- Weltphilosophien im Gespräch -

Claudia Bickmann / Markus Wirtz (Hrsg.)
unter Mitarbeit von Viktoria Burkert
Selbstverhältnis im Weltbezug
Teil I

 

 

196 Seiten, broschiert

 

Sollte die menschliche Seele in den großen Traditionen der Weltphilosophien - in der abendländischen Philosophie von Platon bis Hegel, aber auch in den Philosophien des Orients, im Hinduismus, Buddhismus, Taoismus und Konfuzianismus - noch die Mitte bilden zwischen den natürlichen Erscheinungen der gegebenen Welt und dem freien Geiste der moralischen Welt, so hat das Selbst oder die Seele - herabgestimmt zum empirischen Ich oder zur personalen Identität - in der Philosophie des 19. und 20. Jahrhunderts diese Zentralstellung verloren. Vormals in nahezu allen Weltphilosophien Ort der Vermittlung und Indifferenzierung der Pole, sollte sie das gesamte Seinsgeschehen aus seiner Veräußerung in Natur und Geist in sich selbst zurückführen und auf einen freien Grund stellen können. Im Horizont der speziellen Metaphysik sollte die menschliche Seele zwischen dem Weltbegriff und der Idee eines Wesens aller Wesen vermitteln, in ihrer sinnlich-übersinnlichen Doppelnatur an beiden Sphären gleichermaßen einen Anteil haben.
Nun aber wird sie - vornehmlich innerhalb der abendländischen Philosophie - weder in ihren epistemischen Funktionen mehr als Integrationsinstanz (Apperzeptionseinheit) unserer empirischen Erkenntnisse dienen, noch als moralisches Ich im Reich der Zwecke spontanursächliche Quelle freier Selbstgesetzgebung sein; noch soll sie als ein fühlendes und strebendes Wesen in Kunst, Natur und Religion ihre Einstimmigkeit mit der erfahrbaren Welt erkunden. In kritischer Abgrenzung gegen das Bemühen, unser wissendes, wollendes und fühlendes Selbst- und Weltverhältnis in einem höher integrierten Theorietyp zu vereinen, ist das Ich oder Selbst aus seiner vermittelnden Rolle zwischen der vorausgesetzten natürlichen Welt und der durch freie Akte möglichen moralischen Welt entlassen.
Ohne ein Bewusstsein von ,Herkunft' und ,Zukunft' stürzt das transzendental obdachlos gewordene Ich - nach Schleiermacher, der Frühromantik, nach Kierkegaard, Nietzsche und Heidegger - in das Gefühl schlechthinniger Abhängigkeit. Angst (Heidegger) und Verzweiflung (Kirkegaard) werden zur Grunderfahrung einer Existenz, die sich nicht mehr in einem transzendenten Bezugssystem verankert weißt. Gegenläufig dazu finden wir - ebenso innerhalb der abendländischen Philosophie - eine Weltbeschreibung, die den Einzelnen als beobachtbares und beschreibbares Objekt im relationalen Gefüge innerer und äußerer Abhängigkeiten zur Selbstdementierung und Selbstannihilierung seines wissenden und wollenden Selbstverhältnisses zwingt. Indem eine solche verobjektivierende Selbst- und Weltbeschreibung nur mehr Relationen, aber keine sich wissenden Individualitäten mehr kennt, deren ,Sich-Wissen' im ,sich setzenden Selbstvollzug' (Fichte) verankert ist, liefert sie dem Gefühl der schlechthinnigen Abhängigkeit (Schleiermacher) ungewollt ein sachliches Fundament.
In welcher Weise kann eine Öffnung auch gegenüber vielfältigen nicht-europäischen Philosophien, in denen das Weltverhältnis noch an das wissende und wollende Selbstverhältnis gebunden bleibt, einen Weg in eine gemeinsame Fragestellung weisen?

Selbstverhältnis im Weltbezug Teil I

Artikelnummer: ISBN 978-3-88309-562-2
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