WILLRAM, Br. (alias Anton Müller): Prälat, kath. Dichter, geb. 10.3.
1870 in Bruneck/Südtirol, gest. 16.2. 1939 in Innsbruck. - Als
Sohn einer Zimmermannsfamilie herangewachsen, kam er 1880 in das bischöfliche
Konvikt Vinzentinum in Brixen/Südtirol. 1880 machte er sein Abitur
und trat sofort in das Priesterseminar in Brixen/Südtirol ein. Bereits
dort zeigte sich seine dichterische Ader, die allerdings schon in
den Jahren davor während seiner Gymnasialstudien in Brixen und Bozen
im Ansatz unübersehbar war. Hier im Seminar bildete sich eine wahre
Künstlergruppe, die sich vor allem aus den Namen P. Harasser SJ, Prof. Nikolaus Nessler
und Severin Mayr zusammensetzte. Hier war es auch,
daß sich die Einzelnen Künstlernamen zulegten - und so kam Anton Müller
zu seinem »Bruder Willram«. Allerdings prägte ihn dieser Name so sehr,
dass sein eigentlicher Name völlig zurücktrat, ja förmlich in Vergessenheit
geriet. So taucht er bis heute unter dem Namen »Bruder Willram« überall
in Dichtung und Geschichte des Landes Tirol auf. - Am 26. Juli
1892 erhielt er im Dom zu Brixen die Priesterweihe. Es folgten Kaplansjahre
in Nikolsdorf und Niederdorf, von 1900-1902 wirkte er als Kaplan an
der österreichischen Nationalstiftung Anima in Rom. Eigentlich sollte
er dort das Doktorat in Philosophie machen: Er hingegen interessierte
sich viel mehr für christliche Archäologie, wobei J. Weingartner treffend
dazu bemerkt: »Dafür warf sich der Capellano mit Leidenschaft auf
die frühchristliche Archäologie, durchstrich die Katakomben, kopierte
die Inschriften - aber es ist bezeichnend, daß es ihm auch hier weniger
um die exakte Wissenschaft und nüchterne Verstandesarbeit als um die
Anregung der dichterischen Phantasie zu tun war. Sein literarisches
Schaffen ist denn auch wirklich vom römischen Aufenthalt ganz wesentlich
beeinflusst worden.« (in: Originale im Priesterrock, S. 43). Kurz
darauf bemerkt Weingartner weiter: »Die bedeutungsvollste Wirkung
lag aber darin, daß die Geschichte, die nirgends eindrucksvoller zu
uns redet als in den antiken und frühchristlichen Denkmälern Roms,
den Dichter zur Epik hindrängte, weil die Lyrik nicht mehr ausreichte,
die gewaltigen Eindrücke bildhaft zu gestalten.« (S. 44) Ohne Doktorhut
kehrte W. in seine Heimat zunück, war noch je ein Jahr Kaplan in St.
Nikolaus und St. Jakob in Innsbruck, um schliesslich 1903 als Religionslehrer
an der Innsbrucker Lehrerbildungsanstalt seine berühmte Tätigkeit
zu beginnen, die bis zum Jahre 1933 währte. Das Bedeutsame an dieser
Tätigkeit war vor allem, daß er den Schülern die Bibel ganz lebendig
vor Augen führte, eine Art, die damals in dieser Eindringlichkeit
an keinem Orte geübt wurde. Auch bemühte sich W. sehr darum, seinen
Schülern mit Rat und Tat beizustehen, auch was die Besorgung von,
»Kostplätzen« anlangte. Auch als Redner und Prediger war er landauf-
landab bekannt und sehr geschätzt. Seit dem Verlust von Südtirol an
Italien war er den Italienern sehr böse. Seine berühmt-berüchtigten
Kriegsgedichte waren aber auch Zeichen seines leidenschaftlich-liebenden
Charakters, der die Heimat Tirol über alles liebte. W. stellt den
Typ eines Tiroler Priesters dar, der in dichterischer Lust am Leben
hing und aus vollem Gottvertrauen heraus sein und der anderen Leben
zu meistern versuchte.
Werke in Auswahl: Wanderweisen und Heimatlieder (1897);
In wachen Träumen (1901); Heliotrop (1905); Blütenstaub und Blättergold
(1903); Grünes Laub und weißer Flieder (1906); Aus goldenen Tagen
(1910), Bilden auf Goldgrund (1912); Das blutige Jahr (1915); Der
lange Kampf (1917); Aus Herz und Heimat (1918); Unter morgenländischem
Himmel (1923).
Lit.: J. Weingartner: Originale im Priesterrock, Innsbruck
1962, 30-79.