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Band XIV (1998) Spalten 372-374 Autor: Harriet Brinkmöller-Gandlau

ZEILLER, Johann Jakob, Maler * 8.7. 1708 Reutte (Tirol), + 8.7. 1783 ebd. - Seine Lehre absolvierte J.J.Z. von 1719-1723 bei seinem Vater, dem in Reutte ansässigen Maler Paul Z. Mit 16 Jahren lernte er in Rom als Schüler Sebastiano Concas; in dessen Werkstatt übte er sich in der Praxis der Malerei, vor allem der Freskotechnik, die an der Akademie S. Luca, wo als Hauptdisziplin das Zeichnen galt, nicht gelehrt wurde. Von 1729-1732 ließ er sich in Neapel von Francesco Solimena weiterbilden, dem er entscheidende stilistische Einflüsse verdankte. Ende des Jahres 1732 verließ J.J.Z. Neapel und reiste über Rom nach Wien. Von 1733 an, mit der Ausmalung der Stiftskuppel in Altenburg, ist die maßgebliche Mitarbeit des Künstlers mit Paul Troger, den er in Rom im Atelier S. Concas kennengelernt hatte, bis 1744 urkundlich gesichert. Ab 1735 besuchte er 10 Jahre lang die Wiener Akademie, wo er 1737 für das Thema »Samson und Dalila« den ersten Preis zugesprochen bekam. 1744 erhielt J.J.Z. durch die Vermittlung P.Trogers im Zisterzienserkloster Fürstenzell seinen ersten großen Freskoauftrag. Nach seiner bis 1746 andauernden Tätigkeit im Zisterzienserkloster Aldersbach beschäftigten ihn die Benediktiner von 1747-1755 im Kloster Ettal und von 1756-1764 im Kloster Ottobeuren, was um 1755 zur Niederlassung in Reutte führte. Ebenso wurden Pfarrkirchen, die topographisch oder administrativ den Klöstern zugeordnet waren, mit Fresken ausgemalt: 1752/53 Bichl, 1755 Iffeldorf, um 1765 das Chorfresko der Pfk. in Eschenlohe und um 1777 das Chorfresko der Pfk. in Erkheim. Das letzte große Werk stellen die Fresken der Johanneskirche in Feldkirch (Vorarlberg) 1779/80 dar. - Im Gegensatz zu seinem Lehrer P. Troger und anderen Künstlern seiner Zeit war J.J.Z. nie für weltliche Auftraggeber tätig. Insofern war sein Darstellungsbereich ausschließlich auf Sujets mit christlichen Allegorien und Themen der Heiligenverehrung beschränkt. Als einer der letzten barocken Monumentalmaler führte er Werke in nicht mehr zu übertreffender Fülle und Größe sowie formaler Vollendung aus. Trotz der starken Monotonie in der Farbgebung ist die barocke Ganzheitsidee im Sinne des werdenden Rokoko bereits relativiert, da es weder eine einheitliche Komposition noch eine raumbeherrschende Perspektivführung gibt. Die Ölmalerei, hauptsächlich in Form von Altarblättern, spielt im Œuvre J.J.Z.s sowohl quantitativ als auch qualitativ eine untergeordnete Rolle.

Werke: Vollst. Werkverz., s. Franz Matsche, Der Freskomaler J.J.Z (1708-1783). (Diss. Marburg) 1970, 614-726. - Fresken: 8 Wandfresken mit Allegorien der Wissenschaften, Altenburg, Benediktinerstift, Bibliothek, 1742; Anbetung des Lammes, Hl. Dreifaltigkeit mit Maria, verehrt von Hll. des Zisterzienserordens, Sturz der Irrlehrer und Laster durch den Hl. Michael (Deckenfresken), Fürstenzell, ehem. Zisterzienserstiftskirche, 1744/45; Christus mit den beiden Jüngern in Emmaus (Kuppelfresko), Aldersbach, ehem. Zisterzienserstift, Sakramentskapelle, 1746; Hl. Dreifaltigkeit, (Kuppelfresko), a.a.O., Abtskapelle, 1746; Hl. Dreifaltigkeit mit der Glorie des hl. Benedikt (Kuppelfresko), Übergabe des Gnadenbildes an Kaiser Ludwig den Bayern (Wandfresko), Ettal, Benediktinerklk. 1748-51; Himmelsglorie mit hl. Dreifaltigkeit, Maria und Engeln zum Empfang der hl. Anastasia (Kuppelfresko), 4 Zwickelfresken mit Szenen aus dem Leben der hl. Anastasia, Verehrung der Kopfreliquie der hl. Anastasia (Wandfresko), Benediktbeuern, ehem. Benediktinerklk., Anastasiakapelle, 1752; Bekehrung der Kaiserin Alexandra durch den hl. Georg, Enthauptung des hl. Georg (Kuppelfresken), Bichl, Pfk. St. Georg, 1752; Verehrung des Herzens Jesu durch Engel, Martyrium des hl. Veit (Deckenfresken), Iffeldorf, Pfk. St. Veit, 1755; Neun Chöre der Engel, Anbetung des Lammes durch die 24 Ältesten, Szenen aus dem Leben Christi, Ausgießung des Hl. Geistes, Hll. des Benediktinerordens, Das tausendjährige Ottobeuren (Deckenfresken), Ottobeuren, Benediktinerstiftskirche, 1756-60; Glorie des hl. Benedikt (Kuppelfresko), Fischingen, Benediktinerklk., 1761; Das Quellwunder des hl. Papstes Clemens, Eschenlohe, Pfk. St. Clemens, 1765; Anbetung des Lammes, Glorie des hl. Augustinus, Bekehrung des hl. Augustinus (Kuppelfresken), Suben/Inn, ehem. Chorherrenstiftskirche 1767/68; Aufnahme Mariens in den Himmel (Deckenfresko), Erkheim, Pfk. St. Maria, um 1777; Verurteilung und Glorie des hl. Laurentius, David mit musizierenden Engeln (Deckenfresken), Bichlbach, Pfk. St. Laurentius, 1778; Zerstörte Deckenfresken mit Szenen aus dem Leben Johannes' d. T., Feldkirch (Vorarlberg), Johanneskirche, 1779/80. - Ölgemälde: Ekstase des hl. Paulus, Heilung des blinden Tobias, Der zwölfjährige Jesus im Tempel, Johannes d. Ev., Altenburg, Benediktinerstift, Bibliothek, 1742; Anbetung des Lammes, Ulm, Städt. Slgen, 1744; Himmelfahrt Mariens, Fürstenzell, ehem. Zisterzienserstiftskirche, 1745; Almosenspende des hl. Johannes Nepomuk, Der gekreuzigte Christus erwartet den hl. Bernhard, a.a.O., 1746; Maria Magdalena als Büßerin, München, Bayer. Nationalmus., um 1747; Hl. Nikolaus als Helfer in Seenot und Bedrängnis, Ottobeuren, Benediktinerstiftskirche, 1762; Die hl. Dreifaltigkeit und das Erlösungswerk, a.a.O., 1763; Selbstbildnis, Ottobeuren, Klostermuseum, um 1764; Hl. Anna unterrichtet die Jungfrau Maria, Suben/Inn, ehem. Augustiner -Chorherrenstiftskirche, um 1768; Hl. Michael, Stanzach (Tirol), Pfk. St. Michael, 1777.

Lit.: Albert Knoepfli, J.J.Z.s Deckenfresko zu Fischingen, in: ZSAK 8, 1946, 174-181; - Hans Tintelnot, Die barocke Freskomalerei in Deutschland, 1951, 186 ff.; - Otto Rudolf von Lutterotti, Die Barockmaler-Familie Z. aus Reutte, in: Außerferner Buch. Schlern-Schriften 111, 1955; - Kurt Rossacher, Ein unbek. Modello aus J.J.Z.s röm. Frühzeit, in: AMK 7/60-61, 1962, 38; - Ernst Kreuzer, Z.s Langhausfresko in Fürstenzell und Solimena, in: Munuscula discipulorum, 1968, 165-172; - Pius Fischer, Der Barockmaler J.J. Zeiller und sein Ettaler Werk, 1964; - Ders., Ikonologie des großen Kuppelfreskos, in: Fstschr. zum 600 jährigen Weihejubiläum der Klk. Ettal, 1970, 189-215; - Franz Matsche, Der Freskomaler J.J.Z. (1708-1783) (Diss. Marburg/Lahn), 1970; - Aegidius Kolb, Ottobeuren und die Maler-Familie Z., in: Zwischen Donau und Alpen, 1972, 306-318; - Laurentius Koch, Die Sakristei der Klk. Ettal, in: JVCK 10, 1978, 71-82; - Johann Kronbichler, Unbek. Bilder zur Tiroler Barockmalerei des 18. Jh.s, in: Der Schlern 54, 1980, 119-128; - Gosbert Schüssler, J.J.Z.s Fresken im Ettaler Kapitelsaal, in: Fstschr. zum Ettaler Doppeljubiläum 1980, 1981, 81-95; - TB XXXVI, 435 f.; - LThK X, 1323 f.; - Kindlers Malerei Lex. V, 820-823.

Harriet Brinkmöller-Gandlau

Letzte Änderung: 29.08.2003