|
Verlag Traugott Bautz
|
![]() |
|
|
||||
|
|
||||
|
|
||||
|
|
ZIMMERMANN, Baumeister- und Stukkatorenfamilie in Wessobrunn (Oberbayern)
Lit.: Erich Günther, Die Brüder Z., 1944; - Henry-Russel Hitchcock, German Rococo: The Z. brothers, 1968; - Bespr. dazu: Gerhard Hojer, in: KChr 23, 1970, 177-184; - Sigfrid Homann-Max Baur, Die Brüder Z., 1973; - Elisabeth Binder-Etter, Steinhausen bei Schussenried, 1981; - Hermann und Anna Bauer, J.B. und D.Z. Entstehung und Vollendung des Bayerischen Rokoko, 1985; - Eva Christina Vollmer, Neuentdeckte Stuckdekoration der Brüder Z., in: JVCK 15, 1985, 123-132.
Harriet Brinkmöller-Gandlau
ZIMMERMANN, Dominikus, Altarbauer, Stukkator und Baumeister, Bruder von Johann Baptist Z., * 1.7. 1685 Gaispoint bei Wessobrunn, + 16.11. 1766 Wies. - Nach seiner Ausbildung bei einem einheimischen Stukkator wurden D.Z. aufgrund der Verbindungen des Benediktinerklosters Wessobrunn frühe Aufträge vermittelt; für die Benediktinerabtei Fischingen (Kanton Thurgau) erstellte er 1708/09 sechs Stuckmarmoraltäre, die bereits charakteristische Elemente seiner späteren Architektur vorwegnahmen, wie die Funktion der Säule als nicht tektonisches, sondern ornamentales Element und die Auflösung der Gebälkzone in kurvige Rahmung. Am 9.1. 1708 heiratete er Therese Zöpf und zog für 8 Jahre nach Füssen. 1709 stuckierte er die Marienkapelle von Buxheim, 1711/12 entstand als erstes großes gemeinsames Werk mit Johann Baptist Z. die Dekoration der dortigen Kartausenkirche. Im Anschluß an mehrere Aufträge als Altarbauer und Scalioglist erwarb er 1716 in Landsberg a. Lech das Bürgerrecht und errichtete bis 1721 mit dem Bau des Dominikanerinnenklosters und der -kirche in Maria Mödingen sein erstes architektonisches Werk. Nach weiteren gemeinsamen Arbeiten im Dominikanerinnenkloster Bad Wörishofen (1722/23) und beim Bau der Dominikanerklk. in Sießen (1726) ist mit der Errichtung und Stuckierung der Wallfahrtskirche Steinhausen (1727-1733) der erste Höhepunkt seines Schaffens erreicht. Die Konzeption des längselliptischen Hauptraums mit einem durch 10 Freistützen gebildeten Umgang zwischen Pfeilern und Wand anstelle von Seitenschiffen läßt den Einfluß Viscardis und der Vorarlberger Bauschule erkennen. Von 1734 bis 1748 wurde der Künstler in den Inneren Rat der Stadt Landsberg gewählt, seit 1749 bekleidete er regelmäßig das Amt des Bürgermeisters. Nachdem er zwischen 1736 und 1741 die Frauenkirche von Günzburg a.d. Donau auf ovalem Grundriß mittels abgerundeter Ecken und flachen konkaven bzw. konvexen Schwingungen entworfen und bauen lassen hatte, begann er 1745 sein Hauptwerk, die Wallfahrtskirche in der Wies. Der Grundriß des Gemeinderaumes zeigt wie in Steinhausen und im ersten Entwurf von Günzburg die Form eines Längsovals mit einer Freipfeilerordnung, jedoch ist die Konzeption weiterentwickelt, dadurch daß die Stützen paarweise angeordnet sind. Die mit dem Schiff zu einer Raumeinheit verschmolzene Choranlage in Form einer dreischiffigen Halle weist aufgrund ihrer Doppelsäulen und verbindenden Rundbogenstellungen die gleiche Lösung wie in Günzburg auf, wenn man von den verschiedenen Stützenformen absieht. - D.Z. gilt als einer der bedeutendsten süddeutschen Kirchenbaumeister des Rokoko. Seine frühen Bauten waren zunächst als längsrechteckige Saalräume angelegt, wobei sich aufgrund ornamentaler anstelle tektonischer Wandgestaltung die Verselbständigung des Binnengerüsts von Pfeiler und Wölbung gegenüber der Außenwand bereits anbahnte. In Steinhausen ist dann zum erstenmal die Trennung zwischen Innen- und Außenschale auf dem Grundriß eines Ovals mit Hilfe von Freipfeilern vollzogen. Die Wies, der Höhepunkt deutscher Rokokoarchitektur, weist von der tektonischen Materie nur noch das struktiv nötige Mauerwerk auf, das mit der Dekoration und Malerei in engste Verbindung gebracht wurde. D.Z. gelang es, die Prinzipien der Stukkatur und des Altarbaus auf die Architektur zu übertragen und so eine spezifische Ornament-Architektur zu schaffen.
Werke: Vollst. Werkverz., in: Hermann und Anna Bauer, Johann Baptist und D.Z., 297-305. - Fischingen, Benediktinerabtei, Idda-Wallfahrtskapelle: Stuckmarmoraltäre mit Scagliola-Arbeiten: Idda-Hochaltar, Joseph-Altar, Nikolaus-Altar, Schutzengel-Altar, Todesangst Christi-Altar, Schmerzensmutter Maria-Altar, 1708/09; Buxheim, Marienkapelle: Stuck und architektonische Gliederung, 1709; Kartausenkirche Maria Saal: Stuckierung der Wände, 1711/12; Biberach, Pfk. St. Jakob: 4 Altäre mit Scagliola-Antependien, 1712/14; Maria Mödingen, Klk. Mariä Himmelfahrt: Architektur und Stuck, 1716-21; Landsberg a. Lech, Rathaus: Stuck des Festsaals, des Vorplatzes und der Fassade, 1718-20; Bad Wörishofen, Dominikanerinnenkloster: Stuck in Klosterräumen und der Klk. Maria, Königin der Engel, 1722/23; Schwäbisch-Gmünd, Dominikanerkloster, Klostergebäude: Architektur und Stuck, 1724/25; Sießen, Dominikanerinnenklk. St. Markus: Architektur und Stuck, 1725-29; Buxheim, Pfk. U.L. Frau: Architektur und Stuck, 1726-28; Steinhausen, Wallfahrtskirche Zur Schmerzhaften Muttergottes: Architektur und Stuck, 1727-33; Günzburg, Pfk. Mariä Himmelfahrt: Architektur und Stuck, ab 1736; Pöring, Schloßkirche Maria von der Versöhnung: Architektur und Fresken, ab 1739; Landsberg a. Lech, Friedhofskirche St. Johannes: Architektur, Hochaltar und Fresko über Hochaltar, ab 1741; Wies, Wallfahrtskirche zum Gegeißelten Heiland, 1744-57 (1743/44 erster Grundriß); Schussenried, Prämonstratenserkloster: Risse und Modell für den Klosterneubau, 1748; Wies, Wohnhaus D.Z.s, ca. 1754.
Lit.: Thomas Muchall-Viebrook, D.Z., 1912; - Hugo Schnell, Die Scagliola-Arbeiten D.Z.s, in: Z D V f Kw 10, 1943, 105 ff.; - Ders., Die Wallfahrtskirche Steinhausen bei Schussenried/Württ., 1952; - Ders., Der Hochaltar in der ehem. Franziskanerkirche in Schwäbisch-Gmünd; ein Werk D.Z.s, in: Münst 13, 1960, 109-118; - Ders., Die Landsberger Dominikanerinnenkirche, das letzte Werk D.Z.s, in: Münst 19, 1966, 473-480; - Ders., Die Wies. Wallfahrtskirche zum gegeißelten Heiland. Ihr Baumeister D.Z. Leben und Werk, 1979; - Sigfrid Hofmann, Ein bisher unbekannter Schüler des D.Z. (Jacob Köpf), in: Münst 3, 1950, 187; - Ders., D.Z. wird Bürger der Stadt Landsberg a. Lech, in: LIL 1976, 190; - Julius Schöttl, Zur Baugeschichte der Frauenkirche in Günzburg a.d. Donau, in: Münst 5, 1952, 107 f.; - Ders., Die Klk. Maria-Medingen, 1979; - Albert Knoepfli-Paul-Henry Boerlin, Beiträge und Ermittlung der Architekten der barocken Kirchen und Klosterbauten in St. Gallen und Fischingen, in: ZSAK 14, 1953, 180-245; - Alfons Kasper, Der Schussenrieder Bibliothekssaal und seine Schätze, 1954; - Ders., Zur Vorgeschichte des Ovalgrundrisses der Wallfahrtskirche Steinhausen, in: Ulm und Oberschwaben 34, 1955, 153-161; - Ders. - Wolf Stracke, Steinhausen. Ein Juwel unter den Dorfkirchen, 1957; - Tilmann Breuer, Ein Stuckmarmoraltar des D.Z. in Volkratshofen bei Memmingen, in: 17. Ber. des Bayer. Landesamtes für Denkmalpflege 1958, 81 f.; - Ders., Ein Stuckmarmoraltar des D.Z. in Volkratshofen, in: Memminger Geschichtsblätter 1961, 13 ff.; - Norbert Lieb, Ein Entwurf D.Z.s für St. Katharina in Augsburg, in: Münst 19, 1966, 469 ff.; - Paulus Weissenberger, D.Z. Sein Leben und Lebenswerk. Zur Erinnerung an seinen 200. Todestag am 16.11.1966, ca. 1966; - Ottmar Engelhardt, Kloster Maria Mödingen und seine Votivtafeln, in: Schwäbische Heimat 21, 1970, 18-24; - Ludwig Pöllmann, »Für die gaistl. Jungfer Tochter ds. Reichs. Stifts-Kirchen renouvieret«. D.Z.s grundlegende bauliche Planung bei der Barockisierung der ehem. Klk. zu Gutenzell 1755/56 durch Archivfunde beweisbar, in: Münst 28, 1975, 296-299; - Hans-Joachim Sachse, Das auf Freistützen errichtete Kuppelgewölbe über dem Gemeinderaum der Wallfahrtskirche zu Steinhausen, in: Münst 30, 1977, 221-229; - Eva Christina Vollmer, Ein unbek. Meisterwerk D.Z.s - die Stuckdekoration des Prälatensaals im Wallfahrtspriesterhaus an der Wieskirche, in: LIL 1980, 20-34; - Richard Zürcher, Architektur als Gesamtkunstwerk. Zwei Beispiele aus dem Spätbarock, in: ZÄAK 27, 1982, 11-22; - Heide Weisshaar-Kiem, Unser lieben Frauen Maria von der Versöhnung Kapelle im Freyherrl. Berndorfischen Schloß Pöring bei Pitzling, in: JVCK 15, 1985, 133-154; - D.Z. (1685-1766) Ausst. im Alten Rathaus in Landsberg a. Lech. Kat. Ausst. 1985; - Sixtus Lampl, D.Z., 1987; - Rudolf Seibold, Die Liebfrauenkirche des D.Z. zu Günzburg, 1987; - Lothar Altmann-Hugo Schnell, Kath. Stadtpfk. Mariä Himmelfahrt in Landsberg a. Lech, 1990; - TB XXXVI, 507 f.; - LThK X, 1372; - Lex. d. Kunst V, 722.
Harriet Brinkmöller-Gandlau
Letzte Änderung: 29.08.2004