WEINHART, Benedikt, katholischer Theologe, * 19.3. 1818 in Kempten
im Allgäu als ältester Sohn eines Gastwirtes und Metzgers aus dessen
zweiter Ehe, + 3.3. 1901 in Freising. - Während seiner Gymnasialzeit
in Kempten erlernte W. neben den klassischen Sprachen Latein und Griechisch
auch die englische und französische Sprache. Daneben erwarb er sich
zusammen mit seinem Freund Daniel Haneberg Kenntnisse in den orientalischen
Sprachen, speziell im Hebräischen, im Syrischen und im Arabischen.
Achtzehnjährig ging W. nach dem Abitur 1836 zum Studium der katholischen
Theologie an die Universität München. Mit besonderem Interesse widmete
er sich den Schriften des englischen Gelehrten, Bischofs und späteren
Kardinals Nicholas Patrick Stephen Wiseman, die er teilweise zusammen
mit seinem Freund und Studienkollegen Haneberg ins Deutsche übersetzte.
Die von ihm und Haneberg besorgte deutsche Übersetzung von zwölf in
Rom gehaltenen Vorträgen Wisemans hat Haneberg unter dem Haupttitel
»Zusammenhang zwischen Wissenschaft und Offenbarung« 1856 herausgegeben.
Noch keine 23 Jahre alt, empfing W. am 24.9. 1840 von Bischof Petrus
von Richarz in Augsburg die Priesterweihe. Am 12.8. 1842 promovierte
er an der Universität München zum Doktor der Theologie. Nach einjähriger
Tätigkeit als Hofmeister im fürstlichen Hause der Fugger in Babenhausen
folgte er 1843 einem Ruf von Bischof Nikolaus von Weis als Nachfolger
des an die Universität Bonn gewechselten Franz Xaver Dieringer nach
Speyer. Seine vielfältigen Aufgaben umfaßten nicht nur den Vortrag
der Homiletik und der Dogmatik am Priesterseminar sowie der Religions-
und Moralphilosophie und der hebräischen Sprache am Lyzeum, sondern
auch die Aufsicht im Konvikt, die er mit dem Subregens Andreas Ludwig
Laforet teilte; daneben leitete er 1843 zusammen mit Konrad Reither
und Franz Hällmeyer die Redaktion des »Katholik«. Wegen Arbeitsüberlastung
gesundheitlich angegriffen, folgte er einem ärztlichen Rat und nahm
1845 einen Ruf an das Königliche Lyzeum in Freising an, wo er 1846
als Nachfolger des mit der Leitung des Freisinger Priesterseminars
betrauten Leonhard Nußbaum die Professur für Dogmatik übernahm. Von
1846 bis 1848 leitete er daneben das auf Johann Michael Sailers »Religionslehre«
zurückgehende und dem Wunsch von König Ludwig I. von Bayern gemäß
auch am Freisinger Lyzeum eingeführte Religionskollegium, von 1847
bis 1849 vertrat er ferner in Vertretung des an die Theologische Fakultät
der Universität München berufenen Michael Permaneder das Fach Kirchengeschichte.
Darüber hinaus leitete er von 1872 bis 1886 die Bibliothek des Lyzeums.
Neben seinem Hauptfach Dogmatik hielt er von 1854 bis zu seiner Pensionierung
Vorlesungen über Enzyklopädie und Methodologie der theologischen Wissenschaften.
Den Ruf auf den Lehrstuhl für Dogmatik an der Theologischen Fakultät
der Universität München als Nachfolger des 1867 verstorbenen Max Stadlbaur
lehnte W. ebenso ab wie jenen auf den Bischofsstuhl von Würzburg,
der ihm 1878 angetragen wurde. In Anerkennung seiner Leistungen wurde
er 1867 von Bischof Gregor von Scherr zum Geistlichen Rat ernannt.
Nach vierzigjähriger Lehrtätigkeit am Königlichen Lyzeum in Freising
trat W. auf eigenen, mit gesundheitlichen Gründen motivierten Wunsch
am 1.8. 1886 in den Ruhestand; aus diesem Anlaß wurde er in demselben
Jahr von der königlichen Staatsregierung mit dem Verdienstorden vom
Hl. Michael 1. Klasse ausgezeichnet. Von seinen Studenten als akademischer
Lehrer hochgeschätzt, trat er literarisch kaum in Erscheinung. Neben
einigen Artikeln in der ersten und zweiten Auflage des Kirchenlexikons
und wenigen anonymen Beiträgen für das Pastoralblatt der Erzdiözese
München und Freising, seinem Programm über das hl. Meßopfer und seiner
Wiseman-Übersetzung hat W. als einziges größeres Werk allein die Übersetzung
und Erklärung des Neuen Testamentes nach der Vulgata hinterlassen.
Einen Großteil seiner sorgfältig ausgearbeiteten wissenschaftlichen
Manuskripte hat er selbst dem Feuer übergeben.
Werke: Ueber die Bedeutung des heiligen Meßopfers, 1847;
Oelung, die letzte, in: Wetzer-Welte
1 VII, 1851, 715-721; Paganismus,
in: Wetzer-Welte
1 VIII, 1852, 32-42; Reue und Leid, in: Wetzer-Welte
1
IX, 1852, 242-246; Sophronius, in: Wetzer-Welte
1 X, 1853, 246-249;
Soto, Dominicus de, in: Wetzer-Welte
1 X, 1853, 254-256; Soto,
Petrus de, in: Wetzer-Welte
1 X, 1853, 256-258; Spalatin, Georg,
in: Wetzer-Welte
1 X, 1853, 258-260; Subintroductae, in: Wetzer-Welte
1
X, 1853, 431-433; Vorsatz, in: Wetzer-Welte
1 XI, 1854, 752-754;
Buddhismus, in: Wetzer-Welte
1 XII, 1856, 151-188; Zendvolk,
in: Wetzer-Welte
1 XII, 1856, 1323-1325; Zshg. zw. Wiss. und
Offenbarung. Zwölf Vortrr., gehalten z. Rom v. Cardinal Wiseman. In
dt. Uebers. hrsg. v. Daniel Haneberg. Nach der neuesten Aufl. des
Originals verb. und verm. v. B. W., 1856, 1866
3; Das NT unseres
Herrn Jesus Christus. Nach der Vulgata übers. und erkl., 1865, 1899
2,
posthum neu hrsg.: Das NT unseres Herrn Jesus Christus. Übers. v.
Dr. B. W. Mit Einführungen und Anm. v. Prof. Dr. Simon Weber, 1916
3;
Hrsg. v. Daniel Bonifacius Haneberg, Gesch. der bibl. Offenbarung
als Einl. in's alte und neue Testament, 1876
4; Erlösung, in:
Wetzer-Welte
2 IV, 1886, 798-816; Die Renovation der Domkirche
in Freising durch den Fürstbisch. Veit Adam. Nach Akten im erzbisch.
Archiv und der Kapitel-Bibliothek in München, 1888; Gericht, göttliches,
in: Wetzer-Welte
2 V, 1888, 391-407; Haneberg, Daniel, Bonifatius
von, in: Wetzer-Welte
2 V, 1888, 1490-1495; Gerechtigkeit, in:
Wetzer-Welte
2 V, 1888, 365-373; Heidenthum, in: Wetzer-Welte
2
V, 1888, 1615-1618; Inspiration, in: Wetzer-Welte
2 VI, 1889,
795-807; Lüge, in: Wetzer-Welte
2 VIII, 1893, 260-266; Reue,
in: Wetzer-Welte
2 X, 1897, 1109-1118; Oelung, die letzte, in:
Wetzer-Welte
2 XI, 1895, 716-725; Soto, Petrus de, in: Wetzer-Welte
2
XI, 1899, 531f.; Subintroductae, in: Wetzer-Welte
2 XI, 1899,
937-939; Vorsatz, in: Wetzer-Welte
2 XII, 1901, 1094-1097.
Lit.: Joseph Punkes, Freisings höhere Lehranstalten z.
Heranbildung v. Geistl. in der nachtridentinischen Zeit. Z. Erinnerung
an das fünfzigj. Bestehen des kgl. Lyceums z. Freising übersichtlich
dargest., 1885, 81. 84f.; - Anonymus, Dr. B. W., erzbisch. geistlicher
Rath, Prof. der Dogmatik am Kgl. Lyceum in Freising, geb. am 19. März
1818, gest. am 3. März 1901, in: Beil. z. Amtsbl. f. die Erzdiöcese
München und Freising Nr. 2 v. 20. Mai 1901, 13-20; - Ders., (Nachruf),
in: Jber. über das Kgl. Lyceum z. Freising im Studienj. 1900/1901,
1901, 16-18; - Anton Mayer, Die Errichtung des Lyzeums in Freising
i. J. 1834. Eine Stud. z. Kulturgesch. des Restaurations-Zeitalters.
Festg. z. Feier des 100j. Bestehens der Philos.-theol. Hochschule
Freising, 1934, 65. 70. 78f. 82; - Martin Ruf (Hrsg.), Zw. Freising
und Speyer. Aus dem Briefwechsel Bisch. Daniel Bonifaz v. Hanebergs
mit dem Prof. B. W. in den J. 1872 bis 1876, in: AMrhKG 28 (1976)
271-328; - Kirchliches Handlexikon (hrsg. v. Michael Buchberger)
II, 1912, 2678; - LThK1 X, 789; - LThK2 X, 998.
Raimund Lachner
Letzte Änderung: 09.04.2011