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Band XIII (1998) Spalten 752-754 Autor: Klaus-Gunther Wesseling

WENDT, Hans Hinrich, evangelisch-lutherischer Theologe (Systematiker und Neutestamentler), Kirchen- (1896) und Geheimer Kirchenrat (1905), * 18.6. 1853 in Hamburg, + 19.1. 1928 in Jena. - W. ist Sohn des Hamburger Hauptpastors an St. Katharinen Hans Hinrich Wendt (1813-1862) und dessen Gattin Maria Friederike Emilie Weber (1828-1911); im Sommersemester 1872 nimmt W. in Leipzig das Studium der Theologie und Philosophie auf, das er in Göttingen und Tübingen fortsetzt. Aus der Marburger Studienzeit verbindt W. ein freundschaftliches Verhältnis zu Johannes Weiß (s.d.). In Göttingen wird W. Schüler von (s.d.) Albrecht Ritschl und Hermann Lotze; hier promoviert W. am 2.12. 1875 zum Dr. phil. Im Mai 1877 legt W. sein Lizentiatenexamen ab und wird Privatdozent, bevor er am 20.6. 1881 in das Extraordinariat aufrückt. Zum 1.9. 1883 wird W. auf den neutestamentlichen Lehrstuhl in Kiel berufen, wechselt aber bereits zum 1.4. 1885 als Nachfolger Daniel Schenkels (s.d.) nach Heidelberg in das Ordinariat für Systematische Theologie. Zum Wintersemester 1893/1894 wechselt als Professor für Neues Testament und Systematische Theologie nach Jena, nachdem Max Reischle (s.d.), favorisierter Kandidat für die Nachfolge des verstorbenen Richard Adalbert Lipsius' (s.d.) resigniert hatte; W.s Berufung (die Fakultät hatte nicht gerade geschickt taktiert) initiierte eine Krise, in deren Verlauf u.a. Friedrich Nippold (s.d.) aus Protest die Fakultät verließ. 1896 wird W. zum Kirchenrat ernannt, und 1918/1919 engagiert sich W. als amtierender Dekan an der Neuorganisation des Kirchenwesens auf dem Gebiet der ehemaligen thüringischen Territorien. Mit Ablauf des 31.3. 1925 wurde W. emeritiert. W. engagierte sich sozialpolitisch im Evangelisch-Sozialen Kongreß; auf dessen Leipziger Zusammenkunft im J. 1897 hielt W. das Grundsatzreferat über »Das Eigentum nach christlicher Beurteilung«. Zu den johanneischen Schriften vertritt W. die These, daß das Johannesevangelium eine Redenquelle verarbeite, deren Verfasser der Zebedaide Johannes war. Dieser schrieb, aus dem zerstörten Jerusalem nach Ephesus übergesiedelt, 2Joh, 3Joh und schließlich 1Joh an dieselbe Gemeinde, deren inneren Zustände er gut kannte. Die Briefe reflektieren, wie schwer sich der Zebedaide in heidenchristlicher Umgebung tat. - W. war mit Marie Schulze, der Tochter des Heidelberger Rechtswissenschaftlers Hermann Schulze (1824-1888), verheiratet. 1886/1887 und 1891/1892 gehörte W. dem Heidelberger Universitätssenat an.

Werke: Die Lehre Jesu. I Die ev. Quellenberr. über die Lehre Jesu, Göttingen 1886. II Der Inhalt der Lehre Jesu, Göttingen 1891. 2., verb. Aufl. 1901; Die Begriff Fleisch u. Geist im biblischen Sprachgebrauch, Gotha 1887; Die geschichtliche und die christlich-rel. Betrachtung Jesu Christi: ChW 5 (1891), 563-568. 874-877; Der Kern der Corneliuserzählung Act. 10,1-11,18: ZThK 1 (1891), 230-254; Eine Quellenspur in der Apg.: ThStKr 65 (1892), 271-282; Das Verhältniß der inneren Mission z. kirchlichen Organisation. Vortr., gehalten im academischen Missionsver. z. Heidelberg am 5. August 1891: ZThK 2 (1892), 146-170; Die Norm des echten Christentums (Hh. z. ChW 5), Leipzig 1893; Das Reich Gottes in der Lehre Christi: ChW 7 (1893), 338-342.361-365.386-391.410-413; Die Lehre des Paulus verglichen mit der Lehre Jesus: ZThK 4 (1894), 1-78; Das Eigentum nach christlicher Beurteilung, in: Die Verhh. des Achten Ev. Soz. Kongresses, abgehalten z. Leipzig am 10. u. 11. Juni 1897. Nach den stenographischen Protokollen (Göttingen 1897), 9-34; Das Eigentum nach christlicher Beurteilung: ZThK 8 (1898), 97-128; Das Johannesevangelium. Unters. seiner Entstehung u. seines geschichtlichen Wertes, Göttingen 1900; Ignaz v. Döllingers innere Entwickelung: ZKG 24 (1903), 281-309; The Idea and Reality of Revelation, London 1904; System der christlichen Lehre. 2 Tle., Göttingen 1906-1907; Recht u. Schranken des Individualismus im Christentum: ZThK 22 (1912), ; Die Schichten im vierten Ev., Göttingen 1911; Die Apg (Meyer,KNT 3), Göttingen 19134 (=9); Die sittliche Pflicht. Eine Erörterung der ethischen Grundprobleme, Göttingen 1916; Der »Anfang« am Beginn des I. Johannesbriefe: ZNW 21 (1922), 38-42; Die Beziehung unseres ersten Johannesbriefes auf den zweiten: ZNW 21 (1922), 140-145; Albrecht Ritschls theol. Bedeutung. Zu seinem hundertsten Geb. (25. März 1922): ZThK NF 3 [30] (1922), 3-48; Zum ersten Johannesbrief: ZNW 22 (1923), 57-79; Zum zweiten u. dritten Johannesbrief: ZNW 23 (1924), 18-27; Die Hauptqu. der Apg: ZNW 24 (1925), 293-305; Die Augsburgische Konfession im dt. u. lat. Text mit Erl. des Inhalts u. Beifügung der Hauptqu., Halle 1927; Zur Gewissensethik, 1929;. Qu./Nachl.: Universitätsarch. Heidelberg, Personalakte A 219; Catalogus Professorum Gottingensium 1734-1962. Bearb. u. hrsg. v. Wilhelm Ebel, Göttingen 1962, 41.

Lit.: Erich Haupt, W.s Stellung zur johanneischen Frage: ThStKr 66 (1893), 217-250; - Adolf Hilgenfeld, Jesus u. Paulus: ZWTh 37 (1894), 481-541; - Ders., Papias v. Hierapolis u. die neueste Evangelienforsch.: ZWTh 29 (1886), 257-291; - Albin van Hoonacker, L 'hypothèse de M. W. sur la composition du IVe Évangile: RHE 2 (1901), 747-770; - Samuel Eck, Zu W.s System der christlichen Lehre [Thesen u. Antithesen]: ZThK 17 (1907), 451-454; - Arthur Titius, Zur Dogmatik der Ggw.: ThR 10 (1907), 365-379. 399-417. 447-469; - Franz Hermann Reinhold v. Frank, Gesch. u. Kritik der neueren Theol., insbes. der systematischen, seit Schleiermacher. 4. Aufl., bearb. u. bis auf die Ggw. fortgeführt v. Richard H[einrich] Grützmacher (Smlg. Theol. Lehrbb.), Leipzig 1908, 394ff.; - Otto Kirn, Aus der dogmatischen Arbeit der Ggw. Ein krit. Ber. über die neuesten Darstt. v. Häring u. W.: ZThK 18 (1908), 337-388; - Die Johannesbriefe u. das johanneische Christentum, Halle 1925; - K. Schöppe, Leben u. Werk v. H. H. W.: ThStKr 101 (1929), 421-446; - Karl Heussi, Gesch. der Theol. Fak. z. Jena, 1954; - K. Hess, Die Verwaltungsorganisation der Ev. Landeskirchen in Thüringen bis z. Gründung der Thüringer Ev. Kirche 1919, in: Aus zwölf Jhh. Thüringer kirchliche Stud. II (Berlin 1972), 237-255; - H. v. Hintzenstern, 50 J. Thüringer Kirche, in: Aus zwölf Jhh. Thüringer kirchliche Stud. II (Berlin 1972), 257-272; - Rolf Schieder, Die Berufung Ernst Troeltschs nach Heidelberg, in: Horst Renz/Friedrich Wilhelm Graf (Hrsg.), Troeltsch-Stud. 1. Unterss. z. Werkgesch. u. Biogr. (Gütersloh 1982 [= 19852]), 132-144; - Josef Wagner, Auferstehung u. Leben. Joh 11,1-12,19 als Spiegel johanneischer Redaktions- u. Theologiegesch. (Biblische Unterss. 19), Regensburg 1988, 51f. u.ö. Dagmar Drüll, Heidelberger Gelehrtenlexikon 1803-1932, Berlin/Heidelberg/New York/Tokyo 1986, 294f.

Klaus-Gunther Wesseling

Letzte Änderung: 11.06.1998