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Band XIV (1998)Spalten 264-266 Autor: Erich Wenneker

WYTTENBACH, Thomas, Reformator der Stadt Biel, * um 1472 in Biel † 1526 in Biel. - W. stammte aus einer angesehenen Bieler Familie und wurde um 1472 geboren. Am 12. Dezember 1496 immatrikulierte er sich an der Universität Tübingen, wo er am 1. März 1498 den Grad eines Baccalaureus und am 8. Juli 1500 den eines Magister artium erwarb. Danach studierte er an der Theologischen Fakultät und bestand am 10. Juli 1504 das Examen zum Baccalaureus biblicus. Im Jahr 1505 wechselte er an die Universität Basel, wo er am 26. November 1505 Sententiarius wurde. Bereits im Jahre 1507 übernahm er die Pfarrstelle in seiner Heimatstadt Biel. An der Univesität gehörten die späteren Zürcher Reformatoren Huldrych Zwingli und Leo Jud zu seinen Studenten. Obwohl er seit dieser Zeit nicht mehr ständig an der Universität war, erwarb er 1510 den Grad eines Baccalaureus formatus und im Spätsommer 1515 wurde er zum Doktor der Theologie promoviert. 1510/11 wurde er vom Bieler Rat mit einer Anfrage, die den Fastendispens betraf nach Bern geschickt, wo er in dieser Zeit dann in ein Anstellungsverhältnis zum Kollegiatsstift St. Vinzenz eintrat, das nicht genauer bestimmt werden kann. Am 7. März 1515 wurde er als Experte in einer Auseinandersetzung zwischen dem Stift und dem Berner Predigerkloster um die Pfarrechte als Experte hinzugezogen. Am 16. August 1515 präsentierten ihn Rat und Burger von Bern dem Kapitel des Vinzenz-Stiftes als Kustos und Chorherr präsentiert. Seibnem Vorgänger Johannes Dübi wurde die Chorherrenpfründe auf Ende November 1515 gekündigt. Er sah sich nicht in der Lage das Statutengeld in Höhe von 100 Gulden zu bezahlen und erklärte zugleich, die Karenzzeit von zwei Jahren einzuhalten und die Chorherrenpfründe wieder aufzugeben. Das Kapitel erlaubte ihm daraufhin, das Statutengeld nach Ablauf der Karenzzeit zu bezahlen. Da er jedoch 1516 nur unregelmäßig an den Kapitelsitzungen teilnahm, wurde ein Stellvertreter gewählt. W. wollte nach Biel zurückkehren und versuchte auf sein Amt zu verzichten. Der Berner Rat nahm jedoch seinen Rücktritt erst am 1. März 1520 an. Seit dieser Zeit war Wyttenbach in Biel tätig. Schon bereits früh setzte sich W. in Biel mit den Lehren Luthers und seines ehemaligen Schülers Zwingli auseinander. In einem ausführlichen Brief zur Frage des Abendmahls und der Glaubensstärkung durch die Sakramente nimmt an W. aus dem Jahre 1523 nimmt Zwingli ausführlich zu einer Anfrage seines ehemaligen Lehrers Stellung. Spätestens seit diesem Jahr predigten Wyttenbach offen im reformatorischen Sinne und trat damit an die Seite seines ehemaligen Schülers. Als er 1524 seinem Übergang zur Reformation mit seiner Verheiratung für alle verdeutlichte, wurde er aus seinem Amt entlassen.

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Lit.: C. A: Bloesch, Geschichte d. Stadt Biel, Biel 1855; - Carl Friedrich Ludwig Lohner, D. ref. Kirchen u. ihre Vorsteher im eidgenössischen Freistaate Bern, nebst den vormaligen Klöstern, Thun 1865; - Jakob Stammler, D. Humanist u. Chorherr Heinrich Wölflin, genannt Lupulus, v. Bern 1470-1534, in: Katholische Schweizer-Blätter N. F. 3, 1887, 99-113 + 156-166 + 234-254; - Otto Stiller, Luther u. Zwingli. Vergleich hinsichtlich ihres Entwicklungsganges u. d. Art ihres Wirkens, Gotha 1913; - Walther Köhler, Zwingli u. Luther, Bd. 1, Leipzig 1924; - Ders., Zwingli u. Basel, in: Zwingliana 5, 1929, 2-10; - H. Türler, Dr. T. W. 1472-1526, in: Bieler Jahrbuch 1927, 107-129; - Werner Bourquin, D. Reformation in Biel, in: Gedenkschrift z. Vierhundertjahrfeier d. Bernischen Kirchenreformation, Bern 1928; - Die Matrikel d. Universität Basel, Bd. 1, Basel 1951, 277; - Oskar Farner, Leo Jud, Zwinglis treuester Helfer, in: Zwingliana 10, 1955, 201-209; - Eduard Lengwiler, D. vorreformatorische Prädikaturen d. deutschen Schweiz, von ihrer Entstehung bis 1530, Diss. Freiburg/Fribourg 1955; - Kurt Guggisberg, Bernische KG, Bern 1958; - Fritz Schmidt-Clausing, Johann Ulrich Surgant, ein Wegweiser d. jungen Zwingli, in: Zwingliana 11, 1961, 287-320; - Christof Gestrich, Zwingli als Theologe. Glaube u. Geist beim Zürcher Reformator, Zürich/Stuttgart 1967; - Hans Rudolf Guggisberg, Jakob Würben v. Biel, ein besonnener Mahner wider Ludwig Hätzer u. d. Täufer, in: Zwingliana 13, 1973, 570-590 (Nachdr. in: Ders., Zusammenhänge in historischer Vielfalt: Humanismus, Spanien, Nordmaerika, Basel/Frankfurt a. M. 1994, 79-97; - Rudolf Pfister, KG d. Schweiz, Bd II, Zürich 1974; - Wilhelm H. Neuser, Zwinglis Abendmahlsbrief an T. W. (1523), in: Wegen in Gestalten in het Gereformeerd Protestantisme. Festschrift Simon van der Linde, Amsterdam 1976, 35-46; - Ders., D. reformatorische Wende bei Zwingli, Neukirchen-Vluyn 1977; - Guy P. Marchal, St. Vinzenz in Bern, in: Ders.(Hrsg.), D. weltlichen Kollegiatstifte der deutsch- u. französischsprachigen Schweiz, Helvetia Sacra II/2, Bern 1977, 151-161; - Gottfried W. Locher, D. Zwinglische Reformation im Rahmen d. europäischen KG, Göttingen/Zürich 1979; - Eberhard Grötzinger, Luther u. Zwingli. D. Kritik an d. mittelalterlichen Lehre v. d. Messe als Wurzel d. Abendmahlsstrites, Zürich/Köln 1980; - Ernst Gerhard Rüsch, Bemerkungen z. Zwingli-Vita v. Oswald Myconius, in: Zwingliana 15, 1980, 238-258; - Ulrich Gäbler, Huldrych Zwingli. Eine Einführung in sein Leben und sein Werk, München 1983; - Kathrin Tremp-Utz, D. Chorherren d. Kollegiatsstofts St. Vinzenz in Bern. Von d. Gründung bis zur Aufhebung 1484/85-1528, in: Berner Zeitschr. f. Geschichte u. Heimatkunde 46, 1984, 55-110; - Dies., D. Kollegiatsstift St. Vinzenz in Bern v. d. Gründung 1484/85 bis zur Aufhebung 1528, Bern 1985; - Gunter Zimmermann, D. Durchbruch z. Reformation nach d. Zeugnis Ulrich Zwinglis v. Jahre 1523, in: Zwingliana 17, 1986, 97-120; - Berndt Hamm, Zwinglis Reformation d. Freiheit, Neukirchen-Vluyn 1988.

Erich Wenneker

Letzte Änderung: 09.04.2011