899 war wohl mit ausschlaggebend für eine erneute innere Auseinandersetzung, als deren Resultat der Rücktritt in die katholische Kirche erfolgte. Der Schritt erfolgte öffentlich im März 1902 im Kloster Beuron, wohin er sich zurückgezogen hatte und fortan als Oblate der Benediktiner (seit April 1902) lebte. Ein Jahr später erhielt er auch die Wiederzulassung zur Feier der Eucharistie. Beuron wurde für W. zur Ruhestätte seiner letzten Lebensjahre, die auf ein bewegtes Leben zurückblicken konnten. - Während seiner Braunsberger Zeit hatte W. Teil an der Gründung des Ermländischen Geschichtsvereins. Er schrieb Abhandlungen über die Gründung des Ordensstaates, über Bischof Lukas Watzenrode und Nicolaus Copernicus. Wichtig wurden seine zwei Bände Vitae Pontificum Romanorum.

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Werke (Auswahl): Über den hl. Liborius und seine Übertragung aus Le Mans nach Paderborn, s.a. (anonym); De veterum Germanorum nobilitate, 1853; De Lucae Watzelrode Episcopi Warmiensis in Nicolaum Copernicum meritis, 1856; Die Gründung des deutschen Ordensstaates in Preußen, 1856; Gottfried von Straßburg, ein Sänger der Gottesminne, 1858; Nikolaus Koppernik ein Deutscher. In: Zeitschrift für die Geschichts- und Altertumskunde Ermlands 1 (1859) ?-?; Unter der Terebinthe, 1860; Pontificum Romanorum qui fuerunt inde ab exeunte saeculo IX usque ad finem saeculi XIII Vitae ab aequalibus conscriptae, quas ex Archivi Pontifici documentis gravioribus, Tom. I-II, 1862; Bonizos Schrift ad amicum. In: Index lectionum Braunsberg, 1862; Der deutsche Namen Germanen und die ethnographische Frage vom linken Rheinufer. Eine historische Untersuchung, 1870; Die Germanen des Rheins, ihr Kampf mit Rom und der Bundesgedanke [Die Sigambern und die Anfänge der Franken], 1872; Die Verfassung der Kirche im Jahrhundert der Apostel, 1873; Die Ehe, populärwissenschaftlich dargestellt von einem katholischen Theologen, 1874 (zunächst anonym; 21876): Die Stellung des Petrus unter den Aposteln, 1876; Altkatholischer Katechismus für die reifere Jugend und zum Selbstunterricht, 1876; Die Notwendigkeit und die Berechtigung der Reformen in der christkatholischen Kirchen, 1876; Festpredigt, gehalten vor der Eröffnung der dritten christkatholischen Nationalsynode 1877, 1877; Die Ehe, ihr Ursprung, ihr Wesen und ihre Weihe, nach Gottes Wort und Tat dargestellt; Grabrede bei der Beerdigung von Herrn Prof. Dr. Michelis, 1886; Das Neue Testament aus dem Griechischen übersetzt, 1887 (21879); Das Passah des neuen Bundes. Eine theologische Betrachtung, 1889; Die Psalmen, aus dem Hebräischen ins Deutsche übersetzt und erläutert, 1890; Was hat Christus gestiftet? Einen Staat oder eine Kirche? Vortrag 1892, s.a.; Der Konsekrationsmoment im heiligen Abendmahl und seine Geschichte, 1896; Die abendländische Messe vom fünften bis zum achten Jahrhundert (Rez.). In: RevIntTheol 4 (1896) 265-370; Der Streit um die Konsekrationsformel auf dem Konzil zu Florenz. In: RevIntTheol 4 (1896) 538-547; Die Gegner meiner Schrift über den Konsekrationsmoment I. In: RevIntTheol 5 (1897) 83-107; Die Gegenwart des Herrn im heiligen Abendmahl. Eine biblisch-exegetische Untersuchung, 1900. - Briefe im Nachlaß Don Anselmo Nickes im Archiv der Patriarchalbasilika St. Paul vor den Mauern, Rom.

Lit.: Ernst Raßmann, Nachrichten von den Leben und den Schriften Münsterländischer Schriftsteller des 18. und 19. Jahrhunderts, 1866 (NF 1881), 236; - J. Bender, Geschichte der philosophischen und theologischen Studien im Ermland, 1868, 159.174; - Franz Brümmer, Deutsches Dichterlexikon, 1876/77; - C. Welte, Professor J. B. W. In: Katholik (1904) 161-175; - Literarischer Hinweiser 1904, Nr. 1, Sp. 38f.; - F. Lauchert, [Art.] W. In: Biographisches Jahrbuch und Deutscher Nekrolog IX (1906) 176-177; - Lexikon deutscher Bibliothekare, 1925, 359; - W. Deinhardt, [Art.] W. In: LThK1 X (1938) 621; - Der Weltklerus der Diözese Trier, 1941, s. v.; - P. Wenzel, Das wissenschaftliche Anliegen des Güntherianismus, 1961; - P. Wenzel, [Art.] W. In: LThK2 X (1965) Sp. 969; - P Wenzel, der Freundeskreis um Anton Günther und die Gründung Beurons, 1965; - A. Poschmann, [Art.] W. In: Altpreußische Biographie II, 1967, 777.

Christoph Schmitt

Letzte Änderung: 09.04.2011