ZUCKERMANDEL [auch: Zuckermandl], Moses Samuel, jüdischer Theologe, * 24. April 1836 in Ungarisch-Brod, † 27. Januar 1917 in Breslau. - Z. stammte aus einer Rabbinerfamilie. In den Jahren 1856 bis 1864 besuchte er das Jüdisch-theologische Seminar in Breslau. Zugleich war er an der Universität Breslau für Philosophie und Naturwissenschaften eingeschrieben. 1863 promovierte er zum Dr. phil. Nachdem er 1864 das Rabbinerdiplom erworben hatte, übernahm er eine Rabbinerstelle in Gnesen, wo er bis 1869 tätig war. Anschließend wechselte er nach Märkisch-Friedland, 1876 nach Pasewalk. Weitere Stationen waren Trier (seit 1881) und Pleschen in Posen (seit 1890). 1898 übernahm er das Amt eines Stiftsrabbiners in Breslau. - Z. trat mit einer Vielzahl von wissenschaftlichen Untersuchungen hervor. Sein Hauptwerk ist eine Ausgabe der Tossefta, d.h. der der Mischna nahe verwandten Sammlung von Lehrsätzen und Überlieferungen aus dem Kreis der Tannaiten, die er unter Zugrundelegung der Erfurter Handschrift erstellte. Seine im Zusammenhang mit dieser Edition vorgetragene Ansicht über den überlieferungsgeschichtlichen Charakter der Tossefta wird heute allerdings kaum noch akzeptiert. Daneben beschäftigte Z. sich mit exegetischen und halachischen Fragen ebenso wie mit pädagogischen und homiletischen Themen. Er war überdies ein produktiver Autor von Lexikonbeiträgen.
Werke: Tosefta, Mischna und Boraitha in ihrem Verhältnis zueinander, oder palästinensiche und babylonische Halacha. Ein Beitrag zur Kritik und Geschichte der Halacha. Band 1, Frankfurt am Main 1908; Tosefta, Mischna und Boraitha in ihrem Verhältnis zueinander, oder palästinensiche und babylonische Halacha. Ein Beitrag zur Kritik und Geschichte der Halacha. Band 2, Frankfurt am Main 1909; Die Befreiung der Frauen von bestimmten religiösen Pflichten nach Tosefta und Mischna. Ein Beitrag zur Entwicklung der Halacha im Anschluß an meine Darstellung in dem Buche: Tosefta, Mischna und Boraitha, Breslau 1911 [Separatabdruck aus: Festschrift zu Israel Lewy's siebzigstem Geburtstag. Herausgegeben von Ismar Elbogen und Markus Brann, Breslau 1911]; Gesammelte Aufsätze, Frankfurt am Main 1912.
Herausgeber: Tosephta [...]: based on the Erfurt and Vienna codices. With parallels and variants. With supplement to the Tosephta. Edited by M. S. Zuckermandel [hebräisch], Pasewalk 1880 [Zweite Auflage: Jerusalem 1937].
Lit.: Marcus Brann: Geschichte des Jüdisch-theologischen Seminars (Fraenckel'sche Stiftung) in Breslau. Festschrift zum fünfzigjährigen Jubiläum der Anstalt, Breslau 1905; - Das Breslauer Seminar. Jüdisch-Theologisches Seminar ([Jonas] Fraenckelsche Stiftung) in Breslau 1854-1938. Gedächtnisschrift. Herausgegeben von Guido Kisch, Tübingen 1963; - Jüdisches Lexikon IV/2, 1638; - Jüdisches Biographisches Archiv I 660, 12-27; - DBE 10, 695.
Matthias Wolfes
Letzte Änderung: 09.04.2011