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Band XIII (1998) Spalten 1501-1504 Autor: Georgios Fatouros

WOLF, Friedrich August Christian Wilhelm, Altphilologe (15.2. 1759 - 8.8. 1824). - Geboren in Hainrode bei Nordhausen als Sohn des Schulmeisters und Kantors Johann Gotthold Wolf, wurde er bereits in kindlichem Alter von seinem Vater in die griechische und die lateinische Sprache eingeführt, so daß er bei seiner Einschulung beträchtliche Kenntnisse der klassischen Sprachen besaß. 1771 wurde er in das Gymnasium von Nordhausen aufgenommen, das er 1776 absolvierte. Im April 1777 ließ er sich als »studiosus philologiae« an die Universität zu Göttingen einschreiben, obgleich dort kein Fach für Philologie vorhanden war, so daß das Datum seiner Immatrikulation als Meilenstein in der Geschichte der Philologie gilt. In Göttingen besuchte W. die Vorlesungen des Altphilologen Christian Gottlieb Heyne (1729-1812), der von den Fähigkeiten W.'s unbeeindruckt geblieben ist. Nach dem Abschluß seines Studiums wurde er auf Empfehlung Heynes an das Pädagogikum zu Ilfeld als Lehrer angestellt. In Ilfeld heiratete er und gleichzeitig mit seinem Lehreramt arbeitete an seiner Ausgabe des platonischen Symposions. 1781 ging er als Rektor nach Osterode. 1783 kam W. auf die Empfehlung des preußischen Ministers von Zedlitz als Ordinarius für Philosophie und Pädagogik an die Universität zu Halle. Dort hatte er die Gelegenheit, die Altphilologie aus der engen Bindung mit der Theologie zu befreien und als unabhängige Wissenschaft zu betreiben. Durch die Gründung des Seminarium philologicum am 15. Oktober 1787 in Halle wurde die Trennung von der Theologie offiziell vollzogen. Das Hauptinteresse W.'s galt Homer, hielt er aber außerdem Vorlesungen über die Tragiker, Aristophanes, Hesiod, Platon, Demosthenes und Lukian. Dabei wollte er nicht nur Kenntnisse über das Altertum seinen Studenten übermitteln, sondern vor allem ihr Interesse für die Altphilologie erwecken, welches Ziel ihm auch gelungen war, wenn man von der späteren Wirkung seiner Schüler beurteilen kann. 1795 veröffentlichte W. seine »Prolegomena ad Homerum«, welche die damaligen Ansichten über den Dichter Homer über den Haufen warfen und einen neuen Anfang in der Homerforschung bedeuteten. Im selben Jahr machte W. die Bekanntschaft von Goethe, der ein starkes Interesse für die »Prolegomena« zeigte. Nach der Besetzung der Stadt Halle durch den französischen General Bernadotte im Jahr 1806 und der Schließung der Universität kam W. nach Berlin, wo er seine wissenschaftliche Untersuchungen fortsetzte. In Berlin hielt er sich bis zum Jahre seines Todes auf. Nach 1820 konnte er wegen der Verschlechterung seiner Gesundheit nicht mehr arbeiten. Im Jahr 1824 unternahm er eine Reise nach Marseille, von welcher er sich eine Verbesserung seiner Gesundheit versprach. Dort verschlechterte sich aber plötzlich der Gesamtzustand seines Organismus und er verstarb im Spätsommer dieses Jahres. Er wurde auf dem protestantischen Friedhof der Stadt beigesetzt. Am 4.10. 1984 wurde vor seinem Geburtshaus in Hainrode sein Porträt an einem Steinsockel errichtet. - W.'s Verdienst liegt nicht in seinen Schriften, sondern in seiner Lehre: Durch die systematische Darlegung des griechisch-römischen Altertums hat er eine neue Generation von Altphilologen erzogen, die dann eine streng kritische Methode in der Forschung der Altertumswissenschaften durchgesetzt haben.

Werke: W. hat eine lange Reihe von Schriften hinterlassen. 1) Sein bekanntestes Werk sind die homerischen Prolegomena, erschienen unter dem Titel: Prolegomena, sive de operum Homericorum prisca et genuina forma variisque mutationibus et probabili ratione emendandi. Halle 1795. Weitere Auflagen: Halle 21859; 31884 (Nachdruck Hildesheim 1963). Das Werk ist auch mit den Anmerkungen Im. Bekkers 1872 und 1876 in Berlin erschienen. Deutsche Übersetzung von H. Muchau, Leipzig 1908. 2) Encyclopädie der Philologie: Nach seinen Vorlesungen im Winterhalbjahre 1798-1799 herausgegeben von S.M. Stockmann, Leipzig 1831; Zweite Auflage: Leipzig 1845. 3) Vorlesungen über die vier ersten Gesänge von Homer's Ilias, herausgegeben und mit Bemerkungen und Zusätzen begleitet von L. Usteri, Bd. 1-2. Bern 1830-1831. 4) F. Aug. Wolf's Vorlesungen über die Altertumswissenschaft, herausgegeben von J.D. Gürtler, Bd. 1-5. Leipzig 1831-1835. 5) Darstellung der Altertumswissenschaft nebst einer Auswahl seiner kleinen Schriften. Leipzig 1833 (Nachdr. Berlin 1985). 6) Kleine Schriften in lateinischer und deutscher Sprache, herausgegeben durch G. Bernhardy, Bd. 1-2. Halle 1869. 7) Museum antiquitatis studiorum (mit P.C. Buttmann). Berlin 1808. - W. hat auch viele Textausgaben erstellt: 8) Platon, Symposion. 1782. 9) Theogonia Hesiodea. Halle 1783. 10) Homeri Odyssea. Halle 1784. 11) Homeri Ilias. Halle 1785. 12) Tetralogia dramatum Graecorum: Aeschyli Agamemnon, Sophoclis Oedipus Rex, Euripidis Phoenissae, Aristophanis Concionatrices. Halle 1787. 13) Demosthenis oratio adversus Leptinem. Halle 1789. 14) Homeri Ilias &c. Halle 1794. 15) Homeri Odyssea et Batrachomyomachia. Halle 1794. 16) M.T. Ciceronis... orationes quatuor: i. Post reditum in senatu; ii. Ad Quirites post reditum; iii. Pro domo sua; iv. De Haruspicum responsis. Halle 1801. 17) M.T. Ciceronis ...Oratio pro M. Marcello. Halle 1802. 18) C.Suetonii Tranquilli Opera &c. Halle 1802. 19) OMHROU EPH &c. Halle 1804. - W. hat viele Briefe hinterlassen; sie sind in einer monumentalen Ausgabe erst in unserem Jahrhundert erschienen: S. Reiter, Friedrich August Wolf: Ein Leben in Briefen. Die Sammlung besorgt und erläutert &c., Bd. 1-3. Stuttgart 1935. Seine Briefe an C.G. Heyne sind bereits zu seinen Lebzeiten veröffentlicht worden: Briefe an Christian Gottlieb Heyne &c.: Eine Beilage zu den neuesten Untersuchungen über den Homer. Berlin 1797. Seine Briefe an Goethe sind herausgegeben von S. Reiter, Wolfs Briefe an Goethe. Goethe-Jahrbücher 27 (1906) 3-96.

Lit.: J.F.J. Arnoldt, Fr.Aug. Wolf in seinem Verhältnisse zum Schulwesen und zur Pädagogik, Bd. 1-2. Braunschweig 1861-1862; - V. Bérard, Un mensonge de la science allemande: Les »Prolégomènes à Homère« de Frédéric-Auguste Wolf. Paris 1917; - M. Bernays, Goethes Briefe an Friedrich August Wolf. Berlin 1868; - J. Bolter, Friedrich August Wolf and the Scientific Study of Antiquity. Greek, Roman & Byzantine Studies 21 (1980) 83-99; - J. Ebert, Erinnerung an den Altertumswissenschaftler und Homerforscher Friedrich August Wolf aus Hainrode. Beiträge zur Heimatkunde aus Stadt und Kreis Nordhausen 12 (1987) 38-45; - B. Erdmann, M. Knutzen und seine Zeit: Ein Beitrag zur Geschichte der Wolfischen Schule &c. 1876; - L. Friedländer, Die homerische Kritik von Wolf bis Grote. Berlin 1853; - M. Fuhrmann, Friedrich August Wolf: Zur 200. Wiederkehr seines Geburtstages am 15. Februar 1959. Deutsche Vierteljahrsschrift für Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte 33 (1959) 187-236; - J. Irmscher, Friedrich August Wolf. Wissenschaftliche Beiträge der Universität Halle 8 (1975-1976) 39-47; - W. Kaiser - A. Völker, Orientalisten und Altertumsforscher des Nordhäuser Raumes an der Universität Halle. Beiträge zur Heimatkunde aus Stadt und Kreis Nordhausen 10 (1985) 65-69; - O. Kern, Friedrich August Wolf: Rede zum Gedächtnis seines hundertsten Todestages &c. (Hallische Universitätsreden 25); Halle 1924; - Ders., Die klassische Altertumswissenschaft in Halle seit Friedrich August Wolf. Halle 1928; - Ders., Friedrich August Wolf als Hallischer Professor. Thüringisch-sächsische Zeitschrift für Geschichte und Kunst 24 (1936) 87-108; - H. Koch, Aus der Geschichte des Robertinums, in: 250 Jahre Universität Halle. Halle 1944, 248-250; - Konferenz zur 200. Wiederkehr der Gründung des Seminarium philologicum Halense durch Friedrich August Wolf am 15.10. 1787. Beiträge herausgegeben von J. Ebert und H.-D. Zimmermann. Halle 1989; - W. Körte, Leben und Studien Friedr.Aug. Wolf's, des Philologen. Essen 1833; - S. Reiter, in: Neue Jahrbücher für das klassische Altertum 7 (1904) 89 f.; - J.E. Sandys, A History of Classical Scholarship, III. Cambridge 31920 (Nachdr. New York 1958), 51-60; - W. Schrader, Geschichte der Friedrichs-Universität zu Halle, I. Halle 1894, 434 f.; - R. Sellheim, Friedrich August Wolf als Begründer der Altertumswissenschaft, in: 450 Jahre Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, II. Halle 1952, 159-168; - H. Stoeckius, Zur Feier des vierhundertjährigen Bestehens des Gymnasiums zu Nordhausen, 1924, 92 f.; - R. Volkmann, Geschichte und Kritik der Wolfschen Prolegomena zu Homer &c. Leipzig 1874; - U. von Wilamowitz-Möllendorff, Homerische Untersuchungen. Berlin 1884, 400 f.; - Ders., Die Ilias und Homer. Berlin 1916, 14 f.; - Ders., Geschichte der Philologie (Einleitung in die Altertumswissenschaft, I). Berlin 31927, 48; - Ders. in: `Der Tag' vom 8. August 1924 (Nr. 190).

Georgios Fatouros

Letzte Änderung: 15.06.1998