Verlag Traugott Bautz
www.bautz.de/bbkl
Zur Hauptseite
Bestellmöglichkeiten
Abkürzungsverzeichnis
Bibliographische Angaben für das Zitieren
Suche in den Texten des BBKL
Infobriefe des aktuellen Jahres
Spenden für die Arbeit am BBKL
Um auch weiterhin die Arbeit am BBKL zu ermöglichen, brauchen wir Ihre Unterstützung..
NEU: Unser E-News Service
Wir informieren Sie über Neuigkeiten und Änderungen per E-Mail.
Helfen Sie uns, das BBKL aktuell zu halten!
Bestellmöglichkeiten

Band XIII (1998) Spalten 1339-1341 Autor: Ekkart Sauser

WILLRAM, Br. (alias Anton Müller): Prälat, kath. Dichter, geb. 10.3. 1870 in Bruneck/Südtirol, gest. 16.2. 1939 in Innsbruck. - Als Sohn einer Zimmermannsfamilie herangewachsen, kam er 1880 in das bischöfliche Konvikt Vinzentinum in Brixen/Südtirol. 1880 machte er sein Abitur und trat sofort in das Priesterseminar in Brixen/Südtirol ein. Bereits dort zeigte sich seine dichterische Ader, die allerdings schon in den Jahren davor während seiner Gymnasialstudien in Brixen und Bozen im Ansatz unübersehbar war. Hier im Seminar bildete sich eine wahre Künstlergruppe, die sich vor allem aus den Namen P. Harasser SJ, Prof. Nikolaus Nessler und Severin Mayr zusammensetzte. Hier war es auch, daß sich die Einzelnen Künstlernamen zulegten - und so kam Anton Müller zu seinem »Bruder Willram«. Allerdings prägte ihn dieser Name so sehr, dass sein eigentlicher Name völlig zurücktrat, ja förmlich in Vergessenheit geriet. So taucht er bis heute unter dem Namen »Bruder Willram« überall in Dichtung und Geschichte des Landes Tirol auf. - Am 26. Juli 1892 erhielt er im Dom zu Brixen die Priesterweihe. Es folgten Kaplansjahre in Nikolsdorf und Niederdorf, von 1900-1902 wirkte er als Kaplan an der österreichischen Nationalstiftung Anima in Rom. Eigentlich sollte er dort das Doktorat in Philosophie machen: Er hingegen interessierte sich viel mehr für christliche Archäologie, wobei J. Weingartner treffend dazu bemerkt: »Dafür warf sich der Capellano mit Leidenschaft auf die frühchristliche Archäologie, durchstrich die Katakomben, kopierte die Inschriften - aber es ist bezeichnend, daß es ihm auch hier weniger um die exakte Wissenschaft und nüchterne Verstandesarbeit als um die Anregung der dichterischen Phantasie zu tun war. Sein literarisches Schaffen ist denn auch wirklich vom römischen Aufenthalt ganz wesentlich beeinflusst worden.« (in: Originale im Priesterrock, S. 43). Kurz darauf bemerkt Weingartner weiter: »Die bedeutungsvollste Wirkung lag aber darin, daß die Geschichte, die nirgends eindrucksvoller zu uns redet als in den antiken und frühchristlichen Denkmälern Roms, den Dichter zur Epik hindrängte, weil die Lyrik nicht mehr ausreichte, die gewaltigen Eindrücke bildhaft zu gestalten.« (S. 44) Ohne Doktorhut kehrte W. in seine Heimat zunück, war noch je ein Jahr Kaplan in St. Nikolaus und St. Jakob in Innsbruck, um schliesslich 1903 als Religionslehrer an der Innsbrucker Lehrerbildungsanstalt seine berühmte Tätigkeit zu beginnen, die bis zum Jahre 1933 währte. Das Bedeutsame an dieser Tätigkeit war vor allem, daß er den Schülern die Bibel ganz lebendig vor Augen führte, eine Art, die damals in dieser Eindringlichkeit an keinem Orte geübt wurde. Auch bemühte sich W. sehr darum, seinen Schülern mit Rat und Tat beizustehen, auch was die Besorgung von, »Kostplätzen« anlangte. Auch als Redner und Prediger war er landauf- landab bekannt und sehr geschätzt. Seit dem Verlust von Südtirol an Italien war er den Italienern sehr böse. Seine berühmt-berüchtigten Kriegsgedichte waren aber auch Zeichen seines leidenschaftlich-liebenden Charakters, der die Heimat Tirol über alles liebte. W. stellt den Typ eines Tiroler Priesters dar, der in dichterischer Lust am Leben hing und aus vollem Gottvertrauen heraus sein und der anderen Leben zu meistern versuchte.

weiterlesen ...
Werke in Auswahl: Wanderweisen und Heimatlieder (1897); In wachen Träumen (1901); Heliotrop (1905); Blütenstaub und Blättergold (1903); Grünes Laub und weißer Flieder (1906); Aus goldenen Tagen (1910), Bilden auf Goldgrund (1912); Das blutige Jahr (1915); Der lange Kampf (1917); Aus Herz und Heimat (1918); Unter morgenländischem Himmel (1923).

Lit.: J. Weingartner: Originale im Priesterrock, Innsbruck 1962, 30-79.

Ekkart Sauser

Letzte Änderung: 09.04.2011