ZEITBLOM, Bartholomäus, Maler, * zw. 1455 und 1460 Nördlingen,
† zw. 1518 und 1522 Ulm. - B.Z. wird von der Forschung zumeist als typisch schwäbischer und speziell
Ulmer Maler angesehen, obwohl er aus Nördlingen stammte, wo er in
die Werkstatt des dort führenden Meisters Friedrich Herlin einheiratete
und mit seiner Malkunst zunächst an heimische fränkische Traditionen
anknüpfte. Seit 1482 ist er urkundlich in Ulm erwähnt, als er nach
dem Tod seiner ersten Frau durch die Heirat der Tochter Hans Schüchlins
dessen Werkstatt übernahm. Um dieselbe Zeit entstand auch sein erstes
gesichertes Werk, der Altar in der Schloßkapelle von Kilchberg mit
einem für den Meister typischen geschnitzten Mittelschrein zwischen
zwei gemalten Seitenflügeln, auf denen untersetzte, flächig dargestellte
Heiligenfiguren abgebildet sind. Einflüsse durch den gleichzeitigen
Ulmer Holzschnitt und die Glasmalerei fanden ihren Niederschlag sowohl
im Bingener Altar (um 1490) aufgrund der Plastizität der Gestalten
als auch im Blaubeurener Altar (1493/94) mit der gedrängten Figurenordnung.
Im Eschacher Altar von 1496 tauchte zum ersten Mal das für B.Z. charakteristische
Motiv der langgezogenen Gewandfalten bei den statuarisch wirkenden
Figuren auf. Diese Entwicklung mit flächigen Formen und erstarrten
Figuren im Bildraum ohne Tiefenwirkung ist im Heerberger Altar von
1497/98 noch fortgeschritten, aber beim Hintergrund der »Geburt Christi«
griff B.Z. bereits auf Dürer zurück. Der Einfluß Dürers wiederholte
sich in den vier großen Bildern zur Legende des Hl. Valentin (um 1500),
jedoch übernahm der Meister nicht dessen dynamische Bewegung, sondern
die Figuren erscheinen attributiv, ohne Beziehung weder zum Bildraum
noch zur Landschaft. Bereits hier wie auch in seinen späteren Werken,
so im Adelberger Altar mit vier Marienbildern (um 1511), erzeugten
thematische und stilistische Wiederholungen eine gewisse Monotonie,
was damit zusammenhängen mochte, daß B.Z. sich vor allem als Unternehmer
einer umfangreichen Altarwerkstätte verstand, der Gesellen nach seinen
Entwürfen arbeiten ließ. Als eine solche Werkstattarbeit ist vermutlich
der Wengenaltar von 1497/98 und die »Beweinung Christi« um 1518 anzusehen. - Der erst in der Romantik wiederentdeckte altdeutsche Maler zählt nicht
zu den wichtigsten spätgotischen Künstlern, da er sich eher der älteren
Tradition verbunden wußte und sich nur zurückhaltend auf Anregungen
der Renaissance der Dürerzeit einließ. Seine mit gotisch - mittelalterlicher
Strenge geprägten Raumdarstellungen und Figurenbildungen lassen keine
künstlerische Entwicklung erkennen. Dennoch ist sein Werk gekennzeichnet
durch Feierlichkeit und stille Versonnenheit, verbunden mit leuchtender
Farbgebung, so daß B.Z. als der letzte große gotische Maler Ulms gilt.
Werke: Kilchberger Altar: Hl. Georg, Hl. Florian, Hl. Johannes
d. T., Hl. Margaretha, Stuttgart, Staatsgalerie, um 1482; Bildnis
des Hans Wurm, Nürnberg, Germ. Nat.-Mus., 1487; Hausener Altar: Hl.
Nikolaus, Hl. Franziskus, Ölberg, Christus als Schmerzensmann zwischen
dem Apostel Thomas und Hl. Theodul von Sitten, Stuttgart, Landsmuseum,
1488; Bingener Altar: Christi Geburt, Anbetung der Könige, Darstellung
im Tempel, Tod Mariens, Bingen, Pfk., um 1490; Altarflügel mit Hl.
Margaretha, Hl. Ursula, Hl. Afra, Hl. Birgitta, München, Alte Pinakothek,
um 1490; Blaubeurener Altar (Gemeinschaftsarbeit), Anteil von B.Z.:
Geburt des Johannes, Beschneidung, Christus und Johannes, Taufe Christi,
Predigt des Täufers vor Herodes, Gefangennahme, Blaubeuren, ehem.
Klk., 1493/94; Eschacher Altar: Verkündigung an Maria, Hl. Johannes
d. T., Heimsuchung Mariä, Hl. Johannes d. Ev., Hl. Gregor d. Gr.,
Hl. Hieronymus, Hl. Ambrosius, Hl. Augustinus, Stuttgart, Staatsgalerie,
1496; Hürbeler Altar: Hl. Katharina, Hl. Barbara, Verkündigung, Bukarest,
Nationalmuseum, 1497; Heerberger Altar: Geburt Christi, Darbringung
im Tempel, Selbstbildnis zwischen Ranken, Stuttgart, Staatsgalerie,
1497/98; Wengenaltar (zugeschr. Werkstattarbeit): Verkündigung, Beschneidung,
Himmelfahrt, Heiligenfiguren, Ulmer Münster, Geburt Christi, Auferstehung,
Stuttgart, Staatsgalerie, um 1497/98; Bildnis der Ursula Greck, Privatbesitz,
um 1500; 4 Tafeln der Valentinslegende, Augsburg, Augsburger Galerie,
um 1500; Adelberger Altar: Verkündigung und Krönung Mariens, Geburt
Christi, Anbetung der Könige, Christus und die Apostel, Vera Icon,
Jüngstes Gericht, Adelberg, ehem. Prämonstratenserklk., 1511; Beweinung
Christi (zugeschr. Werkstattarbeit), Nürnberg, Germ. Nat.-Mus, um
1518.
Lit.: Carl Koch, Z.s reifer Stil (Diss. Berlin), 1909; - Ernst
Buchner, Bericht über den Meister des Blaubeurer Altars, in: M Jb
B K N.F. 1, 1924, 307 f.; - Alfred Stange, Deutsche Malerei der Gotik
8, 1957, 23-39; - Bruno Bushart, »Meister des Pfullendorfer Altars«
oder Bernhard Strigel?, in: ZfKG 21, 1958, 230-242; - Ders., Studien
zur altschwäbischen Malerei. Ergänzungen und Berichtigung zu A. Stanges
»Deutsche Malerei der Gotik« 8, in: ZfKG 22, 1959, 143-147; - Reinhard
Wortmann, Hausen, Evgl. Filialkirche St. Ulrich, 1964; - Walter Hugelshofer,
Gemälde kleineren Formates von B.Z., in: Pantheon 23, 1965, 370-375; - Kunstwerke aus dem ehem. Augustiner Chorherrenstift St. Michael
zu den Wengen in Ulm, hg. Erwin Treu u. Reinhard Wortmann. Kat. Ausst.
Ulm 1980; - TB XXXVI, 441-444; - LThK X, 1335; - Kindlers Malerei
Lex. V, 823 ff.; - Lex. der Kunst V, 691 f.