WOU, Geert (I) van: berühmter Glockengießer, geb. um 1440 in Hintham bei Herzogenbusch, gest. Dez. 1527 in Kampen. - Als Sohn des Glockengießers Johannes van Wou wuchs er schon sehr früh in die Kunst des Glockengußes hinein. 1474 wird er genannt »Magister Gerardus de Woude« im Bürgerbuch von Herzogenbusch, 1481 ist er Mitglied der Schöffen, seit 1482 ist er in Kampen ansässig. Er gilt als der bedeutendste niederländische Glockengießer des ausgehenden Mittelalters. Von größer Zahl sind seine Glockenschöpfungen, von ihnen sind derzeit noch 113 namentlich bekannt. Die berühmtesten davon sind die der Dome in Osnabrück (1465 bzw. 1485/86), Erfurt (1497), Braunschweig (1502), Naumburg (1502), Utrecht (1503/6), wie der Michaelskirche in Kampen (1493/96). Die berühnteste jedoch von allen Glocken des W. ist die Muttergottesglocke des Domes von Erfurt, die den Namen »Gloriosa« trägt. Sie gilt als die Königin aller Glocken des Abendlandes ob ihres herrlichen Klanges. (Gerade durch sie kann W. als einer der großen Verkünder der Erlösungsbotschaft Christi durch das Medium »Glocken« bezeichnet werden. Am 7. Juli des Jahres 1497 erfolgte der Glockenguß der »Gloriosa« unter Anwesenheit des Weihbischofs Johannes Bonemilch, des Volkes und der Domgeistlichkeit. W. sah gerade in diesem Guß einen »heiligen Auftrag«. Fünf Vorgängerinnen der »Gloriosa«, die zersprungen waren, was man dem Einfluß des Bösen zuschrieb, sollten nun nach Auffassung W. abgelöst werden durch die »Gloriosa«. Sie sollte nach Meinung W. gleichsam als Siegerin schlechthin über alles Böse fast »ewiglich« ihren Ruf erschallen lassen. Diese »Glocke aller Glocken«, die den Ruf von W. fast unsterblich machte, überstand wirklich durch die Jahrhunderte hindurch alles Böse, vor allem den Innenstadtbrand von 1717 wie die beiden Weltkriege. Nur in der Hl. Nacht 1984 kam es zu einem Sprung der Glocke, der jedoch unter internationalem Aufgebot wieder behoben werden konnte. Als sie am 8. Dezember 1985 wieder läuten konnte, war die Idee von W. doch wiederum wahr geworden: Seine »Gloriosa« siegte auch diesmal über Not und Untergang, zu aller Freude. - Margarete Schilling bemerkt zu W.: »Seine Läuteglocken sind von 1463-1513 nachgewiesen. Sie gelten hinsichtlich ihrer Klangschönheit, der Gußausführung und des Glockenschmuckes als unübertroffene Meisterwerke der Gießkunst. Für Jahrhunderte galt de Wous »Gloriosa« im Erfurter Dom als die größte Glocke Europas«.
Lit.: Thieme-Becker Bd. XXXVI 259-260; - Chr.N. Fehrmann: »De Kamper Klokgietters, Kampen 1967; - F. P. Schilling, Erfurter Glocken. Die Glocken des Domes, der Severikirche und des Petersklosters zu Erfurt, Berlin 1968; - K. Kramer, Glocken, Karlsruhe 1986, 17; - Deutsche Tagespost, Nr. 80, 3. Juli 1997, 4.