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Band XIV (1998)Spalten 555-557 Autor: Wilhelm Kohl

ZITZ(E)WITZ Nicolaus von, aus dem Hause Jannowitz, Abt von Huysburg, Theologe, * 1634 in Besswitz (Hinterpommern), + 24.10. 1704 in Huysburg. - Der geborene Lutheraner bezog 1652 die Universität Greifswald, geriet 1655 auf der Universität Helmstedt unter den Einfluß des Theologen Georg Calixtus (Callisen), der einer Wiedervereinigung der Konfessionen das Wort redete und deshalb von strengen Lutheranern als Synkretist verurteilt wurde. Z. hielt auch später die Verbindung zu Schülern des Calixt aufrecht, darunter Johannes Fabricius (1644-1729), Abt von Königslutter und Professor in Helmstedt, sowie Gerhard Walter Molanus (1633-1722), Abt von Loccum. 1656 trat Z. als Student in Köln zum Katholizismus über und zwei Jahre später in das Benediktinerkloster Werden ein. Erfolgreich wirkte er im Auftrage des Abtes an der Gesundung von Klöstern der Bursfelder Kongregation mit. Christoph Bernhard von Galen, Fürstbischof von Münster und Administrator der Fürstabtei Corvey, gewann ihn für die Reorganisation dieser Abtei und der inkorporierten Propstei Marsberg. Als der Fürstbischof 1672 die Vereinigten Niederlande überfiel, beauftragte er Z. mit der Rekatholisierung der eroberten Gebiete, doch befreite der negative Verlauf des Feldzugs ihn bald der seiner irenischen Einstellung widerstrebenden Pflicht. Er kehrte nach Corvey zurück, wurde jedoch vom münsterischen Fürstbischof zunehmend für diplomatische Zwecke in Anspruch genommen. Im Reichskrieg gegen Schweden mußte er die Verwaltung des eroberten ehemaligen Bistums Verden übernehmen, wobei er sich wegen seiner Gerechtigkeit auch von protestantischer Seite Lob erwarb. Schwierige Bündnisverhandlungen mit den Dänen 1677, auf der Hamburger Konferenz zur Teilung der schwedischen Besitzungen zwischen Weser und Elbe und abermals in Kopenhagen brachten wegen überhöhter Forderungen des Fürstbischofs geringen Erfolg. Der Tod Christoph Bernhards v. Galen (19.9. 1678) erlaubte Z. endlich, die Leitung der ihm 1677 verliehenen Abtei Huysburg im nördlichen Harzvorland anzutreten. Es gelang ihm, das wirtschaftlich heruntergekommene Kloster und das diesem 1696 inkorporierte Kloster St. Mauritz und Simeon in Minden zu reformieren. Mit Fabricius, Molanus und dem Franziskaner Christophorus de Rojas y Spinola (1626-1694) setzte er überkonfessionelle Gespräche fort, so auf dem Unionskonvent von 1683 in Hannover. Mit Leibniz stand er im Briefwechsel über Fragen der Wiedervereinigung der Kirchen. Die Behauptung, Z. sei Verfasser der hohenzollernfeindlichen Lehniner Weissagungen gewesen, entbehrt jeder Grundlage.

Werke: Compendium regulae fidei catholicae Veronianae ex D. Fr. Veroni regula fidei catholicae concinnatum, Köln 1699, Frankfurt a.M. 1707; auch in: Guillelmi Forbesii Considerationes controversiarum pontificarum, accedit Nicolai a Zizvviz Compendium regulae fidei catholicae. Helmstedt 1704.

Lit.: Carl van Eß, Kurze Geschichte der Abtei Huysburg, Halberstadt 1810, 26-41; - Heinrich Schmid, Geschichte der synkretistischen Streitigkeiten in der Zeit des Georg Calixt, Erlangen 1846; - Ludwig Gieseler, Die Lehniner Weissagung, Erfurt 1849; - Wilhelm Gass, Geschichte der protestantischen Dogmatik in ihrem Zusammenhang mit der Theologie überhaupt 2: Der Synkretismus, Berlin 1857; - Max v. Stojentin, Geschichte des Geschlechts von Zitzewitz, Stettin 1900, 173; - Heinz Weidemann, Der Unionskonvent von 1683, Diss. Göttingen 1930; - Friedrich Wilhelm Spitzner, N. v. Z., der Friedenssucher vom Huywald (in: Montagsblatt, Wiss. Beilage d. Magdeburgischen Zeitung 78, 1936, 89-90); - Wilhelm Kohl, N. v. Z. 1634-1704 (in: Westfalen 40, 1962, 180-185); - Ders., Christoph Bernhard von Galen. Politische Geschichte des Fürstbistums Münster 1650-1678 (Veröff. d. Hist. Komm. f. Westfalen 18,3), Münster 1964, 504-510, 514-526; - Wilhelm Stüwer, Die Reichsabtei Werden an der Ruhr (Germania Sacra N.F. 12), Berlin/New York 1980, 464; - Zedlers Großes vollständiges Universal-Lexikon 62, Leipzig/Halle 1749, Nachdr. Graz 1964, 1848-1849; - LThK2 10, 1938, 1083-1084 (Hermann Joseph Wurm); - LThK2 10, 1965, 1389 (Helmut Lahrkamp); - Germania Benedictina 8, 1980, 480, 496 (für St. Mauritz und Simeon: Leopold Schütte); - Westfälisches Klosterbuch, hrsg. von Karl Hengst 1, Münster 1992, 150, 222, 577.

Wilhelm Kohl

Letzte Änderung: 29.08.2004