ZEILLER, Johann Jakob, Maler * 8.7. 1708 Reutte (Tirol), + 8.7. 1783
ebd. - Seine Lehre absolvierte J.J.Z. von 1719-1723 bei seinem Vater, dem
in Reutte ansässigen Maler Paul Z. Mit 16 Jahren lernte er in Rom
als Schüler Sebastiano Concas; in dessen Werkstatt übte er sich in
der Praxis der Malerei, vor allem der Freskotechnik, die an der Akademie
S. Luca, wo als Hauptdisziplin das Zeichnen galt, nicht gelehrt wurde.
Von 1729-1732 ließ er sich in Neapel von Francesco Solimena weiterbilden,
dem er entscheidende stilistische Einflüsse verdankte. Ende des Jahres
1732 verließ J.J.Z. Neapel und reiste über Rom nach Wien. Von 1733
an, mit der Ausmalung der Stiftskuppel in Altenburg, ist die maßgebliche
Mitarbeit des Künstlers mit Paul Troger, den er in Rom im Atelier
S. Concas kennengelernt hatte, bis 1744 urkundlich gesichert. Ab 1735
besuchte er 10 Jahre lang die Wiener Akademie, wo er 1737 für das
Thema »Samson und Dalila« den ersten Preis zugesprochen bekam. 1744
erhielt J.J.Z. durch die Vermittlung P.Trogers im Zisterzienserkloster
Fürstenzell seinen ersten großen Freskoauftrag. Nach seiner bis 1746
andauernden Tätigkeit im Zisterzienserkloster Aldersbach beschäftigten
ihn die Benediktiner von 1747-1755 im Kloster Ettal und von 1756-1764 im Kloster Ottobeuren, was um 1755 zur Niederlassung in Reutte
führte. Ebenso wurden Pfarrkirchen, die topographisch oder administrativ
den Klöstern zugeordnet waren, mit Fresken ausgemalt: 1752/53 Bichl,
1755 Iffeldorf, um 1765 das Chorfresko der Pfk. in Eschenlohe und
um 1777 das Chorfresko der Pfk. in Erkheim. Das letzte große Werk
stellen die Fresken der Johanneskirche in Feldkirch (Vorarlberg) 1779/80
dar. - Im Gegensatz zu seinem Lehrer P. Troger und anderen Künstlern seiner
Zeit war J.J.Z. nie für weltliche Auftraggeber tätig. Insofern war
sein Darstellungsbereich ausschließlich auf Sujets mit christlichen
Allegorien und Themen der Heiligenverehrung beschränkt. Als einer
der letzten barocken Monumentalmaler führte er Werke in nicht mehr
zu übertreffender Fülle und Größe sowie formaler Vollendung aus. Trotz
der starken Monotonie in der Farbgebung ist die barocke Ganzheitsidee
im Sinne des werdenden Rokoko bereits relativiert, da es weder eine
einheitliche Komposition noch eine raumbeherrschende Perspektivführung
gibt. Die Ölmalerei, hauptsächlich in Form von Altarblättern, spielt
im Œuvre J.J.Z.s sowohl quantitativ als auch qualitativ eine untergeordnete
Rolle.
Werke: Vollst. Werkverz., s. Franz Matsche, Der Freskomaler
J.J.Z (1708-1783). (Diss. Marburg) 1970, 614-726. - Fresken: 8 Wandfresken mit Allegorien der Wissenschaften, Altenburg,
Benediktinerstift, Bibliothek, 1742; Anbetung des Lammes, Hl. Dreifaltigkeit
mit Maria, verehrt von Hll. des Zisterzienserordens, Sturz der Irrlehrer
und Laster durch den Hl. Michael (Deckenfresken), Fürstenzell, ehem.
Zisterzienserstiftskirche, 1744/45; Christus mit den beiden Jüngern
in Emmaus (Kuppelfresko), Aldersbach, ehem. Zisterzienserstift, Sakramentskapelle,
1746; Hl. Dreifaltigkeit, (Kuppelfresko), a.a.O., Abtskapelle, 1746;
Hl. Dreifaltigkeit mit der Glorie des hl. Benedikt (Kuppelfresko),
Übergabe des Gnadenbildes an Kaiser Ludwig den Bayern (Wandfresko),
Ettal, Benediktinerklk. 1748-51; Himmelsglorie mit hl. Dreifaltigkeit,
Maria und Engeln zum Empfang der hl. Anastasia (Kuppelfresko), 4 Zwickelfresken
mit Szenen aus dem Leben der hl. Anastasia, Verehrung der Kopfreliquie
der hl. Anastasia (Wandfresko), Benediktbeuern, ehem. Benediktinerklk.,
Anastasiakapelle, 1752; Bekehrung der Kaiserin Alexandra durch den
hl. Georg, Enthauptung des hl. Georg (Kuppelfresken), Bichl, Pfk.
St. Georg, 1752; Verehrung des Herzens Jesu durch Engel, Martyrium
des hl. Veit (Deckenfresken), Iffeldorf, Pfk. St. Veit, 1755; Neun
Chöre der Engel, Anbetung des Lammes durch die 24 Ältesten, Szenen
aus dem Leben Christi, Ausgießung des Hl. Geistes, Hll. des Benediktinerordens,
Das tausendjährige Ottobeuren (Deckenfresken), Ottobeuren, Benediktinerstiftskirche,
1756-60; Glorie des hl. Benedikt (Kuppelfresko), Fischingen, Benediktinerklk.,
1761; Das Quellwunder des hl. Papstes Clemens, Eschenlohe, Pfk. St.
Clemens, 1765; Anbetung des Lammes, Glorie des hl. Augustinus, Bekehrung
des hl. Augustinus (Kuppelfresken), Suben/Inn, ehem. Chorherrenstiftskirche
1767/68; Aufnahme Mariens in den Himmel (Deckenfresko), Erkheim, Pfk.
St. Maria, um 1777; Verurteilung und Glorie des hl. Laurentius, David
mit musizierenden Engeln (Deckenfresken), Bichlbach, Pfk. St. Laurentius,
1778; Zerstörte Deckenfresken mit Szenen aus dem Leben Johannes' d.
T., Feldkirch (Vorarlberg), Johanneskirche, 1779/80. - Ölgemälde: Ekstase des hl. Paulus, Heilung des blinden Tobias,
Der zwölfjährige Jesus im Tempel, Johannes d. Ev., Altenburg, Benediktinerstift,
Bibliothek, 1742; Anbetung des Lammes, Ulm, Städt. Slgen, 1744; Himmelfahrt
Mariens, Fürstenzell, ehem. Zisterzienserstiftskirche, 1745; Almosenspende
des hl. Johannes Nepomuk, Der gekreuzigte Christus erwartet den hl.
Bernhard, a.a.O., 1746; Maria Magdalena als Büßerin, München, Bayer.
Nationalmus., um 1747; Hl. Nikolaus als Helfer in Seenot und Bedrängnis,
Ottobeuren, Benediktinerstiftskirche, 1762; Die hl. Dreifaltigkeit
und das Erlösungswerk, a.a.O., 1763; Selbstbildnis, Ottobeuren, Klostermuseum,
um 1764; Hl. Anna unterrichtet die Jungfrau Maria, Suben/Inn, ehem.
Augustiner -Chorherrenstiftskirche, um 1768; Hl. Michael, Stanzach
(Tirol), Pfk. St. Michael, 1777.
Lit.: Albert Knoepfli, J.J.Z.s Deckenfresko zu Fischingen,
in: ZSAK 8, 1946, 174-181; - Hans Tintelnot, Die barocke Freskomalerei
in Deutschland, 1951, 186 ff.; - Otto Rudolf von Lutterotti, Die Barockmaler-Familie
Z. aus Reutte, in: Außerferner Buch. Schlern-Schriften 111, 1955; - Kurt Rossacher, Ein unbek. Modello aus J.J.Z.s röm. Frühzeit, in:
AMK 7/60-61, 1962, 38; - Ernst Kreuzer, Z.s Langhausfresko in Fürstenzell
und Solimena, in: Munuscula discipulorum, 1968, 165-172; - Pius Fischer,
Der Barockmaler J.J. Zeiller und sein Ettaler Werk, 1964; - Ders.,
Ikonologie des großen Kuppelfreskos, in: Fstschr. zum 600 jährigen
Weihejubiläum der Klk. Ettal, 1970, 189-215; - Franz Matsche, Der
Freskomaler J.J.Z. (1708-1783) (Diss. Marburg/Lahn), 1970; - Aegidius
Kolb, Ottobeuren und die Maler-Familie Z., in: Zwischen Donau und
Alpen, 1972, 306-318; - Laurentius Koch, Die Sakristei der Klk. Ettal,
in: JVCK 10, 1978, 71-82; - Johann Kronbichler, Unbek. Bilder zur
Tiroler Barockmalerei des 18. Jh.s, in: Der Schlern 54, 1980, 119-128; - Gosbert Schüssler, J.J.Z.s Fresken im Ettaler Kapitelsaal, in: Fstschr.
zum Ettaler Doppeljubiläum 1980, 1981, 81-95; - TB XXXVI, 435 f.; - LThK X, 1323 f.; - Kindlers Malerei Lex. V, 820-823.