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Verlag Traugott Bautz
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ZOSIMOS, Papst (417-418), * unbekannt, † 26.12. 418; - Unmittelbar nach dem Tod Innozenz I. († 12.3. 417) wird Z., der nach den Angaben des Liber pontificalis (ed. Duchesne, LP I, 223) von Geburt Grieche war, zum neuen röm. Bisch. gewählt und am darauffolgenden Sonntag, den 18. März 417, konsekriert. Der neu Gewählte gehörte, im Gegensatz zu seinen Vorgängern, nicht dem röm. Klerus an, so daß bei dieser Wahl zurecht von einer »geglückten Überraschung« (Caspar, Papsttum I, 344) gesprochen werden darf. Die Bedeutung des nur kurz amtierenden und in summa wenig erfolgreichen Z. verdankt sich seinem Eingreifen in zwei Themenkreise: dem pelagianischen Streit sowie dem Bemühen um Stärkung des primatialen Anspruches des röm. Bisch. Wichtige Quellen sind in diesem Zusammenhang die zum Teil fragmentarisch erhaltenen Briefe des Papstes, der selbst kein literarisches Werk hinterlassen hat. Der Wunsch, den petrinischen Anspruch Roms zu stärken, bildet auch den Hintergrund des zuweilen impulsiven Eingreifens des Z. in die Angelegenheiten der gallischen Kirche. Diese hatte sich seit längerem bemüht, ihre organisatorische Gliederung den politischen Veränderungen des ausgehenden 4. Jh. anzupassen. Dieses Vorhaben fortsetzend gewährt Z. mit seinem Brief vom 22.3. 417 (Ep.1) dem Bisch. Patroclus von Arles auf seine Bitten hin die Metropolitanrechte über ganz Südgallien und erkennt damit die zunehmende Bedeutung dieses administrativen Zentrums an. Zudem erhält er das alleinige Recht, litterae formatae, d.h. Geleitbriefe für die Ausreise von gallischen Klerikern nach Rom, auszustellen und die Oberaufsicht über die kirchlichen Angelegenheiten Galliens auszuüben. Verschiedene gallische Bisch. widersetzen sich und tragen theol. Bedenken vor. Als schließlich der angesehene Bisch. Proculus von Marseille mit Berufung auf die Synode von Turin (398) fortfährt, Bisch. zu weihen, erklärt Z. im Herbst 417 diese Weihen für ungültig und zitiert den Bisch. vor eine röm. Synode. Als dieser nicht erscheint, erklärt ihn der Papst im Frühjahr 418 für abgesetzt. Dank der Unterstützung in Gallien kann Proculus - trotz wiederholter Mahnungen des Z. - sein Amt jedoch weiter ausüben. Zur selben Zeit kommt es in der Frage des Appellationsrechtes afrikanischer Kleriker - Rom als Berufungsinstanz für causae maiores - zu einem heftigen Streit zwischen Z., der sich auf entsprechende Rechte in den Kanones des Nizänums beruft, und den dortigen Bisch. Ausgangspunkt ist die Absetzung des Presbyters Apiarius durch Bisch. Urbanus von Sicca und die folgende Appellation des Apiarius nach Rom. Eine afr. Synode erneuert im Mai 418 den Standpunkt der Unzulässigkeit transmariner Appellationen, und auch die nach Karthago entsandten päpstlichen Legaten müssen nach zähen Verhandlungen ohne größeren Erfolg zurückkehren. Auch im Blick auf das Vikariat von Thessaloniki betont Z. seinen Jurisdiktionsanspruch (vgl. Ep. 15). - In die Kirchengeschichte eingegangen ist Z. vor allem durch sein wankelmütiges Verhalten im pelagianischen Streit. Hatte sein Vorgänger Innozenz in behutsamer Weise den Wünschen, besonders der nordafr. Kirche, nach Verurteilung des Pelagius und seines Anhängers Caelestius entsprochen, sieht sich der Papst durch die Ankunft des Caelestius in Rom erneut mit der Frage konfrontiert. Caelestius legt Z. ein Glaubensbekenntnis, welches bis auf wenige Veränderungen den bekannten Positionen des Pelagius entspricht, mit der Bitte um Überprüfung vor. Diese, in der röm. Klemensbasilika im Spätsommer 417 durchgeführt, endet mit seinem Freispruch. Zusammen mit sämtlichen Prozeßakten wird das Ergebnis dem nordafr. Episkopat mitgeteilt (vgl. die Übersicht bei Wermelinger, Rom 151f.). In einem weiteren Schreiben (Zos., Ep. 3: CSEL 35, 103-108 vom 21.9.417) zeigt der Papst zudem den Freispruch des Pelagius an und tadelt das bisherige Vorgehen der afr. Bisch. Vorangegangen war die Zusendung eines Glaubensbekenntnis des Pelagius an den Papst sowie anderer ihn entlastender Dokumente (u.a. Pelagius' vier Bücher `De libero arbitrio' und ein Empfehlungsschreiben des Jerusalemer Bisch. Praïlus). In einem umfangreichen Briefwechsel beharren die Afrikaner auf ihrem Standpunkt (so auch auf dem Konzil von Karthago am 1.5.418). Schließlich muß Z. - auch angesichts steigenden Unmutes in Rom - nachgeben. Nach erstem vorsichtigen Einlenken (vgl. Zos., ep.12 [CSEL 35/1, 115-117] vom 21.3.418) zwingen weitere Ereignisse (afr. Synode am 1.5.418 gegen Pelagius; kaiserliches Reskript: PL 56, 490-492) den Papst schließlich zur »Kapitulation« (Wojtowytsch 253). In der Folge verurteilt Z. in seiner berühmten, im Juni 418 veröffentlichten `Epistula tractoria' Pelagius und seine Anhänger. Doch auch diese Wendung kann nicht alle Spannungen beseitigen. Verschiedentlich regt sich Widerstand (Bischofsgruppe um Julian von Aeclanum, Widerstand in Oberitalien). Die stadtröm. Opposition findet ihren sichtbaren Ausdruck in der auf den Tod des Z. folgenden Doppelwahl (Bonifatius/Eulalius). - In der Retrospektive darf das Agieren des Z. als in hohem Maße unglücklich und unbesonnen (vgl. Caspar, Papsttum I, 360: »fahrige Politik«) bezeichnet werden.
Schriften: Vgl. CPL 1644-1648. Darunter sind: * 16 Briefe: PL 20, 642-686. Davon sind sieben (ep. 1, 4, 5, 6, 7, 10, 11) in der Collectio Arelatensis und drei (ep. 2, 3, 8, 12) in der Collectio Avellana enthalten. * Hinzu kommen: Ep. ad Remigium episcopum (CPL 1647): PLS 1, 797; - Epistula ad Simplicium Viennensem (CPL 1646): PL 20, 704; - Epistula tractoria (CPL 1645): Frgm. in PL 20, 693f. sowie Wermelinger, Rom 307f.
Lit.: E.-Ch. Babut, Le concile de Turin. Essai sur l'histoire des Eglises provençales au Ve siècle et sur les origines de la monarchie ecclésiastique romaine 417-450, Paris 1904; - A. Wilmart, Le concile de Turin. In: RHE 6 (1905) 931-937; - P. Battifol, Le siège apostolique 359-451, Paris2 1924, 239-244; - G. de Plinval, Pélage. Ses écrits, sa vie et sa réforme, Lausanne 1943; - F. Floëri, Le pape Zosime et la doctrine augustinienne du péché original. In: Augustinus Magister. Congrès International Augustinien, Paris 21-24 Septembre 1954, Communications II, Paris 1954, 755-761; - J. Ferguson, Pelagius. A Historical and Theological Study, Cambridge 1956; - E. Griffe, Gaule chrétienne à l'époque romaine. II, Paris-Toulouse 1957, 114-119; - H. Marot, Les conciles romains des IVe et Ve siècles et le developpement de la primauté. In: Istina 4 (1957) 435-462; - R. U. Montini, Le tombe dei Papi, Rom 1957, 97f.; - S. Prete, Pelagio e il pelagianismo, Brescia 1961, 106-117; - G. Bonner, Augustine's visit to Caesarea in 418. In: Studies in Church History I, London 1964, 104-113; - G. Langgärtner, Die Gallienpolitik der Päpste im 5. und 6. Jh., Bonn 1964, 24-52; - P. Brown, Pelagius and his Supporters. Aims and Environment. In: JThS 19 (1968) 93-114; - ders., The Roman Patrons of Pelagius. In: JThS 21 (1970) 56-72; - W. Marschall, Karthago und Rom. Die Stellung der nordafr. Kirche zum apost. Stuhl in Rom, Stuttgart 1971, 150-159, 166-173; - ders., Eine afr. Appellation an Gregor den Großen. In: Festschrift Panzram, Freiburg 1972, 407-421; - F. J. Thonnard-A. C. De Veer, La crise pélagienne de 415-421, Paris 1974 (Bibliothèque Augustinienne 23), 784-789; - Ch. Munier, Luttes, triomphes et revers du pélagianisme (416-418), Paris 1975 (Bibliothèque Augustinienne 22), 9-24; - O. Wermelinger, Rom und Pelagius. Die theol. Position der röm. Bischöfe im pelagianischen Streit in den Jahren 411-432, Stuttgart 1975 (Päpste und Papsttum 7), 134-218; - Ch. Pietri, Roma christiana. II, Rom 1976, 1222-1254 sowie Register s.v. Zosime; - O. Wermelinger, Das Pelagiusdossier in der Tractoria des Zosimus. In: Freiburger Zeitschrift für Philosophie und Theologie 26 (1979) 336-368; - M. Wojtowytsch, Papsttum und Konzilien von den Anfängen bis zu Leo I. (440-461), Stuttgart 1981 (Stud. zur Entstehung der Überordnung des Papstes über die Konzilien 17) 252-254, 265-267; - B. R. Rees, Pelagius. A Reluctant Heretic, Suffolk 1991; - ders., The Letters of Pelagius and his Followers, Woodbridge/Suffolk 1991; - Altaner 356; - Bardenhewer IV, 614-616; - BSS XII, 1493-1497; - Caspar I, 344-360; - DACL XIII, 1203; - DCB IV, 1221-1225; - DPAC II, 3628f.; - DThC XV, 3708-3716; - EC XII, 1823f.; - Fliche-Martin IV, 248-251; - Institutum Patristicum Augustinianum, Patrologia III, Casale Monferrato2 1983, 553f.; - Jedin, HdKG II/1, 268-270; - Kelly 51f.; - LP 1, 225f.; - LThK1 X, 1095; - LThK2 X, 1406; - NewCathEnc XIV, 1135f.; - ODCC 1513; - Pauly-Wissowa XIX, 841-844; - RE XV, 766-769; XXI, 725f.; - Seppelt I2, 145-155; - TRE XXVI, 178-180.
Josef Rist
Literaturergänzung:
1992
Mathijs Lamberigts, Augustine and Julian of Aeclanum on Z., in: Augustiniana 42.1992, S. 311-330.
Letzte Änderung: 03.09.2009