Sonja Matter

Verletzte Körper

Eheliche Gewalt vor dem Luzerner Scheidungsgericht
zu Beginn der 1940er Jahre

Band 3 der Schriftenreihe: Berner Forschungen zur Neuesten Allgemeinen und Schweizer Geschichte

 

199 Seiten, broschiert

 

"Das Thema Gewalt ist in aller Munde und vor aller Augen." So leitete der Historiker Albert Schnyder Burghartz 1995 die Ausgabe der schweizerischen Zeitschrift "Traverse" zum Schwerpunkt Gewalt ein. Schnyders Feststellung stimmt auch für die Erfahrung der jetzigen Zeit, werden wir doch täglich über Terroranschläge und Kriege benachrichtigt. Aber auch innergesellschaftliche Formen von Gewalt fesseln unsere Aufmerksamkeit, wie beispielsweise die Gewalt an AusländerInnen oder die Gewalt, die von Jugendlichen ausgeübt wird. So erschreckend und bedrückend diese Meldungen sind, so lassen sie sich doch in ein Orientierungsmuster integrieren, das wir fest verinnerlicht haben. Gemäss diesem spielt sich Gewalt zwischen Fremden, mehr oder weniger fern, jedenfalls im öffentlichen Raum ab. Gerade umgekehrt verhält es sich jedoch mit einer weiteren Form von innergesellschaftlicher Gewalt, nämlich der häuslichen Gewalt, die nach neueren Forschungen in der Schweiz weit verbreitet ist. Gewalt in Paarbeziehungen oder elterliche Gewalt an Kindern vollzieht sich gerade nicht zwischen Unbekannten und in öffentlichen Räumen, sondern findet zwischen Menschen statt, die sich vertraut sind und die zusammen leben. Der intime Charakter der häuslichen Gewalt irritiert und macht es unmöglich, diese Gewaltform in gängige Orientierungsmuster einzubetten. Neben dem Gefühl der Irritation, das Nachrichten über häusliche Gewalt hervorrufen, rütteln die Meldungen über schlagende Ehemänner und über gewalttätige Eltern aber auch an einer Überzeugung, die wir nur ungern zu relativieren bereit sind. Ehe und Familie gelten als friedvolle Bezirke und als Bereiche, in denen wir unser Bedürfnis nach Geborgenheit stillen. Meldungen über häusliche Gewalt wurden lange nicht zuletzt deswegen tabuisiert, weil sie sich nicht in unsere Orientierungsmuster integrieren lassen und darüber hinaus den Bereich kritisch beleuchten, von dem wir hoffen, dort viele unserer elementaren Bedürfnisse erfüllen zu können. Dieser starke Kontrast zwischen häuslicher Gewalt und unseren Vorstellungen einer "normalen" Gesellschaft scheint aber auch dazu zu führen, dass sich häusliche Gewalt in besonders hartnäckiger Weise unserem Verstehen entzieht.

Verletzte Körper

Artikelnummer: ISBN 978-3-88309-266-9
30,00 €Preis
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