ZSCHORN, Johann Hermann, * 19. August 1698 in Quecke bei Gießen gest. 1776 in Celle, lutherischer Pfarrer. - Johann Hermann Zschorn wurde 1698 als Sohn des Pastors Johann Zschorn im hessischen Quecke geboren. Von 1715-1719 studierte er Theologie in Jena und wurde danach Hofmeister bei dem kurpfälzischen Kammerherrn Freiherr von Teufel und 1725 Hofmeister beim Kammerherrn von Görtz. Durch dessen Fürsprache wurde er 1728 als lutherischer Pfarrer nach Aerzen bei Hameln gerufen. Nachdem er dieses Amt zehn Jahre lang ausgeübt hatte, berief der Stadtrat von Lemgo ihn als 2. Pastor an der dortige Nicolaikirche. Bereits drei Jahre später wurde er als zweiter Diakon an die Stadtkirche in Celle berufen. 1744 stieg er zum 1. Diakon und 1760 zum Archidiakon auf. Dieses Amt übte er bis zu seinem Tode im Jahre 1776 aus. - Zschorn hat während seiner Amtszeit einen theologischen Wandel durchgemacht. Während seiner Zeit in Aerzen und Lemgo stand der dem Pietismus nahe. Seine Schrift Begriff der christlichen Sittenlehre, aus Rambachs Morahthologie zusammengezogen zeigt deutlich den pietistischen Einfluß, vor allem durch die Vermittlung Johann Jakob Rambachs. Am Beginn seiner Celler Zeit hatte er Verbindungen zu herrnhuterischen Kreisen in Celle und darüber hinaus. Ab etwa 1760 öffnete er sich, unter dem Einfluß seiner Celler Amtskollegen, jedoch immer stärker der Aufklärungstheologie. Bei seinen weiteren gedruckten Werken handelt es sich ausschließlich um veröffentlichte Predigten.
Werke: Begriff der christlichen Sittenlehre, aus Rambachs Moraltheologie zusammengezogen, Lemgo 1741; Erbauliche Reden, Zelle 1750; Diss. inaug. De angelis, quorum caussa femina. exousian epi tns habere jubetur ab Apostolo, ad 1. Conrith. XI, 10, Rinteln 1751; Der betende David. In gottgeheiligten Betrachtungen über Psalm 26. V. 1 bis Ps. 31. V. II., vorgestellet, Zelle und Leipzig 1751; Dispositiones oder kurze Entwürfe derer Epistolisch- und Evangelischen Predigten über die jährliche Sonn- und Festtägige wie auch Paßions- und besondere Texte, deren einige zewy- und dreyfach gehalten; vormals einzeln, nunmehro aber aufs neue nach der Ordnung in zween Theilen, die dennoch einen Band ausmachen, herausgegeben Zelle 1756.
Lit.: Wilhelm Butterweck, Die Geschichte d. Lippischen Landeskirche, Schötmar 1926, 494; - Philipp Meyer (Hrsg.), Die Pastoren d. Landeskirchen Hannovers u. Schaunburg-Lippes seit d. Reformation, Bd. 1, Göttingen 1941; - Erich Wenneker, Von der Aufklärung bis zum Neuluthertum. Die Jahre 1740-1866, in: Kirche in Celle. Beiträge z. KG, Celle 1992, 127-144; - Andreas Flick, Die Geschichte der Deutsch-reformierten Gemeinde in Celle 1709-1805, Bad Karlshafen 1994.
Erich Wenneker
Letzte Änderung: 09.04.2011