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Band XIII (1998) Spalten 624-626 Autor: Raimund Lachner

WEINHART, Benedikt, katholischer Theologe, * 19.3. 1818 in Kempten im Allgäu als ältester Sohn eines Gastwirtes und Metzgers aus dessen zweiter Ehe, + 3.3. 1901 in Freising. - Während seiner Gymnasialzeit in Kempten erlernte W. neben den klassischen Sprachen Latein und Griechisch auch die englische und französische Sprache. Daneben erwarb er sich zusammen mit seinem Freund Daniel Haneberg Kenntnisse in den orientalischen Sprachen, speziell im Hebräischen, im Syrischen und im Arabischen. Achtzehnjährig ging W. nach dem Abitur 1836 zum Studium der katholischen Theologie an die Universität München. Mit besonderem Interesse widmete er sich den Schriften des englischen Gelehrten, Bischofs und späteren Kardinals Nicholas Patrick Stephen Wiseman, die er teilweise zusammen mit seinem Freund und Studienkollegen Haneberg ins Deutsche übersetzte. Die von ihm und Haneberg besorgte deutsche Übersetzung von zwölf in Rom gehaltenen Vorträgen Wisemans hat Haneberg unter dem Haupttitel »Zusammenhang zwischen Wissenschaft und Offenbarung« 1856 herausgegeben. Noch keine 23 Jahre alt, empfing W. am 24.9. 1840 von Bischof Petrus von Richarz in Augsburg die Priesterweihe. Am 12.8. 1842 promovierte er an der Universität München zum Doktor der Theologie. Nach einjähriger Tätigkeit als Hofmeister im fürstlichen Hause der Fugger in Babenhausen folgte er 1843 einem Ruf von Bischof Nikolaus von Weis als Nachfolger des an die Universität Bonn gewechselten Franz Xaver Dieringer nach Speyer. Seine vielfältigen Aufgaben umfaßten nicht nur den Vortrag der Homiletik und der Dogmatik am Priesterseminar sowie der Religions- und Moralphilosophie und der hebräischen Sprache am Lyzeum, sondern auch die Aufsicht im Konvikt, die er mit dem Subregens Andreas Ludwig Laforet teilte; daneben leitete er 1843 zusammen mit Konrad Reither und Franz Hällmeyer die Redaktion des »Katholik«. Wegen Arbeitsüberlastung gesundheitlich angegriffen, folgte er einem ärztlichen Rat und nahm 1845 einen Ruf an das Königliche Lyzeum in Freising an, wo er 1846 als Nachfolger des mit der Leitung des Freisinger Priesterseminars betrauten Leonhard Nußbaum die Professur für Dogmatik übernahm. Von 1846 bis 1848 leitete er daneben das auf Johann Michael Sailers »Religionslehre« zurückgehende und dem Wunsch von König Ludwig I. von Bayern gemäß auch am Freisinger Lyzeum eingeführte Religionskollegium, von 1847 bis 1849 vertrat er ferner in Vertretung des an die Theologische Fakultät der Universität München berufenen Michael Permaneder das Fach Kirchengeschichte. Darüber hinaus leitete er von 1872 bis 1886 die Bibliothek des Lyzeums. Neben seinem Hauptfach Dogmatik hielt er von 1854 bis zu seiner Pensionierung Vorlesungen über Enzyklopädie und Methodologie der theologischen Wissenschaften. Den Ruf auf den Lehrstuhl für Dogmatik an der Theologischen Fakultät der Universität München als Nachfolger des 1867 verstorbenen Max Stadlbaur lehnte W. ebenso ab wie jenen auf den Bischofsstuhl von Würzburg, der ihm 1878 angetragen wurde. In Anerkennung seiner Leistungen wurde er 1867 von Bischof Gregor von Scherr zum Geistlichen Rat ernannt. Nach vierzigjähriger Lehrtätigkeit am Königlichen Lyzeum in Freising trat W. auf eigenen, mit gesundheitlichen Gründen motivierten Wunsch am 1.8. 1886 in den Ruhestand; aus diesem Anlaß wurde er in demselben Jahr von der königlichen Staatsregierung mit dem Verdienstorden vom Hl. Michael 1. Klasse ausgezeichnet. Von seinen Studenten als akademischer Lehrer hochgeschätzt, trat er literarisch kaum in Erscheinung. Neben einigen Artikeln in der ersten und zweiten Auflage des Kirchenlexikons und wenigen anonymen Beiträgen für das Pastoralblatt der Erzdiözese München und Freising, seinem Programm über das hl. Meßopfer und seiner Wiseman-Übersetzung hat W. als einziges größeres Werk allein die Übersetzung und Erklärung des Neuen Testamentes nach der Vulgata hinterlassen. Einen Großteil seiner sorgfältig ausgearbeiteten wissenschaftlichen Manuskripte hat er selbst dem Feuer übergeben.

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Werke: Ueber die Bedeutung des heiligen Meßopfers, 1847; Oelung, die letzte, in: Wetzer-Welte1 VII, 1851, 715-721; Paganismus, in: Wetzer-Welte1 VIII, 1852, 32-42; Reue und Leid, in: Wetzer-Welte1 IX, 1852, 242-246; Sophronius, in: Wetzer-Welte1 X, 1853, 246-249; Soto, Dominicus de, in: Wetzer-Welte1 X, 1853, 254-256; Soto, Petrus de, in: Wetzer-Welte1 X, 1853, 256-258; Spalatin, Georg, in: Wetzer-Welte1 X, 1853, 258-260; Subintroductae, in: Wetzer-Welte1 X, 1853, 431-433; Vorsatz, in: Wetzer-Welte1 XI, 1854, 752-754; Buddhismus, in: Wetzer-Welte1 XII, 1856, 151-188; Zendvolk, in: Wetzer-Welte1 XII, 1856, 1323-1325; Zshg. zw. Wiss. und Offenbarung. Zwölf Vortrr., gehalten z. Rom v. Cardinal Wiseman. In dt. Uebers. hrsg. v. Daniel Haneberg. Nach der neuesten Aufl. des Originals verb. und verm. v. B. W., 1856, 18663; Das NT unseres Herrn Jesus Christus. Nach der Vulgata übers. und erkl., 1865, 18992, posthum neu hrsg.: Das NT unseres Herrn Jesus Christus. Übers. v. Dr. B. W. Mit Einführungen und Anm. v. Prof. Dr. Simon Weber, 19163; Hrsg. v. Daniel Bonifacius Haneberg, Gesch. der bibl. Offenbarung als Einl. in's alte und neue Testament, 18764; Erlösung, in: Wetzer-Welte2 IV, 1886, 798-816; Die Renovation der Domkirche in Freising durch den Fürstbisch. Veit Adam. Nach Akten im erzbisch. Archiv und der Kapitel-Bibliothek in München, 1888; Gericht, göttliches, in: Wetzer-Welte2 V, 1888, 391-407; Haneberg, Daniel, Bonifatius von, in: Wetzer-Welte2 V, 1888, 1490-1495; Gerechtigkeit, in: Wetzer-Welte2 V, 1888, 365-373; Heidenthum, in: Wetzer-Welte2 V, 1888, 1615-1618; Inspiration, in: Wetzer-Welte2 VI, 1889, 795-807; Lüge, in: Wetzer-Welte2 VIII, 1893, 260-266; Reue, in: Wetzer-Welte2 X, 1897, 1109-1118; Oelung, die letzte, in: Wetzer-Welte2 XI, 1895, 716-725; Soto, Petrus de, in: Wetzer-Welte2 XI, 1899, 531f.; Subintroductae, in: Wetzer-Welte2 XI, 1899, 937-939; Vorsatz, in: Wetzer-Welte2 XII, 1901, 1094-1097.

Lit.: Joseph Punkes, Freisings höhere Lehranstalten z. Heranbildung v. Geistl. in der nachtridentinischen Zeit. Z. Erinnerung an das fünfzigj. Bestehen des kgl. Lyceums z. Freising übersichtlich dargest., 1885, 81. 84f.; - Anonymus, Dr. B. W., erzbisch. geistlicher Rath, Prof. der Dogmatik am Kgl. Lyceum in Freising, geb. am 19. März 1818, gest. am 3. März 1901, in: Beil. z. Amtsbl. f. die Erzdiöcese München und Freising Nr. 2 v. 20. Mai 1901, 13-20; - Ders., (Nachruf), in: Jber. über das Kgl. Lyceum z. Freising im Studienj. 1900/1901, 1901, 16-18; - Anton Mayer, Die Errichtung des Lyzeums in Freising i. J. 1834. Eine Stud. z. Kulturgesch. des Restaurations-Zeitalters. Festg. z. Feier des 100j. Bestehens der Philos.-theol. Hochschule Freising, 1934, 65. 70. 78f. 82; - Martin Ruf (Hrsg.), Zw. Freising und Speyer. Aus dem Briefwechsel Bisch. Daniel Bonifaz v. Hanebergs mit dem Prof. B. W. in den J. 1872 bis 1876, in: AMrhKG 28 (1976) 271-328; - Kirchliches Handlexikon (hrsg. v. Michael Buchberger) II, 1912, 2678; - LThK1 X, 789; - LThK2 X, 998.

Raimund Lachner

Letzte Änderung: 09.04.2011