WISEMAN, Nicholas Patrick Stephen, erster englischer Kardinal und
Erzbischof von Westminster nach der Reformation, * 2. August 1802
als Sohn einer anglo-irischen Familie in Sevilla/Spanien, + 15.
Februar 1865 in London. Er erhielt seine frühe Ausbildung in Waterford/Irland.
Von 1810 bis 1818 war er Schüler am St. Cuthbert's College in Ushaw,
Durham, wo ihn John Lingard stark beeinflußte. Er setzte seine Studien
am Englischen Kolleg in Rom fort; dort begann er auch mit dem Studium
orientalischer Sprachen. Die Priesterweihe empfing W. am 19. März
1825. Schon drei Jahre später wurde er Rektor des Englischen Kollegs
und damit offizieller Vertreter der englischen Bischöfe in Rom. Außerdem
erhielt er eine Professur für Hebräisch und Syro-Chaldäisch an der
Sapienza-Universität. Aufgrund seiner ausgezeichneten Kenntnisse der
orientalischen Sprachen wurde er auch Mitarbeiter der Biblioteca Vaticana.
In den Jahren 1835/36 besuchte er England und hielt eine Reihe von
Gastvorlesungen über den kath. Glauben, die starke Beachtung und eine
gute Aufnahme fanden. Schon 1833 hatte er John Henry Newman und Richard
Hurrel Froude getroffen und sein starkes Interesse an der Oxfordbewegung
gezeigt. Seine Besuchsreise führte zur Gründung der »Dublin Review«
1836,, die jetzt den Titel »Wiseman Review« trägt. Seine römische Zeit
endete mit seiner Ernennung zum Koadjutor des Apostolischen Vikars
für Mittelengland, Bischof Walsh, und Präsidenten des Oscott College
in der Nähe von Birmingham. Nach Bischof Walshs Tode wurde W. 1848
zum Apostolischen Vikar für London ernannt. Er erreichte die Wiederherstellung
einer ordentlichen Hierarchie in England und wurde der erste englische
Erzbischof von Westminster und Kardinal nach der Reformation. Sein
Hirtenbrief »Out of the Flaminian Gate«, den er aus Anlaß der Wiederherstellung
der Hierarchie veröffentlichte, rief bei den Nichtkatholiken große
Entrüstung über die »papal aggression« hervor, die sein »Appeal to
the Reason and Good Feeling of the English People« nur teilweise zu
besänftigen vermochte. Im Jahre 1852 hielt W. die erste Provinzialsynode
der erneuerten Kirche von England ab. Er hob die geistige und sittliche
Bildung des Klerus und gründete neue Gemeinden, Seminare, Schulen,
Kirchen und Klöster. Mit der Verwaltung tat sich der sprachlich, historisch
und künstlerisch gleichermaßen talentierte Theologe schwer. Vor allem litt
er unter den Angriffen von Priestern und Laien der älteren kath. Tradition,
die ihn für allzu ultramontan ansahen; diese Schwierigkeiten erhielten
noch weitere Nahrung durch die Förderung des ehemaligen anglikanischen
Erzdiakons von Chichester, Henry Edward Manning, den W. am 6. April
1851 in die kath. Kirche aufgenommen und am darauffolgenden 14. Juni
zum Priester geweiht hatte. Zwar ging sein Hoffen auf eine baldige
Vereinigung von anglikanischer und katholischer Kirche nicht in Erfüllung,
dennoch nahm die Zahl der Katholiken Englands während seiner bischöflichen
Tätigkeit bedeutend zu. Von ihm stammt auch der erfolgreiche und vielgelesene
Roman »Fabiola, or the Church of the Catacombs«, der in verschiedene
Sprachen übertragen wurde.
Werke: Horae Syriacae, Rom 1828; On the Connection between
Science and Revealed Religion, 2 Bde, London 1836 (deutsch Regensburg
1836 und später); Lectures on the Principle Doctrines and Practices
of the Catholic Church, London 1836; Four Lectures on the Offices
and Ceremonies of the Holy Week, London 1836; Essays on Various Subjects,
3 Bde, London 1853; Fabiola, or the Church of the Catacombs, London
1854, retold by E. Doherty, New York 1951; Recollections on the Last
Four Popes, London 1858; Points of Contact between Science and Art,
London 1863; Sermons on Our Lord Jesus Christ, Dublin 1864.
Lit.: W. Ward, The Life and Times of Cardinal Wiseman,
2 Bde, London 1897; - C. Kent, in: The Dictionary of National
Biography LXII, London 1900, 234-236; - G. C. Heseltine, The English
Cardinals, London 1951; - D. Gwynn, Dublin 1950; - R. C.
Schweitz, Bishop Blougram's Miracles, in: Bibliography of Modern Language
Notes 71 (Baltimore 1956), 416 ff.; - F. L. Cross (Hrsg.), The
Oxford Dictionary of the Christian Church, London 1957, 1472; -
E. E. Reynolds, Three Cardinals, London 1958; - B. Fothergill,
Nicholas Wiseman, London 1963; - A. Schmitt, Kardinal Wiseman
und die Wiederbelebung der Kirche in England, in: Benediktinische
Monatsschrift 40 (1964), 298-307 und 376-387; - LThK2 X,
1188; - New Catholic Encyclopedia XIV, 976 f.; - Encyclopedic
Dictionary of Religion, Philadelphia-Washington, D.C., 1979, 3762 f..