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Band XIV (1998) Spalten 375-377 Autor: Harriet Brinkmöller-Gandlau

ZEITBLOM, Bartholomäus, Maler, * zw. 1455 und 1460 Nördlingen, † zw. 1518 und 1522 Ulm. - B.Z. wird von der Forschung zumeist als typisch schwäbischer und speziell Ulmer Maler angesehen, obwohl er aus Nördlingen stammte, wo er in die Werkstatt des dort führenden Meisters Friedrich Herlin einheiratete und mit seiner Malkunst zunächst an heimische fränkische Traditionen anknüpfte. Seit 1482 ist er urkundlich in Ulm erwähnt, als er nach dem Tod seiner ersten Frau durch die Heirat der Tochter Hans Schüchlins dessen Werkstatt übernahm. Um dieselbe Zeit entstand auch sein erstes gesichertes Werk, der Altar in der Schloßkapelle von Kilchberg mit einem für den Meister typischen geschnitzten Mittelschrein zwischen zwei gemalten Seitenflügeln, auf denen untersetzte, flächig dargestellte Heiligenfiguren abgebildet sind. Einflüsse durch den gleichzeitigen Ulmer Holzschnitt und die Glasmalerei fanden ihren Niederschlag sowohl im Bingener Altar (um 1490) aufgrund der Plastizität der Gestalten als auch im Blaubeurener Altar (1493/94) mit der gedrängten Figurenordnung. Im Eschacher Altar von 1496 tauchte zum ersten Mal das für B.Z. charakteristische Motiv der langgezogenen Gewandfalten bei den statuarisch wirkenden Figuren auf. Diese Entwicklung mit flächigen Formen und erstarrten Figuren im Bildraum ohne Tiefenwirkung ist im Heerberger Altar von 1497/98 noch fortgeschritten, aber beim Hintergrund der »Geburt Christi« griff B.Z. bereits auf Dürer zurück. Der Einfluß Dürers wiederholte sich in den vier großen Bildern zur Legende des Hl. Valentin (um 1500), jedoch übernahm der Meister nicht dessen dynamische Bewegung, sondern die Figuren erscheinen attributiv, ohne Beziehung weder zum Bildraum noch zur Landschaft. Bereits hier wie auch in seinen späteren Werken, so im Adelberger Altar mit vier Marienbildern (um 1511), erzeugten thematische und stilistische Wiederholungen eine gewisse Monotonie, was damit zusammenhängen mochte, daß B.Z. sich vor allem als Unternehmer einer umfangreichen Altarwerkstätte verstand, der Gesellen nach seinen Entwürfen arbeiten ließ. Als eine solche Werkstattarbeit ist vermutlich der Wengenaltar von 1497/98 und die »Beweinung Christi« um 1518 anzusehen. - Der erst in der Romantik wiederentdeckte altdeutsche Maler zählt nicht zu den wichtigsten spätgotischen Künstlern, da er sich eher der älteren Tradition verbunden wußte und sich nur zurückhaltend auf Anregungen der Renaissance der Dürerzeit einließ. Seine mit gotisch - mittelalterlicher Strenge geprägten Raumdarstellungen und Figurenbildungen lassen keine künstlerische Entwicklung erkennen. Dennoch ist sein Werk gekennzeichnet durch Feierlichkeit und stille Versonnenheit, verbunden mit leuchtender Farbgebung, so daß B.Z. als der letzte große gotische Maler Ulms gilt.

Werke: Kilchberger Altar: Hl. Georg, Hl. Florian, Hl. Johannes d. T., Hl. Margaretha, Stuttgart, Staatsgalerie, um 1482; Bildnis des Hans Wurm, Nürnberg, Germ. Nat.-Mus., 1487; Hausener Altar: Hl. Nikolaus, Hl. Franziskus, Ölberg, Christus als Schmerzensmann zwischen dem Apostel Thomas und Hl. Theodul von Sitten, Stuttgart, Landsmuseum, 1488; Bingener Altar: Christi Geburt, Anbetung der Könige, Darstellung im Tempel, Tod Mariens, Bingen, Pfk., um 1490; Altarflügel mit Hl. Margaretha, Hl. Ursula, Hl. Afra, Hl. Birgitta, München, Alte Pinakothek, um 1490; Blaubeurener Altar (Gemeinschaftsarbeit), Anteil von B.Z.: Geburt des Johannes, Beschneidung, Christus und Johannes, Taufe Christi, Predigt des Täufers vor Herodes, Gefangennahme, Blaubeuren, ehem. Klk., 1493/94; Eschacher Altar: Verkündigung an Maria, Hl. Johannes d. T., Heimsuchung Mariä, Hl. Johannes d. Ev., Hl. Gregor d. Gr., Hl. Hieronymus, Hl. Ambrosius, Hl. Augustinus, Stuttgart, Staatsgalerie, 1496; Hürbeler Altar: Hl. Katharina, Hl. Barbara, Verkündigung, Bukarest, Nationalmuseum, 1497; Heerberger Altar: Geburt Christi, Darbringung im Tempel, Selbstbildnis zwischen Ranken, Stuttgart, Staatsgalerie, 1497/98; Wengenaltar (zugeschr. Werkstattarbeit): Verkündigung, Beschneidung, Himmelfahrt, Heiligenfiguren, Ulmer Münster, Geburt Christi, Auferstehung, Stuttgart, Staatsgalerie, um 1497/98; Bildnis der Ursula Greck, Privatbesitz, um 1500; 4 Tafeln der Valentinslegende, Augsburg, Augsburger Galerie, um 1500; Adelberger Altar: Verkündigung und Krönung Mariens, Geburt Christi, Anbetung der Könige, Christus und die Apostel, Vera Icon, Jüngstes Gericht, Adelberg, ehem. Prämonstratenserklk., 1511; Beweinung Christi (zugeschr. Werkstattarbeit), Nürnberg, Germ. Nat.-Mus, um 1518.

Lit.: Carl Koch, Z.s reifer Stil (Diss. Berlin), 1909; - Ernst Buchner, Bericht über den Meister des Blaubeurer Altars, in: M Jb B K N.F. 1, 1924, 307 f.; - Alfred Stange, Deutsche Malerei der Gotik 8, 1957, 23-39; - Bruno Bushart, »Meister des Pfullendorfer Altars« oder Bernhard Strigel?, in: ZfKG 21, 1958, 230-242; - Ders., Studien zur altschwäbischen Malerei. Ergänzungen und Berichtigung zu A. Stanges »Deutsche Malerei der Gotik« 8, in: ZfKG 22, 1959, 143-147; - Reinhard Wortmann, Hausen, Evgl. Filialkirche St. Ulrich, 1964; - Walter Hugelshofer, Gemälde kleineren Formates von B.Z., in: Pantheon 23, 1965, 370-375; - Kunstwerke aus dem ehem. Augustiner Chorherrenstift St. Michael zu den Wengen in Ulm, hg. Erwin Treu u. Reinhard Wortmann. Kat. Ausst. Ulm 1980; - TB XXXVI, 441-444; - LThK X, 1335; - Kindlers Malerei Lex. V, 823 ff.; - Lex. der Kunst V, 691 f.

Harriet Brinkmöller-Gandlau

Letzte Änderung: 01.07.2006