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Band XVII (2000)Spalte 1537-1542 Autor: Christian Weise

WEBER, Simon, * 1.1. 1866 Bohlingen/Kr. Konstanz, † 12.3. 1929 Freiburg/Br. Katholischer Theologe und Armenologe. - S. W., Sohn des Gerbers, Lederhändlers und Landwirts Lorenz und seiner Ehefrau Johanna Schwarz, wuchs im südbadischen Bohlingen auf. Nach dem frühen Tod des Vaters 1876 hatte die Mutter die 11 Kinder alleine großzuziehen. Von den Verwandten, die ihr dabei beistanden, förderten die Tante Rosamunde/Mutter Gebharda, dem Orden der barmherzigen Schwestern des Hl. Vinzenz angehörend, und der Bohlinger Pfarrer Johann Anton Hämmerle den jungen W. Nach dem Studium der Theologie in Freiburg/Br. wurde W. 1891 ordiniert, diente zunächst als Vikar an der Hl. Kreuzkirche in Offenburg, 1892-1894 als Kaplan an der deutschen Nationalkirche S. Maria dell'Anima in Rom, wo er zeitgleich an verschiedenen römischen Kollegien seine theologischen und orientalistischen Kenntnisse erweiterte. Am Thomas-Kolleg promoviert, kehrte er nach Deutschland zurück, wirkte als Pfarrvikar in Wollmatingen bei Konstanz und habilitierte sich nach dem Tod von Professor Andreas Schill im Herbst 1896 an der Universität Freiburg für das Fach Apologetik. 1898 ao. Professor für Apologetik, mußte er zehn Jahre später die Professur für Exegese des Neuen Testaments übernehmen. Hierfür hatte er zwar durch seinen Lehrer Professor Adalbert Maier angeregt, Vorstudien gemacht, die Vorlesungstätigkeit und insbesondere die damalige wissenschaftliche interdiziplinäre Diskussion hatten W. besonders stark zur Beschäftigung mit fundamentaltheologischen apologetischen Fragen geführt, die er denn auch weiterführte. Als er 1916 Domkapitular wurde, konnte er die Aufgabe der Bibelwissenschaft wieder abgeben. Die nicht besonders geliebte trockene Tätigkeit in der Kirchenleitung ab 1916 im umfangreichen Gebiet der Heran- und Weiterbildung des Klerus und der Religionspädagogik ließ W. kaum mehr Zeit zu konzentrierter wissenschaftlicher Arbeit, immerhin aber zur Weiterführung der fast 30 Jahre von ihm betriebenen Predigt und Seelsorge an den Taubstummen, dem tief frommen und gütigen Mann ein besonderes Herzensanliegen. Gleichfalls hielt er regelmäßig in der Medizinischen Klinik Freiburg die Messe und versah das Amt eines Beichtvaters an den dort wirkenden Schwestern. Freundschaftliche Beziehungen unterhielt W. zu den barmherzigen Schwestern des hl. Vinzenz. Im Albertus-Magnus-Verein wirkte W. ab 1907 als Geschäftführer und später als Vorsitzender. Als Auszeichnung für seine vielfältigen Leistungen, darunter auch die Übersetzung und Verteidigung der päpstlichen Enzykliken wurde W. schließlich 1925 von Papst Pius XI. zum päpstlichen Hausprälaten ernannt. - W. verband konservativ-apologetisches Denken mit pastoralem Eifer. Seine zahlreichen gelehrten Publikationen sind von guter thomistischer Systematik geprägt. Der Modernistenstreit ließ ihn mit großer Begeisterung und Sachkenntnis die Angriffe auf Glaube und Kirche in Wort und Schrift abwehren. W. übersetzte und verteidigte ab 1898 die päpstlichen Enzykliken. Die plötzliche Berufung auf den durch neutestamentlichen Lehrstuhl als Nachfolger von Prof. Rücker (+1908) bedeutete für den Apologeten und Historiker die Einarbeitung in neue Themen. Ergebnis hiervon sind zwei Bibelausgaben. W. war aber nicht nur von ganzem Herzen Wissenschaftler, sondern auch ein guter, humorvoller Redner mit schriftstellerischer Begabung: Posthum wurden einige seiner über 220 Gedichte meist religiösen Inhalts veröffentlicht. Erhalten sind auch Märchen, Erzählungen aus dem Leben, ein Krippenspiel und ein dramatischer Dreiakter, »Die heilige Kreszentia von Kaufbeuren« und die Familienchronik. - Vor allem aber galt W.s Liebe den Armeniern und ihrer Literatur, auf die er früh durch eine Reisebeschreibung August von Kotzebues aufmerksam wurde. Hiervor zeugen seine Hauptwerke: »Die katholische Kirche in Armenien« (1903) ist die erste und bislang auch einzige so umfassende Kirchengeschichte Armeniens der ersten fünf Jahrhunderte in deutscher Sprache. Sie enthält manche fast romanhaft aufregende Szenen, die das Werk zu einer spannenden Lektüre machen. W. sah die armenische Kirche freilich wohl katholischer und den Umschwung zur Zeit des Konzils von Chalkedon überraschender, als sie es tatsächlich waren (vgl. dazu heute etwa Alois Grillmeier, Das Konzil von Chalkedon. 3 Bde. Würzburg 51979; Ders., Jesus der Christus im Glauben der Kirche. Bd. 2/3: Die Kirchen von Jerusalem und Antiochien mit Armenien, Georgien und Persien. Hrsg. u. bearb. von T. Hainthaler. Freiburg/Br. 1998 i.Vb.). Seine Habilitationsschrift über Eznik von Kolb (5. Jh.) und seine Antrittsvorlesung über »Die hierarchische Stellung der armenischen Kirche« waren ähnlich von apologetischem Interesse inspiriert. Von der damals gerade aufgefundenen, nur armenisch erhaltenen Epideixis des Irenäus von Lyon (CPG 1307) fertigte W. eine 2. Übersetzung an, über die er eifrig mit dem Entdecker, dem armenischen Patriarchen Karapet Ter Mkrttschian stritt. Zwei verdienstvolle Bände Übersetzungen armenischer Kirchenväter konnte W. kurz vor Lebensende in der Serie der »Bibliothek der Kirchenväter« veröffentlichen. Sie enthalten: Eznik von Kolb, Widerlegung der Irrlehrer; Mose von Koriun, Beschreibung des Lebens und Sterbens des heiligen Lehrers Mesrop; Ausgewählte Reden aus dem Hatschachapatum (Homiliensammlung des »Gregor des Erleuchters«), Mambre Verzanoghs Homilie über die Auferweckung des Lazarus; Johannes Mandakunis Reden und Elisches Erklärung des Vaterunsers und seine Worte der Ermahnung über die Einsiedler. Bei seinen Armenien-Forschungen erhielt W. die Unterstützung der Wiener Mechitaristen. Die umfangreiche armenologische Bibliothek W.s befindet sich heute in der Universitätsbibliothek Freiburg i.Br.

Werke (in Auswahl): Jesus taufte. Untersuchung zu Johannes 3,22. Offenburg 1895; Die Geltung der hl. Schrift bei den Armeniern, in: Theologische Quartalsschrift 78 (1896) 463-489; Abfassungszeit und Echtheit der Schrift Ezniks: Widerlegung der Irrlehrer, in: Theologische Quartalsschrift 79 (1897) 367-398; Evangelium und Arbeit. Freiburg i.Br. 1898; 21920; Die Apologie des Christentums bei den Armeniern des Altertums, in: Der Katholik 78,1 (1898) 212-231; 311-326; Zur Lehre Luthers von der Arbeit. Apologetische Randbemerkungen, in: Der katholische Seelsorger 12 (1900) 257-266; 306-313; 353-359; 411-415; Ararat in der Bibel, in: Theologische Quartalsschrift 83 (1901) 321-374; Der Gottesbeweis aus der Bewegung bei Thomas von Aquin auf seinen Wortlaut untersucht. Ein Beitrag zur Textkritik und Erklärung der Summa contra gentiles. Freiburg i.Br. 1902; Die katholische Kirche in Armenien. Ihre Begründung und Entwicklung vor der Trennung. Ein Beitrag zur christlichen Kirchen- und Kulturgeschichte. Freiburg i.Br. 1903 = L'église catholique en Arménie jusq'au schisme du Ve siècle. Etude pour servir à l'histoire et de la civilisation chrétienne. Calais 1906; Die Sendung des Papsttums in Leo XIII. (Festrede). Freiburg i.Br. 1903; Die Konkurrenz der Zwecke in der Natur, in: Natur und Glaube 6 (1903) 321-328; Der Weltverkehr in der altchristlichen Kirche. Stuttgart 1904; Ein Jubiläum in Blut und Leiden. Erfindung der armenischen Schriftzeichen, in: Historisch-politische Blätter für das katholische Deutschland 134 (1904) 517-531; S.W./Christian Vosen, Das Christentum und die Einsprüche seiner Gegner. Freiburg i.Br. 1905; Die Krisis in Machs Christentum, in: Oberrheinisches Pastoralblatt 7 (1905) 225-233, 241-248, 257-263, 278-283; Erinnerungsblätter an Joh. Anton Hämmerle, Pfarrer und Dekan in Bohlingen. Freiburg i. Br. 1906; Die katholische Kirche, die wahre Kirche Christi. München 1907 (Glaube und Wissen 15) = Freiburg i.Br. 21926; Christliche Apologetik. In Grundzügen für Studierende. Freiburg i.Br. 1907 = Apologetica Cristiana. Barcelona 1914; Nochmals die Textfrage im Gottesbeweis aus der Bewegung bei Thomas von Aquin: Summa contra gentiles 1,13. Freiburg i.Br. 1907; div. Artikel in Kirchliches Handlexikon. München 1, 1907; Die Gottheit Jesu im Zeugnis der Heiligen Schrift. Drei Vorträge: Die Gottheit Jesu in der alttestamentlichen Offenbarungsgeschichte; Die Gottheit Jesu und die paulinischen Briefe; Die Gottheit Jesu in den Evangelien, in: Karl Braig u.a., Jesus Christus. Vorträge auf dem Hochschulkurs zu Freiburg im Breisgau. Freiburg i.Br. 1908, 43-104, 21911, 45-115; Kurzer Wegweiser in der apologetischen Literatur für gebildete Katholiken aller Stände, insbesondere für Studierende. Freiburg i.Br. 21909; Zum armenischen Text der Epideixis des hl. Irenäus, in: Theologische Quartalsschrift 91 (1909) 559-573; Die Grenzen des apologetischen Beweises in der Lehre von der Kirche, in: Der Katholik 90, 2 (1910) 1-25; Revision gegen die Freisprechung des ungerechten Verwalters (Lk 16,1ff.), in: Theologische Quartalsschrift 93 (1911) 339-363; Theologie als freie Wissenschaft und die wahren Feinde wissenschaftlicher Freiheit. Freiburg i.Br. 1912; Des hl. Irenäus Schrift zum Erweis der apostolischen Verkündigung, deutsch mit Einführung und Anmerkungen. Kempten-München 1912 (Bibliothek der Kirchenväter Band 4); div. Artikel in: Kirchliches Handlexikon 2. München 1912; S.W./Franz Hettinger, Lehrbuch der Fundamentaltheologie oder Apologetik. Freiburg i.Br. 31913; Randglossen zu Ter Mkrttschian und Ter Minasseanz, Übersetzung der Epideixis, in: Der Katholik 94,1 (1914) 9-44; Das apologetische Element in den neutestamentlichen Auferstehungsberichten, in: Der Katholik 94,2 (1914) 277-299; 182-206 = Mainz 1914; S.W./Paul W. von Keppler, Unseres Herrn Trost. Erklärung der Abschiedsreden mit dem hohepriesterlichen Gebet Jesu (Joh 14-17). Freiburg i.Br. 2 u. 31914 = N1922; Soldat und Krieg im Neuen Testament. Freiburg i.Br. 1915; Ein Quellenwerk zur Bibelforschung, in: Der Katholik 95,1 (1915) 281-286; Kirchlicher Volksgesang im Felde. Erlebnisse und Anregungen, in: Fliegende Blätter für katholische Kirchenmusik 50 (1915) 130-132; Das Neue Testament nach der Vulgata übersetzt von Benedikt Weingart, durchgesehen sowie mit Einführungen und ausgewählten Anmerkungen versehen von Simon Weber. Freiburg i. Br. 31916; Die zeitgeschichtlichen Warnparabeln und die Parabel vom reichen Prasser (Lk 16,19ff.), in: Theologische Quartalsschrift 98 (1916) 36-66; Ist der Krieg bei Matthäi 26,52 verboten?, in: Magazin für volkstümliche Apologetik 15 (1916/17) 97-106; 129-135; Sancti Irenaei episcopi Lugdunensis demonstratio apostolicae praedicationis Eis epideixin tou apostolikou kerygmatos ex armeno vertit, prolegomenis illustravit, notis locupletavit. Freiburg i. Br. 1917; Warum läßt Gott die Bösen gewähren?, in: Oberrheinisches Pastoralblatt 20 (1918) 115-124; Das Alte Testament der göttlichen Offenbarung in Auswahl erbauender Texte. Freiburg im Breisgau 1919 = Das Alte Testament in Auswahl. Freiburg i. Br. 21926; Die Kirche und die Bibel. Freiburg i.Br. 1919; Zum Unterricht in der Glaubenslehre an den höhern Schulen, in: Oberrheinisches Pastoralblatt 21 (1919) 145-150; Gedächtnisrede auf den hochwürdigsten Herrn Weihbischof Doktor Friedrich Justus Knecht, Titular-Bischof von Nebo, Domdekan zu Freiburg im Breisgau, gehalten bei der Beisetzung am 3. Februar 1921. Freiburg i.Br. 1921; Das Neue Testament unseres Herrn Jesus. Freiburg i.Br. 1922; Monsignore Karl Mayer, Superior der Schwesternkongregation vom hl. Vincent von St. Paul, in seinem Leben und Wirken. Breisach 1923; §§ 5 (Gott und die Welt), 14 (Das Zeugnis der Geschichte für den Christen), 15 (Die kirchliche Organisation, ein Wesenserfordernis des Christentums), 21 (Das Gotteszeugnis für die Kirche in der Geschichte, in: Handbuch für die religiös-sittliche Unterweisung der Jugendlichen in Fortbildungsschule, Christenlehre und Jugendverein. Bd. 2: Christliche Grundlehren. Freiburg i.Br. 2 u. 31924 (Seite 17-20; 72-79; 80-84; 121-125); Mgre Nikolaus Gihr, Subregens im Priesterseminar St. Peter, in: Oberrheinisches Pastoralblatt 26 (1924) 143-148; Das kirchliche Bücherverbot. Schild des Glaubens. 1925; Von heiligen Klängen. (Glockenpredigten) Freiburg i.Br. 1926; Das kirchliche Bücherverbot, in: Schild des Glaubens 1925; Die Brüder Jesu, in: Schild des Glaubens 1927; Der armenischen Kirchenväter ausgewählte Schriften, übersetzt und patrologisch eingeleitet. 2 Bde. Kempten-München 1928 (Bibliothek der Kirchenväter Band 57 und 58); Bemerkungen zur palästinischen Ortskunde aus altarmenischen Schriftstellern, in: Handes Amsoreay 41 (1927) 817-826; Art. Abraham, Bischof der Mamikunier, in: LThK1 1 (1930) 40-41; Art. Ananias von Siuni, in: LThK1 1 (1930) 387; Armenien I-IV, in: LThK1 1 (1930) 663-669; Bartholomäus der Kleine, in: LThK1 2 (1931) 4-5; Was mir meine alte Taschenuhr für eine Predigt gehalten hat. o.O, o.J.

Archivalien: Im Universitätsarchiv der Universität Freiburg findet sich unter der Signatur B24/3959 die Personalakte Simon Webers, unter der Signatur B1/1196 eine Akte zum Lehrstuhl für Apologetik (1889-1918). Unter der Signatur C 16 finden sich Manuskripte und Vorlesungen aus dem Nachlaß. Auch das Archiv des Erzbistums Freiburg führt eine Akte, Na 51, in der sich Korrespondenz, Vorlesungsskripte und Predigten finden.

Lit.: Hermann Jordan, Armenische Irenaeusfragmente. Irenaeus Lugdunensis. Leipzig 1913 (Texte und Untersuchungen zur Geschichte der altchristlichen Literatur 36,3); - E. Ter-Minassiantz, Zu des Irenäus Erweis der apostolischen Verkündigung, in: Zeitschrift für die neutestamentliche Wissenschaft und die Kunde der Alten Kirche 14 (1913) 258-262; - S. Hirt, Nekrolog, in: Freiburger Diözesan-Archiv 32 (1931) 22-27; - Prälat Dr. Simon Weber, Universitätsprofessor (1866-1929), in: Anzeiger für die katholische Geistlichkeit 78 (1969) 102; - Herbert Brenner, Professor Dr. theol. Simon Weber aus Bohlingen (1866-1929), in: Hegau 19 (1974) 237-239; - Otto Weiß, Der Modernismus in Deutschland. Regensburg 1995; - Ders., Art. Modernismus, in: LThK3 7 (1998) 367-370; - Nina Garsoïan, L'Église Arménienne et le grand schisme d'Orient. Louvain 1999 (CSCO 574/Subsidia 100); - LThK1 10 (1938) 621; - LThK2 10 (1965) 973.

Christian Weise

Letzte Änderung: 29.02.2000