Verlag Traugott Bautz
www.bautz.de/bbkl
Zur Hauptseite
Bestellmöglichkeiten
Abkürzungsverzeichnis
Bibliographische Angaben für das Zitieren
Suche in den Texten des BBKL
Infobriefe des aktuellen Jahres
Spenden für die Arbeit am BBKL
Um auch weiterhin die Arbeit am BBKL zu ermöglichen, brauchen wir Ihre Unterstützung..
NEU: Unser E-News Service
Wir informieren Sie über Neuigkeiten und Änderungen per E-Mail.
Helfen Sie uns, das BBKL aktuell zu halten!
Bestellmöglichkeiten

Band XV (1999)Spalten 1448-1450 Autor: Josef Johannes Schmid

WEBER, Carl Maria Friedrich Ernst von, * 18. oder 19. November 1786 Eutin (Holstein), † 5. Juni 1826 London. - Vater: Franz Anton von W., zunächst Major in holsteinschen Diensten, ab 1779 Capellmeister des prot. Fürstbischofs von Lübeck in Eutin; Mutter: Genoveva W., geb. Brenner. - Nach der durch den Vater gewährleisteten guten, aber durch häufige Ortswechsel unterbrochenen Erziehung, empfing W. den ersten regelmäßigen musikalischen Unterricht ab 1796 durch J.P. Heuschkel in Hildburghausen. 1798 wechselte er nach Salzburg zu Johann Michael Haydn, dem damals angesehensten Vertreter der »süddeutschen Klassik«. Im selben Jahr erschien in Leipzig sein op.1: 6 Fughetten für das Fortepiano, ebenfalls noch 1798 begann W. seine Studien in München bei J.E. Valesi (Gesang) und dem Hoforganisten J.N. Kalcher (Tonsatz, Komposition), es entstanden hier die erste Messe und ein erster Opernversuch (verloren). Neben der Musik wurden technische Studien zunehmend für W. interessant, so die Beschäftigung mit dem damals neuen Steindruck. 1800 wechselte W. nach Freiburg/Sachsen, wo seine erste erhaltene Oper »Das stumme Waldmädchen« (Auff. in Wien, Prag und St.Petersburg) entstand, begleitet von ersten musikkritischen Versuchen bei der Leipziger Neuen Zeitung (1801) und einem zunehmenden Interesse an alten Instrumenten und alter Musizierpraxis. 1803 sieht seinen ersten großen Opernerfolg »Peter Schmoll und seine Nachbarn« (Augsburg), sowie weitere Studien bei Joseph Haydn und Abbé Vogler in Wien. 1806 tritt W. in die Dienste Hzg. Eugens von Württemberg im schlesischen Carlsruhe, durch dessen Vermittlung folgt eine Anstellung am Stuttgarter Hof für die Jahre 1807-1810. Noch 1810 startet W. zu seiner ersten großen Reise, mittlerweile als musikalische Berühmtheit (Frankreich, München, Berlin), 1813-1816 bekleidet er das Amt eines Operndirektors in Prag. 1816/17 ist er in Berlin und ab 1817 als Direktor der Oper in Dresden, beschäftigt mit dem Aufbau einer Deutschen Oper. Die enge Verbindung zum sächsischen Königshaus bedingt auch die Komposition der späten kirchenmusikalischen Werke W.s (s.u.). Der Durchbruch zur Weltberühmtheit als Opernkomponist gelingt 1821 mit der triumphalen Aufführung des »Freischütz« in Berlin, 1823 folgt »Euryanthe«. Während 1824 ein Kompositionsauftrag des Londoner Covent Garden eintrifft (»Oberon«), ist W. bereits mit jener Krankheit behaftet, die schließlich zu seinem Tode führen wird, der Schwindsucht. Trotzdem reist er 1826 nach England, um die Oper zu vollenden (Februar), stribt jedoch am 5. Juni in London.- Trotz seines frühen Todes wurde W. zum Inbegriff der deutschen Romantischen Oper, die berühmte Wolfsschlucht-Szene kann in ihrer ambivalenten satanisch-gotthoffenden Ausrichtung als Summa der geistigen Welt der deutschen Romantik überhaupt gelten. Persönlich war das Leben W.s von Unstetigkeit, großem Wissensdrang und früher Krankheit geprägt - vieles, was die Nachwelt in die Person W.A. Mozarts hineinlegte, wäre bei W. besser aufgehoben. Seine kirchenmusikalischen Werke waren, obgleich an Aufträge gebunden, Höhepunkte der orchesterbegleiteten katholischen Kirchenmusik des 19. Jhds., entsprechend scharf fiel ihre Ablehnung durch die Bewegung der sog. Cæcilianer aus. Anders als seinen Zeitgenossen (z.B. Mendelssohn-Bartholdy, Meyerbeer, Lachner) wurde W. vonseiten des allgültigen R. Wagner eine positive Wertung zuteil, was seine Musik vor der Vergessenheit, v.a. in Deutschland bewahrte. Betrachtet man aber das musikkritische und -theoretische Schrifttum W.s genauer, so findet sich gerade hier eine eindeutige Beurteilung der späteren wagnerianischen Ästhetik, ebenso wie jener seltsamen National-Verkitschung, der W.s Musik in Dtl. im 20. Jhd. anheimfiel.

weiterlesen ...
Werke: 1. Theoretische: Th. Hell (Hrsg.), Hinterlassene Schriften von C.M.v.W., Dresden/Leipzig 1828 21850; G. Kaiser (Hrsg.), Sämtliche Schriften C.M.v.W.s-Kritische Ausgabe, Berlin/Leipzig 1908; J. Warrack (Hrsg.) C.M.v.W. Writings on Music (engl. von M. Cooper), Cambridge 1981. - 2. Kirchenmusikalische: Missa Solemnis 1802 (Große Jugendmesse) (1925 in Salzburg wiederentdeckt; ed. Augsburg 1928); Missa sancta No. 1 Es-Dur (1818) Freischützmesse (ed. Wien 1844); Missa sancta No. 2 G-Dur (1819) Jubelmesse (ed. Wien 1835); Offertorium »Gloria et honore« (zur Messe Es-Dur) (Ms.); Offertorium »In die solemnitatis vestræ« (zur Messe G-Dur) (Ms.). - Werkverzeichnis (der musikalischen Werke): Friedrich W. Jæhns, C.M.v.W. in seinen Werken: chronologisch-thematisches Verzeichnis seiner sämtlichen Compositionen nebst Angabe der unvollständigen, verlorengegangenen, zweifelhaften und untergeschobenen. Berlin 1871 21967.

Lit. (in Auswahl): Karl-Fr. Rugenhagen, Nachrichten aus dem Leben und über die Musikwelt C.M.v.W.s, 1828; - Hector Berlioz, Voyage musical en Allemagne et en Italie: études sur Beethoven, Gluck et W., mélanges et nouvelles, 1844 (21970); - Heinrich Doering, C.M.v.W.s Biographie und Charakteristik, 1857; - Max Maria von Weber, C.M.v.W.: ein Lebensbild, hrsgg. v. E. Keil, 3 vols., 1864-1866 (Ndr. 1912) (engl. 2 vols., 1865, Ndr. 1968 u. 1970); - D.G.E. Mounais, Etudes sur Ch.M. de W. d'après la biographie écrite par son fils, in: Revue et Gazette musicale de Paris XXXII (1865), 213-425/XXXIII (1866), 25-353/XXXIV (1867), 25-373/XXXV (1868), 1-3; - Hypolyte La Rochelle Barbedette, Ch.M. de W., sa vie et ses uvres, in: Le Ménestrel XXXVIII (1872), 249-410; - Friedrich W. Jæhns, C.M.v.W.: eine Lebensskizze nach authentischen Quellen, 1873; - Julius Benedict, W., 1881 21923; - August Reissmann, C.M.v.W.: sein Leben und seine Werke, 1886; - Hermann Gehrmann, C.M.v.W., 1899; - Wilhelm Kleefeld, C.M.v.W., 1927; - Johann G. Buerkli, Biographie von C.M.v.W., 1936; - Oskar Kaul, C.M.v.W. als Schriftsteller, in: Deutsche Tonkünstler-Zeitung XXXIII (1936), 74-75; - Fritz Grueninger, C.M.v.W., Leben und Werk, 1954; - W. - Bilder aus seinem Leben, 1966; - John Warrack, C.M.v.W., 1968 21976, dt. 1972; - Karla Höcker, Oberons Horn: das Leben von C.M.v.W., 1986; - Dieter Härtig, C.M.v.W., 1989; - Friedhelm Kummacher (Hrsg.), W.-jenseits des Freischütz (Kieler Schriften zur Musikwissenschft 32), 1989; - Donald G. Henderson, C.M.v.W., 1990; - Frank Heidlberger, C.M.v.W. und Hector Berlioz, 1994; - Encyclopedie der gesammten musikalischen Wissenschaften, oder Universal=Lexicon der Tonkunst, NA, vol.VI, Stuttgart 1840, 827-831; - Philipp Spitta/John Warrack, C.M.v.W., in: Grove XX (1980), 241-264; - Brockhaus/Riemann vol IV, 1989, 339-340.

Josef Johannes Schmid

Textanmerkungen:

Carl Maria von Weber hat in 09599 Freiberg/Sachsen seine erste Oper geschrieben und auch hier fand die Uraufführung seiner ersten Oper "Das stumme Waldmädchen" statt, nicht in Freiburg/Unstrutt.

Werkeergänzung:

2007

"... die Hoffnung muss das Beste thun". Die Emser Briefe C.M.v.W.s an seine Frau. Hrsg.: Joachim Veit ... München 2007;

2009

Register d. Gesangstexte. Textanfänge. Lieder u. Gesänge nach d. Titeln d. Texte alphabetisch geordnet. Zürich 2009.

Literaturergänzung:

2005

Werner Abegg, C.M.v.W.: Der Freischütz. Augsburg 2005; - Bernd Oberhoff, C.M.v.W., Der Freischütz. E. psychoanalyt. Opernführer. Gießen 2005; -

2006

Wolfgang Sandner, Achtung, Schlange! W.s "Euryanthe", veralbert an d. Semperoper, in: FAZ Nr. 49 vom 27.2.2006, S. 41; -

2007

Der Freischütz. Romant. Oper in drei Aufzügen. Krit. Textbuch-Ed. Hrsg. von Solveig Schreiter. München 2007; - Anton Neumayr, Berühmte Komponisten im Spiegel d. Medizin. Bd. 3: Carl Maria von Weber, Felix Mendelssohn Bartholdy, Robert Schumann, Johannes Brahms. Wien 2007; -

2009

Die "Schaubühne" in d. Epoche d. Freischütz. Theater u. Musiktheater d. Romantik. Vorträge d. Salzburger Symposions 2007. Hrsg. von Jürgen Kühnel. Anif/Salzburg 2009; - C.M.v.W. 1786 - 1826. Reisen, komponieren, Fremdsprachen lernen. Zürich 2009; -

2010

Markus Schroer, C.M.v.W.s Oberon. Münster 2010.

Letzte Änderung: 09.04.2011