Verlag Traugott Bautz
www.bautz.de/bbkl
Zur Hauptseite
Bestellmöglichkeiten
Abkürzungsverzeichnis
Bibliographische Angaben für das Zitieren
Suche in den Texten des BBKL
Infobriefe des aktuellen Jahres

NEU: Unser E-News Service
Wir informieren Sie vierzehntägig über Neuigkeiten und Änderungen per E-Mail.

Helfen Sie uns, das BBKL aktuell zu halten!



Band XIV (1998) Spalten 494-497 Autor: Harriet Brinkmöller-Gandlau

ZIMMERMANN, Johann Baptist, Stukkator und Maler, Bruder des Dominikus Z., * 3.1. 1680 Gaispoint bei Wessobrunn, + 2.3. 1758. - Seine Ausbildung als Stukkator erhielt J.B.Z. der Tradition entsprechend bei einem Wessobrunner Meister. Bereits 1701 schuf er mit der Stuckierung und den Fresken der Pfk. von Gosseltshausen sein erstes selbständiges Werk. Am 28.3. 1705 heiratete er und ließ sich 1707 im maxlrainschen Markt Miesbach nieder. Die Annahme einer Mitarbeit in der Werkstatt Johann Schmuzers, der zu dieser Zeit in der ehem. Benediktinerabtei Tegernsee tätig war, ließe den Auftrag für die Stuckierung des Klosterrefektoriums vor 1710 erklären. Von 1709-1713 arbeiteten die Brüder Z. gemeinsam in der ehem. Reichskartause von Buxheim, wobei J.B.Z. nicht nur stuckierte, sondern auch Fresken malte (z.B. in der Marienkapelle). Nachdem er in der Pfk. von Schliersee und im Schloß Maxlrain Stuck- und Freskierungsarbeiten abgeschlossen hatte, gelang es ihm, sich aus der Abhängigkeit des Grafen von Maxlrain zu lösen und 1715 nach Freising zu ziehen, wo er ab 1716 den Domkreuzgang sowie die Seitenschiffe der Benediktuskirche freskierte und stuckierte. Bereits seit 1714 arbeitete der Meister auch an der Stuckdekoration in der freien Reichsabtei Ottobeuren und lernte dabei den venezianischen Maler Jacopo Amigoni kennen, dem er vermutlich seinen ersten Auftrag am Münchner Hof verdankte, die Stuckierung des Treppenhauses im Schloß Schleißheim unter Joseph Effner zwischen 1720 und 1726. In diesem Zeitraum und darüber hinaus stuckierte er Räume im Schloß Nymphenburg und in der Münchner Residenz (ab 1726); zudem entstanden als weitere gemeinsame Werke mit seinem Bruder D.Z. die Dekorationen der Klk. Maria Mödingen (1718-22), der Klk. in Bad Wörishofen (1722/23) und der Klk. in Sießen (1728), wobei sein Schwerpunkt auf der Freskierung lag. 1724 ist J.B.Z. als Hausbesitzer in München nachgewiesen, 1727 erhielt er den Titel des Hofstukkators. 1730/31 malte er die Fresken für das erste gemeinsame Hauptwerk, die Wallfahrtskirche zu Steinhausen. In den dreißiger Jahren gelangte er aufgrund der Stuckierung der Reichen Zimmer in der Münchner Residenz und der Amalienburg zu solch hohem Ansehen, daß er nur mit Hilfe zahlreicher Mitarbeiter in der Lage war, den Verpflichtungen der adligen und geistlichen Auftraggeber nachzukommen. Erst infolge der finanziellen Belastung der Klöster durch den Österreichischen Erbfolgekrieg kam es ab 1740 zu einer zeitweiligen Reduzierung der Aufträge, unterbrochen durch die Ausstattung der Klk. zu Dietramszell (1741) und der jetzigen Pfk. St. Michael in Berg am Laim (1743/44). Die Fresken in der von seinem Bruder Dominikus erbauten Wieskirche (ab 1749) stellen das Hauptwerk J.B.Z.s dar. Noch seine letzten Lebensjahre waren angefüllt mit wichtigen Aufträgen: 1751-54 die Ausstattung der Klk. in Andechs, 1752-54 der Wallfahrtskirche Maria Brünnlein bei Wemding, 1753/54 der Stadtpfk. St. Peter in München sowie 1754-56 der Klk. in Schäftlarn. Seinen letzten großen Auftrag bildet die Dekoration des Steinernen Saals von Nymphenburg (1555-57), in dessen Hauptfresko sich Kurfürst Max III. Joseph für seine Friedenspolitik huldigen ließ. - Unter J.B.Z. gelangte der plastische Stuck des Rokoko zu höchster Vollendung. Seine Umsetzung der Entwürfe Cuvilliés` ins Relief, am deutlichsten wohl in den Reichen Zimmern der Münchner Residenz und der Amalienburg, vereint das Ornament mit Bildelementen, so daß es die Wandfläche zum Bildhintergrund uminterpretiert. Charakteristisch für J.B.Z. als einen der führenden Freskanten seiner Zeit ist, daß seine Werke kaum geschlossene Kompositionsstrukturen aufweisen, sondern aus erweiterten Einzelmotiven zusammengesetzt sind, ein Gestaltungsprinzip, das er von Jacopo Amigoni übernommen hat. Eine weitere stilistische Gemeinsamkeit bildet der Verzicht auf illusionistische Effekte, so daß das Fresko wie Stuck als Dekoration an der Wand- bzw. Gewölbefläche angebracht ist.

Werke: Vollst. Werkverz., in: Hermann und Anna Bauer, J.B. und Dominikus Z., 306-328. - Gosseltshausen, Pfk. Mariä Empfängnis: Stuck und Fresken im Altarraum, 1701; Markt Rettenbach, Wallfahrtskirche Maria Schnee: Stuck im Langhaus, Altarraum und in der Sakristei, Fresken im Altarraum, 1707; Tegernsee, ehem. Benediktinerabtei, Refektorium: Stuck, vor 1710; Buxheim, ehem. Reichskartause, Marienkapelle: Fresken, 1709; Ehem. Bibliothek: Stuck des Deckenspiegels und Fresken, 1710; Klk. Maria Saal: Stuck im Deckenbereich, Fresken, 1711/12; Kapitelsaal: Fresken, 1713; Schliersee, Pfk. St. Sixtus: Stuck und Fresken, 1714; Ottobeuren, ehem. Benediktinerabtei, Stuckarbeiten, 1714-1722; Maxlrain, ehem. Schloß: Stuck und Fresken in 3 Räumen, um 1715; Freising, ehem. Fürstbischöfl. Hochstift, Domkreuzgang und anschließende Kapellen: Stuck und Fresken; St. Benedikt: Fresken in den Seitenschiffen, 1716; Ismaning, ehem. Sommerschloß des Fürstbischofs von Freising, Kapelle, Speisezimmer: Stuck und Fresken, 1717; Maria Mödingen, Klk. Mariä Himmelfahrt: Fresken, 1718-22; Schleißheim, Neues Schloß, Stuckarbeiten, 1720-26; Bad Wörishofen, Dominikanerinnenklk. Maria, Königin der Engel: Fresken, 1722/23; Benediktbeuern, ehem. Benediktinerabtei, ehem. Bibliothek: Stuck und Fresken, 1724; München-Nymphenburg, ehem. Kurfürstl. Schloß, Sommerzimmer Karl Albrechts: Stuck; Spiegelsaal des ersten nördlichen Pavillons: Stuck, 1726/27; München, Residenz: Stuckarbeitem, 1726-33; Tegernsee, ehem. Benediktinerabtei, Refektorium: Stuck und Bilder an den Wandpfeilern, 1728; Sießen, Dominikanerinnenklk. St. Markus: Fresken, 1728; Weyarn, ehem. Augustiner-Chorherrenstift, ehem. Klk. St. Peter und Paul: Stuck und Fresken, 1729; Beyharting, ehem. Augustiner-Chorherrenstift, ehem. Klk.: Stuck und Fresken, 1730; Steinhausen, Wallfahrtskirche zur Schmerzhaften Muttergottes: Fresken, 1730-31; Benediktbeuern, ehem. Benediktinerabtei: Stuck und Fresken, 1731-33; Würzburg, Neumünster, ehem. Kollegiatsstiftskirche: Fresken, 1732; München-Nymphenburg, Amalienburg: Stuck, 1734-37; Prien, Pfk. Mariä Himmelfahrt: Stuck und Fresken, 1738-40; Dietramszell, ehem. Stiftskirche Mariä Himmelfahrt: Stuck und Fresken, 1741; München-Berg am Laim, jetzige Pfk. St. Michael: Stuck und Fresken, 1743/44; Landshut, ehem. Dominikanerkirche: Stuck und Fresken; Hochaltarblatt: Der hl. Dominikus als Schutzpatron der Stadt Landshut, 1749-52; Wies, Wallfahrtskirche zum Gegeißelten Heiland, Fresken, 1749 und 1753/54; Andechs, Kloster- und Wallfahrtskirche St. Nikolaus und Elisabeth: Stuck und Fresken, 1751/52; Wemding, Wallfahrtskirche Maria Brünnlein Zum Trost: Stuck und Fresken, 1752-54; München, Stadtpfk. St. Peter: Stuck und Fresken, 1753/54; Schäftlarn, ehem. Prämonstratenserklk. St. Dionys und Juliana: Stuck und Fresken, 1754-56; München-Nymphenburg, ehem. Kurfürstl. Schloß, Steinerner Saal: Stuck und Fresken, 1755-57; Neustift, ehem. Prämonstratenserklk.: Fresken, 1756.

Lit.: Ursula Röhlig, Die Deckenbilder J.B.Z.s (Diss. München), 1949; - Karl Mindera, J.B.Z.s Arbeiten für die ehem. Benediktinerabtei Benediktbeuern, in: Münst 8, 1955, 15-19; - Robert Muenster, Ein Verlöbnis J.B.Z.s zur schmerzhaften Mutter unter dem Kreuz zu Miesbach, in: Münst 18, 1965, 49; - Bruno Bushart, Ein Skizzenbild J.B.Z.s für Andechs, in: Pantheon 26, 1968, 393-398; - Hedwig Lindl-Schmelz, Vergessenes Rokoko. J.B.Z. - der Hofstukkator aus Gaispoint, in: Szenerien des Rokoko, hg. Herbert Schindler, 1969, 63 ff.; - Dies., J.B.Z. Hofstukkator und Freskant, in: Bayern im Rokoko, 1989, 40-50; - Siegfried Hofmann, Die Kirche in Gosseltshausen (Wolnzach) im Spiegel der Kirchenrechnungen des Pfarrarchivs bis 1800, in: Sammelblatt des Hist. Vereins Ingolstadt 84, 1975, 157 f.; - Sixtus Lampl, Die Klk. Tegernsee. Maßanalytische Untersuchungen zum Bestand, zur Baugeschichte und zur Funktion, in: Oberbayerisches Archiv 100, 1975, 81 f.; - Ders., Trotz Geldnot entstand ein großes Bauwerk. Aus der Baugeschichte der barocken St.-Sixtus Kirche in Schliersee, in: Schliersee 1978, 143 f; - Ders., J.B.Z.s Schlierseer Anfänge. Eine Einf. in das Bayerische Rokoko, 1979; - Ders., J.B.Z., der Meister des Stucks in Amberg-St. Georg, in: JVCK 11, 1980, 99-108; - Christina Thon, J.B.Z. als Stukkator, 1977; - Bespr. dazu: Heinz Jürgen Sauermost, in: KChr 32, 1979, 84-88; - Knut Nicolaus, Naturwissenschaftliche Untersuchungen an einer Ölskizze J.B.Z.s für Kloster Andechs, in: Beitrr. zur Geschichte der Ölskizze vom 16.-18. Jh., 1984, 122 f; - Gisela Richter, J.B.Z. als Freskant. Das Frühwerk, 1984; - Dies., Die zerstörte Hauskapelle des Palais Preysing in München. Ihre Ausmalung durch J.B.Z., in: JVCK 14, 1984, 119-126; - TB XXXVI, 512 f.; - LThK X, 1371 f.; - Kindlers Malerei Lex. V, 829-832; - Lex. der Kunst V, 722.

Harriet Brinkmöller-Gandlau

Literaturergänzung:

2008

Sixtus Lampl, J.B.Z. (1680-1758). Wegbereiter d. bayer. Rokoko. Valley 2008. Buch + CD.

Letzte Änderung: 16.04.2009